Schwarzwaldstraße Önsbach Kettensäge
In der Schwarzwaldstraße in Achern-Önsbach griff Karl Früh zur Kettensäge. | Foto: Reinhard Brunner

Önsbacher Kettensägen-Aktion

CDU-Fraktionschef im Interview: „Das Ganze ist ein Murks“

Seit Wochen bewegt die Schwarzwaldstraße in Achern-Önsbach die Gemüter – nicht zuletzt wegen der Baumstämme, mit denen bislang genutzte Parkplätze abgesperrt wurden, um so die Sicht auf die nahe gelegene Einmündung zu verbessern. Karl Früh, CDU-Fraktionschef im Acherner Gemeinderat, hatte zur Kettensäge gegriffen und sich selbst einen Parkplatz geschaffen, sehr zum Verdruss des Ortschaftsrats.

Haben Sie immer eine Kettensäge zur Hand?

Karl Früh: Ich wohne direkt am Wald, und da sollte man so etwas schon im Auto haben – könnte ja sein, dass ein Baum vom Sturm umgeworfen wird und man sonst nicht mehr nach Hause könnte…

Im Ernst: Es hat schon Symbolwert, wenn der Chef der größten Gemeinderatsfraktion auf diese Weise zur Selbsthilfe greift. Was genau war denn da los?

Früh: Das Ganze hat sich am Weißen Sonntag abgespielt, und ich wollte nicht, dass das für unseren Sohn zu einem Schwarzen Sonntag wird. Die wenigen Parkplätze rund um die Kirche waren alle belegt, man hätte einen 20-minütigen Fußmarsch vom Oberdorf bis zur Kirche in Kauf nehmen müssen. Ich habe meinen Parkplatz einer Frau überlasen, die schon den Tränen nahe war, weil sie nicht rechtzeitig zum Gottesdienst gekommen wäre. Letztlich habe ich die Säge genommen, sonst wäre ich selbst zu spät gekommen. Ob ich das nochmal tun würde, da bin ich mir nicht so sicher, zumal ich das Verhältnis zu Ortsvorsteherin Christine Rösch nicht belasten möchte, die ja meine Fraktionskollegin im Gemeinderat ist.

Einen Gehweg einfach so mit Baumstämmen abzusperren damit niemand dort parkt, ist schon eine recht hemdsärmelige Vorgehensweise – und wirft haftungsrechtliche Fragen auf.

Früh: Das Ganze ist ein Murks. Entweder macht man so etwas richtig und stellt beispielsweise Blumenkübel auf, oder man lässt es ganz bleiben. Insgesamt stellt sich die Frage, ob es die ökologisch richtige Strategie ist, wenn man die Autofahrer zwingt, ihre Fahrzeuge auf der Straße abzustellen. Das behindert den Verkehr, Autos müssen bremsen und wieder anfahren, bei Lastwagen wird es gleich ganz schwierig. Das alles führt doch nur zu mehr Lärm und mehr Abgasen. Die Einrichtung von Parktaschen ist manchmal gefährlicher als wenn man nichts getan hätte. Es gibt noch genug andere Stellen in Achern, wo der ruhende Verkehr den Vorzug gegenüber dem fließenden bekommt, man denke nur an die Rennwiese, eine Straße, die von vielen Schülern genutzt wird und wo es wegen der parkenden Fahrzeuge immer wieder zu Problemen und gefährlichen Situationen kommt.

Werden Sie mit der CDU-Fraktion jetzt einen Antrag stellen, solche neuralgischen Stellen mal genauer unter die Lupe zu nehmen?

Früh: Nein, das ist Sache der Verwaltung, sich um solche Probleme zu kümmern.

Wie ist die Angelegenheit mit der Kettensäge für Sie ausgegangen?

Früh: Ich habe einen Strafzettel bekommen und ihn bezahlt.

Da war die Stadt aber schnell. Was hat es denn gekostet?

Früh: Das möchte ich jetzt nicht sagen, aber es war nicht sehr viel.

Position der Stadt Achern:
Von einem rechtswidrigen oder illegalen Vorgehen könne keine Rede sein. So reagiert die Stadt Achern auf Kritik an den Baumstämmen in der Schwarzwaldstraße. Das Provisorium mit den abgelegten Holzstämmen sei vorteilhaft, weil dadurch die Sichtverhältnisse besser seien als wenn an dieser Stelle Fahrzeuge parken würden, so die Stadt auf Anfrage dieser Zeitung. Besondere haftungsrechtliche Risiken sehe man dabei nicht, die Stämme lägen sicherlich nicht in einem Bereich, der üblicherweise von Motorradfahrern befahren würde, so die Stadt zur Frage eines erhöhten Sturz- und Verletzungsrisikos. Zudem lägen die Stämme in der Schwarzwaldstraße im Bereich einer Tempobeschränkung, an ihnen seien ferner Reflektoren angebracht. Auch die Stadt verweist, wie zuvor Karl Früh im Gespräch mit dieser Zeitung, auf das abgeschlossene Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Zersägen der Baumstämme. Von einem Strafantrag habe man abgesehen, da materiell kein Schaden entstanden sei.