Steht nicht nur in der Garage: Carl Grethel bewegt sein rotes Thunderbird-Cabrio regelmäßig. Bei schönem Wetter geht es auf die Schwarzwaldhochstraße oder ins nahe Elsass.
Steht nicht nur in der Garage: Carl Grethel bewegt sein rotes Thunderbird-Cabrio regelmäßig. Bei schönem Wetter geht es auf die Schwarzwaldhochstraße oder ins nahe Elsass.

Der einzig wahre Donnervogel

Carl Grethel besitzt eines der ersten Ford-Thunderbird-Exemplare

Von Georg Keller

Corvette, Mustang und Camaro, wer nach amerikanischen Sportwagen fragt, bekommt zu allererst diese Antworten. Der Bühler Carl Grethel war dagegen schon immer ein Fan vom Ford Thunderbird, zu deutsch: Donnervogel.

Grethel wartet jahrzehntelang auf die richtige Gelegenheit

Jahrzehntelang wartete er auf die richtige Gelegenheit, im Jahr 2015 schlug er dann zu und erstand in der Nähe von Aachen seinen Traumwagen, ein Thunderbird Cabrio mit Hardtop in rot. „Es ist eines der ersten Exemplare“, so Carl Grethel. Der V8-Motor hat bei 4,8 Litern Hubraum 193 PS Leistung, aber noch Trommelbremsen und ein Drei-Gangschaltgetriebe („der erste Gang ist nicht synchronisiert“). Das Fahrzeug kommt aus den USA, der Vorbesitzer war Mitglied im Thunderbird-Club. Es besitzt eine elektrisch verstellbare durchgängige Sitzbank, wichtig für Dates in den damals in Amerika noch weit verbreiteten Autokinos.

Leidenschaft für Autos in die Wiege gelegt

Die Leidenschaft für Autos war dem Grethel schon in die Wege gelegt, sein Großvater und sein Vater betrieben bereits eine Tankstelle und einen Autohandel. Mit Sohn Thomas ist mittlerweile bereits die dritte Generation im Betrieb aktiv. Auch wenn mittlerweile weitere Marken hinzukamen, „die DNA ist Ford“, meint Grethel. Viele Jahrzehnte importierten die Grethels bereits den Ford Mustang, ein „Pony-Car“, sogar als Ford den Sportwagen in Deutschland noch nicht offiziell im Sortiment hatte. Heute vermietet das Unternehmen auch Mustangs für Hochzeiten. Der Thunderbird ist dagegen die private Passion von Carl Grethel.

Erste Ausfahrt endet abrupt

Zusammen mit seinem Schwager holte er den Roadster auf dem Hänger ins Badische. Die erste Ausfahrt mit Gattin Andrea endete dagegen abrupt: In Achern fiel der Motor aus, ausgerechnet vor einer vollbesetzten Eisdiele. Hilfsbereite Passanten schoben den Amerikaner von der Kreuzung. Mittlerweile ist er komplett restauriert und wird regelmäßig bewegt, muss nicht nur in der Garage stehen. „Wir cruisen gemütlich“, sagt Carl Grethel. Bei schönem Wetter geht es auf die Schwarzwaldhochstraße oder ins nahe Elsass mit den Vogesen.

„Bei dem Auto ist eines faszinierend: Er steht im Winter, dann lade ich die Batterie, trete dreimal auf das Gaspedal, dann läuft der Motor“, lässt der Geschäftsführer des Bühler Autohauses nichts auf die solide amerikanische Technik aus den 1950er Jahren kommen. Trotz der Nähe zu Baden-Baden ist Grethel zum erstenmal beim Internationalen Oldtimer-Meeting dabei. Ford ist in diesem Jahr Ehrengastmarke.

Thunderbird erhält einen Ehrenplatz im Foyer des Kurhauses

Das Autohaus Grethel wird dort auch einige Fahrzeuge aus aktueller Produktion präsentieren. Der Thunderbird wird einen Ehrenplatz im Foyer des Kurhauses erhalten. „Mustang kennt jeder, der Thunderbird ist seltener“, meint Grethel. „Die Leute gucken freudig, es ist ein Auto, bei dem Sympathien rüberkommen“, hat er bei seinen Ausfahrten beobachtet. Die späteren Generationen des Thunderbird wurden größere „Straßenschiffe“. Für Puristen ist und bleibt der von 1955 bis 1957 gebaute Thunderbird Classic der einzig wahre „Donnervogel“.