Spur der Verwüstung: Unbekannte ließen am vergangenen Wochenende an den Tischtennisplatten im Freistetter Schulhof ihrer Kraft freien Lauf. Ein Anwohner fordert deshalb, das Gelände mit Kameras zu überwachen. | Foto: red

Vandalismus in Rheinau

Bürgermeister lehnt Überwachungskameras ab

Anzeige

Frust über Vandalismus am Schulzentrum Freistett: Ein Anwohner machte zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung seinem Ärger Luft. Nach seinen Beobachtungen trifft sich in den Sommermonaten vor allem an den Wochenenden und vor Feiertagen eine gewisse Szene im Freistetter Ortszentrum, die dann dort ihr Unwesen treibt.

Tischtennisplatten beschädigt

Wie der Mann dem Acher- und Bühler Bote sowie bnn.de berichtet, soll es sich um Jugendliche von der fünften bis zur zehnten Klasse handeln. Am vergangenen Sonntag hat der Anwohner, der nicht genannt werden möchte, die Tischtennisplatten auf dem Schulhof in einem desolaten Zustand vorgefunden. Eine Platte lag verkehrt herum auf dem Boden, eine weitere war auf die Seite gekippt. Bauhofmitarbeiter haben ein Spielgerät mittlerweile entfernt. Auch seien Gullydeckel unweit der Grundschule geöffnet gewesen. Bauamtsleiter Roland Mündel bestätigte dem Mann, dass der Kanalmeister von „Problemen mit einem Gullydeckel“ berichtet habe.

Sinnlose Zerstörung: Einen Baum häuteten Unbekannte vor der Bibliothek. Die Steinbank ist ebenfalls beschädigt. Foto: chs | Foto: chs

Anwohner fordert Überwachungskameras

Ein weiteres Ärgernis: An der Bibliothek ließen die Vandalen ihre Zerstörungswut an einem Baum aus, indem sie ihn häuteten. Zudem würden sich die Jugendlichen, so die Aussage des Mannes, abends auf dem Friedhof treffen und absprechen, wer im Supermarkt Alkohol kaufen könnte. „Ich kann Ihnen Whiskyflaschen zeigen, die ich dort gefunden habe“, klagt der Anwohner gegenüber Bürgermeister Welsche und den Gemeinderäten. So forderte der Anwohner von dem Gremium eindringlich, Überwachungskameras zu installieren, zum Beispiel auf dem städtischen Gelände des Schulzentrums, an der Bibliothek.

Wollen Orwell nicht in Rheinau einführen

Dies lehnte Bürgermeister Michael Welsche in Hinblick auf den Roman „1984“, der einen totalitären Überwachungsstaat beschreibt, entschieden ab: „Wir wollen Orwell in Rheinau nicht einführen.“ Es sei eine politische Grundsatzentscheidung des Gemeinderates, an öffentlichen Plätzen keine Kameras zu installieren, vor allem an Orten mit viel Publikum. Der Anwohner konterte, dass die Kameras nach Schließung der Bibliothek eingeschaltet werden könnten. Auch diesem Vorschlag erteilte Welsche eine Absage. „Wer abends dort spazieren geht, will nicht gefilmt werden.“

25.000 Euro für Vandalismusschäden

Der Bürgermeister unterstrich, dass die Verwaltung die Probleme erkenne. „Es ist schade, doch auch in Rheinau haben wir Vandalismus“, bedauert Welsche. Deshalb habe die Verwaltung für die Reparatur etwaiger Schäden im Haushalt 25.000 Euro bereitgestellt.

Privater Sicherheitsdienst kontrolliert Schulhof

„Die Stadt ergreift einen Strauß von Maßnahmen“, betonte Welsche. Hierzu zählen Polizeikontrollen, auch private Sicherheitsdienste sind vor allem in den Schulferien ergänzend zur Polizei im Einsatz und haben den Kindergarten und den Schulhof im Visier. Zudem sprechen die städtischen Jugendreferenten Personen an, die für begangenen Vandalismus bekannt seien. Welsche bestätigte, dass er die Personalien einiger Täter auf seinem Schreibtisch habe. „Da läuft vieles im Hintergrund, was Sie nicht mitbekommen müssen“, meinte das Rheinauer Stadtoberhaupt.

Es geht um Sicherheit der Allgemeinheit

Eine Videoüberwachung sei indes nicht hilfreich: „Die Szene würde sich 500 Meter weiter verlagern. Dann müssten wir überall Kameras aufhängen“, so Welsche. Dies überzeugte den Anwohner nicht. Es gehe ihm um die Sicherheit der Allgemeinheit. Er beschwere sich nicht, weil er in der Nähe wohne.“ Eine Videoüberwachung würde diese Szene jedenfalls vergrämen, ist der Mann überzeugt. Doch wie das Problem tatsächlich zu lösen ist, diese Frage bleibt letztlich offen.