Mit Abstand: Der Bühler Gemeinderat tagte erstmals nach dem verordneten Stillstand - allerdings nicht im Friedrichsbau sondern im Bürgerhaus. | Foto: Bernhard Margull

Corona-Krise

Bühler Stadtverwaltung erweist sich trotz Millionendefizit als krisenfest

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Die Corona-Krise beschert dem Bühler Haushalt gut fünf Millionen Miese. Das war eine Botschaft in der ersten Sitzung des Gemeinderats nach dem verordneten Stillstand. Die guten Nachrichten überwogen allerdings, die Rathausmannschaft erwies und erweist sich als krisenfest.

Es ist eine der heiteren Anekdoten, die trotz aller Dramatik, trotz aller tiefgreifender, negativer Auswirkungen der Corona-Pandemie die nachfolgenden Generationen doch etwas Schmunzeln lassen: Bisweilen roch es im Rathaus in den vergangenen Wochen etwas nach Kirschwasser.

Allerdings wurde da nicht, aus Corona-Frust oder Arbeitsüberlastung, dem leckeren Edelbrand aus dem Schwarzwald zugesprochen. Es war ein ganz besonderes Desinfektionsmittel – fast könnte man sagen – mit regionaltypischem Bezug.

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Wolfgang Eller klärte in der ersten Sitzung des Bühler Gemeinderats nach dem verordneten Stillstand auf. Nach dem Lockdown musste die Verwaltung jede Menge des hochprozentigen Keimtöters organisieren, was angesichts der exorbitanten Nachfrage nicht einfach gewesen sei, so der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung-Bauen-Immobilien in seinem Bericht. So habe man den Grundstoff in Form von Kirschwasser bei einem Schnapsbrenner organisiert und von einem Apotheker in Desinfektionsmittel umwandeln lassen.

Verwaltung stemmt 2.000 Einzelfallentscheidungen und Beratungsgespräche

Es ist eine kleine Facette in einem großen Komplex an neuen Herausforderungen, denen sich die Bühler Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen stellen musste. OB Hubert Schnurr lobte denn auch am gestrigen Mittwoch-Abend im Bericht zur Corona-Krise den „hervorragenden Einsatz und das außerordentliche Engagement“ aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ebenso würdigte der Stadtchef das „vorbildliche Verhalten der Bürgerinnen und Bürger“.

Immer wieder kamen neue Vorschriften, oft am Freitag oder Samstag, und die mussten dann bis zum Montag umgesetzt werden.

Martin Bürkle, Leiter Fachbereich Bürgerservie-Recht-Zentrale Dienste

Die Verwaltung sah sich auf einen Schlag mit jeder Menge zusätzlicher Aufgaben konfrontiert, die – das wussten die Fachbereichsleiter eindrücklich zu schildern – oft ohne die nötigen Erfahrungswerte bewältigt werden mussten. Vom Land kamen zwar Vorgaben und Verordnungen, doch wie genau diese umzusetzen waren, was das rein rechtlich bedeutet, darüber gab es von den Ministerien wenig Information.

Wie immens die Zusatz-Arbeit war, verdeutlichte Martin Bürkle. Rund 2.000 Einzelfallentscheidungen und Beratungsgespräch gab es laut des Leiters des Fachbereichs Bürgerservice-Recht-Zentrale Dienst zu bewältigen. „Immer wieder kamen neue Vorschriften, oft am Freitag oder Samstag, und die mussten dann bis zum Montag umgesetzt werden.“

Kommune fehlen durch die Corona-Krise gut fünf Millionen Euro

Der „am stärksten geforderte Fachbereich“ (OB Schnurr) war der von Klaus Dürk, der den Titel Bildung-Kultur-Generationen trägt. Organisation der Notfallbetreuung in den Kitas und den Schulen, die Schließung der Sportstätten, Hygiene und vieles mehr mussten zügig organisiert werden – teilweise gerade mal mit einem Tag Vorlauf. Dazu kamen die Kulturstätten, die Mediathek und vieles mehr.

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Auch Wolfgang Eller, Corinna Bergmaier (Leitung Fachbereich Wirtschafts- und Strukturförderung), Daniel Bauer (Leiter Fachbereich Personal und Organisation) schilderten, mit welch’ Flexibilität und Einfallsreichtum das Verwaltungsteam wirkte und wirkt. Daniel Bauer bilanzierte ein „tolles Miteinander.“ Stadtkämmerer Thomas Bauer fasste die Krise schließlich in Zahlen.

Die wichtigste davon: Gut fünf Millionen Euro fehlen der Kommune durch die Krise im Haushalt. Bürgermeister Wolfgang Jokerst bemerkte, „es ist weit mehr als die reine Verwaltungsarbeit geleistet worden.“

Fraktionssprecher geben Rathausteam beste Noten

Die Fraktionschefs Georg Feuerer (CDU), Karl Ehinger (Freie Wähler), Pit Hirn (SPD), Lutz Jäckel (FDP) und Walter Seifermann (Grüne) sprachen der Stadtverwaltung unisono ein ganz dickes Lob aus. Feuerer sprach von einer „gut funktionierenden Verwaltung“, würdigte Improvisations-Geist und Schnelligkeit. „Leider ist die Krise noch nicht vorbei“, so der Christdemokrat, nach dessen Ansicht sich die Gesellschaft verändern wird. Ehinger sagte, es handle sich um eine „extreme Ausnahmesituation“. Für die „enorme Leistung“ zollte der dem Rathausteam „Respekt und Dank.“

Trotz aller Kritik von außen, die Verwaltung funktioniert.

Pit Hirn, SPD

Hirn meinte: „Trotz aller Kritik von außen, die Verwaltung funktioniert“. Und schließlich hätte die ja nicht nur das Thema Corona zu bewältigen. Die Fachbereichsleiter Dürk und Bürkle hätten seit zwölf Wochen keinen freien Sonntag mehr gehabt.

Jäckel sah vor allem die Umsetzung der Landesrichtlinien als „große Herausforderung“, da die Vorgaben und Informationen nicht immer optimal gewesen seien.  Er attestierte OB und Co, einen „tollen Job“ gemacht und die „Hausaufgaben erledigt“ zu haben.

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Seifermann dankte der kommunalen Behörde ebenfalls, lobte die „oft schnelle Umsetzung der Vorgaben“ ohne dass es da einen konkreten Handlungsplan gegeben habe. „Die Verwaltung hat sich selbst neu erfunden“, so Seifermann. Zwar fühle man sich „oft überverwaltet“, aber hier sei es unersetzlich, wenn das Rathaus funkioniere.