Die Vorstandschaft der drei Achener Moscheevereine mit Ashraf Attia in der Mitte.
Die Vorstandschaft der drei Achener Moscheevereine mit Ashraf Attia in der Mitte. | Foto: Klatt

Eine Frage der Heimat

Christlich-muslimische Dialoggruppe: Wie sich Bestattungen unterscheiden

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Wo und wie werde ich einmal begraben? Diese Frage stellt sich, je nach Glaubenszugehörigkeit, ganz unterschiedlich: Um christliche und muslimische Bestattungskultur ging es bei einem Vortrag, zu dem die christlich-muslimische Dialoggruppe in Achern eingeladen hatte.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Die Idee zu diesem Abend sei bei den jüngsten Treffen der Dialoggruppe entstanden, so Martin Karl, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Achern, bei seiner Begrüßung der rund 90 – in der Mehrheit muslimischen – Gäste. In Achern gibt es einen Planentwurf für die Gestaltung eines islamischen Grabfelds beim Friedhof in der Kernstadt, und Bürgermeister Dietmar Stiefel betonte, dass das Thema bei den neuen Beratungen ganz oben stehen werde, damit man dem wachsenden Interesse auch entsprechen könne.

Stiefel freute sich darüber, dass er mit Imam Metin Lale und Vorstand Yakub Keskin von der DITIB, Murat Yazici vom islamischen Kulturverein sowie Habib Slim vom Islamischen Forum Vertreter aller drei Achener Moscheevereine begrüßen konnte.

Kirche empfiehlt die Erdbestattung

Ruth Scholz, Pastoralreferentin aus Offenburg, stellte die Begräbnisrituale der katholischen Kirche vor. Dort gebe es mittlerweile unterschiedliche Bestattungsformen und -orte, auch wenn die Erdbestattung nachdrücklich empfohlen werde.

Feuer- und Baumbestattungen würden aber zunehmen, See- und Flussbestattungen seien allerdings nicht gewünscht, da man den Ort der Bestattung mit dem Namen kennzeichnen solle, so Scholz. Sie beschrieb Totenwache, Totengebet, die Bedeutung der Messfeier, den Ablauf des eigentlichen Gottesdienstes und das Totengedenken.

Auch Suizidanten bekommen heutzutage christliche Bestattung

Es gebe liturgische Vorgaben, aber Glaube und Bedürfnisse des Verstorbenen und seiner Angehörigen werden berücksichtigt. Auch Suizidanten würden heute, im Gegensatz zu früher, kirchlich beerdigt werden, da habe ein Umdenken stattgefunden. Zentral sei bei allem, dass die Trauerzeremonie auch ein Ausdruck der Hoffnung auf die Auferstehung sei.

Ashraf Attia stellt die muslimische Bestattungskultur vor, links daneben Pastoralreferentin Ruth Scholz.
Ashraf Attia stellt die muslimische Bestattungskultur vor, links daneben Pastoralreferentin Ruth Scholz. | Foto: Klatt

Einen Überblick über das Verständnis von Leben und Tod bei Muslimen gab Ashraf Attia, Islamwissenschaftler der Universität Freiburg. Der grundsätzliche Ablauf der islamischen Bestattung sei vorgegeben: vom Glaubensbekenntnis über die Waschung von Kopf bis Fuß und das Einhüllen in das weiße Leichentuch, das die Gleichheit aller vor Gott symbolisieren soll, und dem sich anschließenden Totengebet.

Muslimische Beerdigung so schnell wie möglich

Die eigentliche Beerdigung solle dann so schnell wie möglich erfolgen, so Attia, in Deutschland gebe es allerdings die Regel, dass zwischen Tod und Bestattung 48 Stunden liegen müssen, da müsse man Kompromisse eingehen. Die Form sei eine Erdbestattung, bei der – und das sei ganz zentral – das Grab nach Mekka ausgerichtet wird. Auch werde man im Leichentuch und nicht im Sarg bestattet, das sei in Baden-Württemberg seit 2014 möglich.

In immer mehr Städten werden muslimische Gräberfelder eingerichtet, da die Zahl derer, die hier bestattet werden wollen, zunehme. Für Ashraf Attia ist die Frage des Bestattungsorts auch eine Frage dessen, wie man persönlich den Begriff Heimat definiert, zumal es mittlerweile mehr als 100 000 deutsche Muslime gebe.

Magdalena Seiser vom Bildungswerk Achern betonte in der sich anschließenden, lebhaften Diskussion, dass sich für viele muslimische Flüchtlinge in Achern die Frage nach einem Begräbnis in ihrer ursprünglichen Heimat überhaupt nicht stelle, da sie nicht zurück könnten, und appellierte deshalb an die Stadt, das muslimische Gräberfeld auch hier einzurichten.