Auf dem sportlichen Gipfel war Christian Lusch (links) bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen angelangt, als er hinter Olympiasieger Matthew Emmons (Mitte) und vor dem drittplatzierten Sergei Martynov die Silbermedaille holte. | Foto: imago images

Silbermedaille in Eisental

Christian Lusch erlebt Sternstunde bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen

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Wer kann schon von sich behaupten, dass er zu Hause eine olympische Silbermedaille im Schrank liegen hat? In Mittelbaden gibt es nur einen, nämlich Christian Lusch. Der Sportschütze aus dem Bühler Stadtteil Eisental belegte bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen im Kleinkaliber-liegend-Wettbewerb den zweiten Platz und bekam dafür das wertvolle Stück umgehängt. Ein erhebender Moment war es, als der damals 23-Jährige das Podest bestieg.

16 Jahre sind seither vergangen. Nicht nur – aber gerade – im schnelllebigen Sport ist dies eine lange Zeit. So verwundert es nicht, wenn Lusch sagt: „Es kommt kaum noch vor, dass ich auf den Erfolg angesprochen werde. Es ist schon weit weg und ich selbst denke selten daran, wie das einst war. Im Alltag spielt es keine Rolle mehr.“

Ich habe gelernt, mit dem Leistungs- und Erwartungsdruck auf höchster Ebene umzugehen.

Christian Lusch

Wenn der mittlerweile 39-Jährige dann aber tatsächlich einmal, was selten genug geschieht, die Schatulle öffnet, in der sich die Silbermedaille befindet, stellt sich umgehend ein „gewisser Stolz“ ein. „Natürlich kommen da die positiven Erinnerungen zurück“, so Lusch, der nach eigener Aussage bis heute von den als Spitzensportler gemachten Erfahrungen profitiert.

„Es gab Höhen und Tiefen. Ich habe gelernt, mit dem Leistungs- und Erwartungsdruck auf höchster Ebene umzugehen. Es hat mir gezeigt, dass ich, um so etwas Besonderes zu erreichen, fokussiert sein und Opfer bringen muss. Das hat mich sicherlich geprägt und kommt mir auch jetzt noch im privaten Bereich zugute.“

Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren.

Christian Lusch

Geholfen haben ihm die zusammen mit Trainer Raimund Blattmann und Mentalcoach Rainer Hatz erworbenen Fertigkeiten vor allem an jenem 20. August 2004, dem heißesten Tag des Athener Olympia-Sommers. Nach dem Vorkampf belegte der Newcomer aus Eisental mit 598 von 600 möglichen Ringen den zweiten Platz hinter dem US-Amerikaner Matthew Emmons.

Schuss für Schuss schob er sich im Finale an den Führenden heran und verkürzte den Rückstand bis zum finalen Durchgang auf 0,4 Ringe. Mehr ging dann aber nicht mehr. Nach dem Wettkampf jubelte er trotzdem: „Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Ich bin einfach nur glücklich.“ Dass er anschließend das Weltcup-Finale in Bangkok mit der Weltrekord-Leistung von 600 Ringen für sich entschied, krönte die märchenhaft verlaufene Saison.

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Keine weitere Olympia-Teilnahme

Doch auch mit den Schattenseiten des Hochleistungssports musste sich Lusch auseinandersetzen. Obwohl er in der Folge weiterhin die Nummer eins der nationalen Kleinkaliber-liegend-Schützen war und dem deutschen Team den Quotenplatz für Peking 2008 sicherte, blieb ihm eine zweite Olympia-Teilnahme verwehrt.

Mit seiner jederzeit offenen Art hatte er sich in der Funktionärsriege nicht nur Freunde gemacht. Am Schluss fehlte ihm die Rückendeckung. „Vielleicht hätte ich manchmal etwas diplomatischer vorgehen müssen“, sagt er im Rückblick – ohne Groll.

Zweites Standbein außerhalb des Sports

Eine andere Erkenntnis konnte er gewinnbringend für sich verwenden. „Es war mir immer klar, dass ich neben dem Sport ein zweites Standbein brauche.“ Den eingeschlagenen Weg der beruflichen Absicherung mit einer Tätigkeit, die nichts mit dem Sport zu tun hat, sieht der als SAP-Berater tätige Wirtschaftsingenieur als richtungsweisend für sein Leben an.

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Mittlerweile als Bogenschütze aktiv

Im Jahr 2020 spielt das Schießen beim Vater von drei Kindern zwar keine Hauptrolle mehr, ganz von seinem Hobby kann er aber auch nicht lassen. Beim Heimatverein SV Schartenberg Eisental ist Lusch als Zweiter Vorsitzender engagiert. Zudem übt er sich im Zuge der sportlichen Aktivitäten von Sohn Jonathan, amtierender Jugend-Landesmeister, mittlerweile im Bogenschießen.

Dabei stellte er fest, „dass es vom Motorischen und vom Kraftaufwand schon etwas anderes als Gewehrschießen ist“. Lusch: „Das mache ich in erster Linie zum Spaß, auch wenn der alte Ehrgeiz, besser zu werden, ab und zu durchdringt.“

Zu olympischen Ehren wird es freilich nicht reichen. Womit noch einmal die Silbermedaille von Athen zum Thema wird. „Im Keller liegen die Materialien für eine Vitrine. Vielleicht baue ich sie irgendwann mal auf und stelle meine Trophäen rein.“ Für die Athener Silbermedaille – raus aus der Schatulle und aus dem Schrank – wäre dann ein Ehrenplatz reserviert.