Eine Bürgerinitiative kämpft in Achern für den Erhalt des Klinik-Standorts Achern.
Eine Bürgerinitiative kämpft in Achern für den Erhalt des Klinik-Standorts Achern. | Foto: Michaela Gabriel

Gegen Kahlschlag in der Fläche

Bürgerinitiative kämpft für Klinik-Standort Achern

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„Es geht ums Ganze, ums Überleben!“ So drastisch formulierte Franziska Müller von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Krankenhausstandorts Achern am Mittwochabend die Lage. Übervoll war der Bürgersaal des Rathauses Am Markt, viele Interessierte mussten stehen. Die Bürgerinitiative gab das Motto aus, dass jetzt der Schneeball zum Schmelzen gebracht werden müsse, bevor eine Lawine daraus werde.

Ausbau statt Schließung

„Wir alle brauchen das Krankenhaus“ stand auf einem großen Banner auf der Bühne. Versammelt hatten sich Mitarbeiter des Klinikums, niedergelassene Ärzte, Bürgermeister, Stadt- und Kreisräte sowie viele Bürger der ganzen Region, darunter allein 30 Landfrauen des Bezirks Achern, die die Forderung der Bürgerinitiative unterstützen: Das Acherner Krankenhaus dürfe nicht geschlossen, sondern müsse ausgebaut werden.

Etwas ganz Besonderes

„Das Acherner Krankenhaus ist etwas ganz Besonderes und ein unverzichtbarer Klinikstandort“, sagte Franziska Müller, die seit 30 Jahren dort arbeitet. Weil der Kreistag im Juli über die Zukunft der Standorte des Ortenau Klinikums entscheide, müsse man den Politikern „Hilfestellung leisten, dass sie das Richtige tun.“  Die Bürgerinitiative, gegründet von Mitgliedern des Fördervereins des Klinikums Achern, fordere „von Geschäftsführung und Politik eine Chance“. Der Standort müsse zukunftsgerichtet ausgebaut werden.

Unterschriften für Klinik werden gesammelt

Viele Unterstützer aus Politik, Kirche, Pflegebranche und Wirtschaft für dieses Anliegen wurden konkret benannt. Die Unterschriftensammlung solle fortgesetzt werden. Schon jetzt brauche man einen Ordner, um sie zu fassen. Es werde eine Podiumsdiskussion geben und ab heute eine Internetseite mit allen Anliegen und geplanten Aktionen.

Kein Mammut-Krankenhaus auf der grünen Wiese

Von einer „ganz dramatischen Entwicklung“ bei den Hausärzten sprach Oberbürgermeister Klaus Muttach. Weil immer mehr Arztsitze unbesetzt blieben, spiele die ambulante und die Notfallversorgung an einer Klinik eine immer größere Rolle. Deshalb sage er ein klares Nein zu einem „Kahlschlag in der Fläche und einem Mammut-Krankenhaus auf der grünen Wiese“. Der Standort Offenburg müsse für die Maximalversorgung ausgebaut werden, aber das Ortenau-Klinkum lasse sich nicht auf drei Standorte  reduzieren.

Gegen krankenhausfreie Zone zwischen Baden-Baden und Offenburg

„Der Erhalt des Krankenhauses in Achern ist kein Gnadenakt, sondern muss das Ergebnis medizinischer, wirtschaftlicher und politischer Vernunft sein!“, so Muttach. Es sei kein kleines Haus, sondern ein Haus mit Perspektive, das den Klinikverbund im Kreis stärke und Leistungen weit über die Grundversorgung hinaus biete. Es dürfe keine krankenhausfreie Zone zwischen Baden-Baden und Offenburg entstehen. Die Stadt Achern werde sowohl den Ausbau am bisherigen Standort als auch einen etwaigen Neubau des Acherner Krankenhauses unterstützen und habe bereits Flächen dafür angeboten.

Unser aller Engagement nötig

Beeindruckt vom Schulterschluss von Politik, Bevölkerung und Klinikvertretern im Bürgersaal war der Chefarzt und ärztlicher Leiter Rüdiger Feik. „Besondere Umstände machen unser aller Engagement nötig“, sagte er und stellte das Haus und seine Stärken vor. Moderates Wachstum und ein Schulterschluss mit den Partnern in Oberkirch seien notwendig für die Gesundheitsfürsorge der Zukunft in der Region.

von Michaela Gabriel