Facebook
Für viele Bürgermeister ist Facebook ein gutes Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. | Foto: Dominic Lipinski/PA Wire

Umgang mit sozialen Medien

Bürgermeister auf Facebook: So aktiv sind die Rathauschefs in der Region

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Auf Facebook tummelt sich heutzutage praktisch jeder. Für Politiker ist das eigentlich ein guter Ort, um für sich und ihre Sache zu werben. Im Landkreis Rastatt gibt es mit dem Stadtkreis Baden-Baden 24 Gemeinden. Auf Facebook sind im gesamten Landkreis nur drei Rathauschefs wirklich regelmäßig öffentlich aktiv.

Im Murgtal ist kein anderer Schultes so oft auf dem sozialen Medium aktiv wie Loffenaus Bürgermeister Markus Burger. Julian Christ, Bürgermeister in Gernsbach, nutzt ebenfalls das soziale Medium mit einer Fanseite. Dasselbe Bild herrscht auch in der Rheinschiene: Lediglich Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Christian Schmid, Schultes in Iffezheim, posten und teilen regelmäßig aktuelle, öffentliche Inhalte auf Facebook.

Bürgermeister Jürgen Pfetzer in Ottersweier nutzt ebenfalls Facebook, allerdings nicht-öffentlich. Auf Kreisebene nutzt Landrat Toni Huber das soziale Medium nahezu tagesaktuell. Auch auf anderen Plattformen wie Instagram oder Twitter sieht es, was die Bürgermeister im Landkreis betrifft, ähnlich aus.

Grund genug, um nachzufragen, was die vier Politiker auf Facebook veröffentlichen und warum sich mancher Bürgermeister entscheidet, dort nicht aktiv zu sein.

Es ist ein gutes Instrument der Öffentlichkeitsarbeit.

Christian Schmid, Bürgermeister Iffezheim

 

Die Rathauschefs in Rastatt und Bühl haben sich gegen einen Facebook-Auftritt entschieden. Beide haben dieselben Gründe, warum sie kein soziales Medium nutzen. Ein Benutzerkonto auf Facebook benötigt sehr viel Zeit. Immerhin muss der Facebook-Auftritt regelmäßig gepflegt werden, sonst sorgt das bei Bürgern für großen Unmut.

Ein seriöser Auftritt erfordert einen sehr hohen Zeitaufwand

Hubert Schnurr, Oberbürgermeister Bühl

Experte rät zum Online-Profil

Die Zahlen sprechen für sich: Von 24 Gemeinden im Landkreis sind nur drei Bürgermeister und der Landrat regelmäßig öffentlich auf Facebook aktiv. Der Landkreis Rastatt ist offensichtlich das Habitat digitaler Murmeltiere.

Facebook kann viele Vorteile bieten

„Das kann man so nicht sagen. Dieser Landkreis ist da keine Ausnahme“, erklärt Paul Witt, ehemaliger Direktor der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Facebook könne aber viele Vorteile für einen Rathauschef bieten.

Boris Palmer nutzt soziales Medium extensiv

Für Witt steht fest, dass Boris Palmer unter den deutschen Schultes der Facebook-Papst ist. Der Tübinger Oberbürgermeister ist viel auf Facebook oder Twitter aktiv. „Er betreibt das extensiv und hat wohl auch Erfolg damit“, erzählt Witt. Palmer erschließe sich so andere Wähler- und Bürgergruppen.

Mit sozialen Medien werden jüngere Menschen erreicht

Für den Verwaltungsexperten ist klar, dass man mit sozialen Medien jüngere Menschen erreicht. Vorausgesetzt man nutzt verschiedene Plattformen. „Facebook ist ja mittlerweile das Senioren-Social-Media“, sagt Witt lachend. Dort tummeln sich die 40- bis 60-Jährigen. Twitter sei so ein Zwischending und auf Instagram seien eher die Jüngeren unterwegs.

 

So eine furztrockene Berichterstattung,
wie man in den Amtsblättern liest,
geht da gar nicht.

Paul Witt, ehemaliger Direkter der Hochschule Kehl

„Das Tolle ist doch auch, dass ich auf sozialen Medien etwas Witziges loslassen kann“, meint Witt. Oftmals laufe die Kommunikation über Bilder ab. „So eine furztrockene Berichterstattung, wie man in den Amtsblättern liest, geht da gar nicht“, erklärt er. Das müsse auf sozialen Medien schon was pfiffiges sein.

Die Aufgabe des Bürgermeisters ist, im Gespräch mit den Bürgern zu bleiben. „Soziale Medien ersetzen nicht den persönlichen Kontakt zu den Menschen“, betont Witt. Der Bürger wolle den Bürgermeister sehen und greifen können.

In der Gemeindeordnung gibt es die Informationspflicht

In der Gemeindeordnung gibt es die Informationspflicht. Eine Kommune muss die Bürger über alles wichtige informieren. „Aber was versteht man unter dem Begriff informieren? Das bleibt den Bürgermeistern überlassen“, erklärt Witt. Die üblichen Medien seien Amtsblätter oder die Tageszeitungen. „Es zählen auch die soziale Medien dazu“, betont er. Das sei natürlich keine Verpflichtung, dass ein Bürgermeister in sozialen Medien aktiv ist, weil er die Informationspflicht hat.

Mit unqualifizierten Posts muss man rechnen

Witt ist sich sicher, dass viele der Rathauschefs soziale Medien auch ganz einfach ablehnen. „Der ein oder andere hat sich auch bewusst wieder abgemeldet“, erklärt er. Manche Posts oder gar Hasskommentare sind keine schöne Sache. Witt redet viel mit Bürgermeistern, aber er hat noch niemanden erlebt, der so stark angefeindet wurde. Mit unqualifizierten Posts müsse man ganz einfach leben.

Aufwendig ein Facebook-Profil zu pflegen

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Zeit bei sozialen Medien. Ein Facebook-Profil zu pflegen ist aufwendig. „Bei den städtischen Profilen macht das eine Pressestelle. Die liest die Posts zwölf Stunden am Tag“, so Witt. Wenn etwas anbrenne, müsse man zeitnah reagieren können. „Das ist anders als in herkömmlichen Medien.“

Verwaiste Profile kommen nicht gut an

Deshalb haben viele kleine Kommunen auch keinen Auftritt in den sozialen Medien. Viele behelfen sich dann damit, dass der Bürgermeister sein privates Facebook-Profil dienstlich und halb privat nutzt. Wichtig sei, dass das Profil nicht verwaist aussieht. „Das kommt gar nicht gut an.“ Witt weiß, dass Bürger hochzufrieden sind, wenn sie vom Bürgermeister eine Antwortmail bekommen.

„Wenn aber jemand auf eine defekte Laterne oder einen klappernden Schachtdeckel hinweist, sollte das auch repariert werden“, sagt der Verwaltungsexperte. Er rät den Bürgermeistern einen Auftritt bei Facebook zu unterhalten. „Heutzutage gilt man da schnell als antiquiert, wenn man es nicht macht“, sagt Witt.