In Teilen des Acherner Trinkwassernetzes wurden coliforme Keime entdeckt. | Foto: Oliver Berg

Chlorung von Montag an

Coliforme Keime im Acherner Wassernetz

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Nach dem Fund von Enterokokken im Sasbachwaldener Trinkwasser gibt es jetzt auch Probleme im Acherner Leitungsnetz. Die Stadtverwaltung hat am Freitagnachmittag nach dem Fund Coliformer Keime eine Abkochempfehlung für Teilbereiche des Versorgungsgebietes Achern und Oberachern veröffentlicht. Die Menschen in den betroffenen Bereichen sollen per Handzettel informiert werden, kündigt die Verwaltung an. Am Montag werde mit der Chlorung des Wassers in den betroffenen Leitungen begonnen.

Von einem unmittelbaren Zusammenhang mit der in Sasbachwalden festgestellten Belastung geht man in Achern nicht aus – es handle sich um unterschiedliche Keimarten, so der Leiter des Fachbereichs Technische Betriebe im Acherner Rathaus, Ralf Volz. Wo die Keime herkommen – aufgefallen ist laut Volz lediglich eine von zwölf Proben – das ist nicht abschließend zu beantworten: „Wir können uns das selbst nicht ganz erklären“.

Stadt empfiehlt Trinkwasser abzukochen

Volz schließt nicht aus, dass es mit einigen Unterbrechungen im Wassernetz zusammenhängt, die aufgrund von Reparaturarbeiten nach Rohrbrüchen in Oberachern nötig wurden. In solchen Fällen könnten sich Beläge, die gewöhnlich als harmlos gelten, in den Leitungen ablösen und Keime freisetzen.
Die Stadt Achern kündigt für den Montag eine Chlorung mit 0,3 Milligramm Chlor pro Liter Wasser an, Vorsorglich wird empfohlen, Trinkwasser abzukochen, bis das gesamte Leitungsnetz ausreichen gechlort ist. Man werde informieren, wenn die Abkochempfehlung wieder aufgehoben sei, so die Stadt in einer Pressemitteilung. Sie weist zudem darauf hin, dass das gechlorte Wasser für Aquarien ungeeignet sei.

Leitungsnetz wird gechlort

Die Verunreinigung sei nicht im gesamten Leitungsnetz entdeckt worden. Gleichwohl werde man aus technischen Gründen größere Teile des Netzes behandeln. Dies betrifft laut Stadtverwaltung das gesamte Leitungsnetz in Oberachern, das Versorgungsgebiet Omerskopf in Achern, den unteren Netzbereich von Sasbachwalden sowie die Bereiche Obersasbach-Vogelsberg und Blumberg. Diese sind ohnedies noch vom Abkochgebot erfasst, das die Gemeinde Sasbachwalden ausgesprochen hatte (ABB und bnn.de berichteten).

Verunreinigungen durch private Brauchwasserleitungen

Wie Ralf Volz am Freitag weiter betonte, könnten auch immer wieder Verunreinigungen durch die Verbindung des öffentlichen Wassernetzes mit privaten Brauchwasserleitungen entstehen, zum Beispiel beim Befüllen von Zisternen, das in diesem trockenen Sommer mit Sicherheit öfter vorgekommen sei als in „normalen“ Jahren. Solche Verbindungen seien nicht gestattet und die Brauchwasseranlagen wegen dieses Risikos auch anzeigepflichtig. Zum Beispiel müsse beim Befüllen von Zisternen ein ausreichender Abstand zwischen dem von Trinkwassernetz kommenden Einlauf und dem Wasser im Behälter sichergestellt sein. Das sei nicht immer der Fall, manchmal hänge auch ein Gartenschlauch in den Behälter und dann werde es schwierig: „Keime können sich zwar in der Regel nicht rückwärts durch einen Schlauch bewegen“, so Volz, doch es sei schon vorgekommen, beispielsweise durch lange stehendes Wasser.

Durchfallerkrankungen möglich

Colifiorme Keime wie sie in Achern gefunden wurden, können je nach Empfindlichkeit des Patienten Durchfallerkrankungen hervorrufen. Viele von ihnen sind für den Menschen aber auch harmlos. Sie gelten jedoch insgesamt als Indikator für das Eindringen von Fäkalkeimen in die Wasserleitungen und führen deshalb selbst bei geringsten Konzentrationen zu Reaktionen der Wasserversorger. Der Grenzwert solcher Keime im Trinkwasser liegt bei null. Die Stadt Achern ist von Montag an für Rückfragen durch die Bürger unter der Telefonnummer (07841) 1050 erreichbar.