Gert Endres, einst Gitarrist von Scamarouche, ist heute mit der Band Oil unterwegs und bereitet gerade seine zweite Solo-CD vor | Foto: pr

Film über Band „Scaramouche“

Comeback auf der Kinoleinwand

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„Wir hatten echt eine Hochburg hier.“ Gert Endres blickt zurück auf bewegte Zeiten mit der Rocklegende Scaramouche. In den 80er und 90er Jahren füllte die Kultband aus Lahr mit ihrem melodischen Art-Rock die Hallen, auch und besonders in der Bühler Region, aber auch weit darüber hinaus in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Jetzt soll Scaramouche zumindest auf der Kinoleinwand ein Comeback erleben. „Ich empfinde es als eine Riesenehre für die Band, die es seit 18 Jahren nicht mehr gibt“, freut sich der 48-jährige Gitarrist und Sänger, der seit 2008 in Bühl lebt.

Dokumentarfilm über Lahrer Kultband

Die Idee, der Band einen Dokumentarfilm zu widmen, stammt von den Filmemachern Pirmin und Maik Styrnol, erzählt Endres im ABB-Gespräch. Die beiden Brüder sind quasi mit dem Scaramouche-Sound aufgewachsen, ihre Eltern – leidenschaftliche Fans der Band – nahmen sie mit auf die Konzerte, und der frühere, inzwischen verstorbene Manager Marco Dieterle war ihr Onkel. Jetzt sind sie auf der Suche nach Filmen, Fotos, Dokumenten und Fanartikeln, um die Band und das damalige Lebensgefühl in Lahr in einem mindestens 60-minütigen Dokumentarfilm in Erinnerung zu bringen.

 

Die Band Scaramouche: Marc Vetter, Gert Endres, Frank Vetter und Thomas Schwendemann (von links). | Foto: pr

Selbst James Brown wippte mit

Scaramouche, hervorgegangen aus der Band Acres Wild, war eine äußerst erfolgreiche Rockformation und gab bis zu 80 Konzerte pro Jahr in ganz Deutschland, aber auch in Luxemburg und Frankreich. In der Besetzung Gert Endres (Gitarre, Gesang), Frank Vetter (Gesang, Keyboard), Marc Vetter (Schlagzeug, Gesang) und Thomas Schwendemann (Bass) spielte Scaramouche drei CDs sowie mehrere Singles ein und stand beim Plattenlabel CYX Music unter Vertrag. Noch gut erinnert sich Endres etwa an das Daytona-Festival 1997 auf dem Lahrer Flugplatz, bei dem so klangvolle Namen wie Scorpions, Deep Purple oder Steppenwolf mit von der Partie waren. Und als Scaramouche die Bühne rockte, wippte selbst „Godfather of Soul“ James Brown im Hintergrund mit.

Wir hatten auch in der Region Bühl viele Fans

„Wir hatten auch in der Region Bühl viele Fans“, erinnert sich Endres gerne an die Auftritte in Mittelbaden, etwa in der Vimbucher Tullahalle, im Herrenwieser Turning Point oder auch in Ottersweier – selbstredend, lernte er doch dort bei einem gemeinsamen Konzert mit der Band Workout (heute Huber‘s Party Band) im Jahr 1997 seine spätere Frau Maren kennen, die als Sängerin auf der Bühne stand.
Trotz vieler Erfolge – der ganz große Durchbruch blieb für die Lahrer Kultband aus. Scaramouche löste sich 2001 auf, nicht aber die Leidenschaft für die Musik. Endres zog es – nach seinem Studium an der PH in Freiburg – zum Referendariat nach Köln, machte aber weiterhin Musik sowohl auf der Bühne als auch als Songproduzent. Die Aussage seines früheren Managers „Du ziehst einmal nach Bühl“, sollte sich 2008 bewahrheiten, als Endres in die Zwetschgenstadt übersiedelte, wo er seither an der Carl-Netter-Realschule Mathematik, Englisch und Musik unterrichtet.

Hardrock für die Bundeswehrtruppen: Die Band Oil in Jordanien. | Foto: pr

Mit neuer Band auf Hardrock-Kurs

Für seine Solo-CD „Let go“ erhielt er 2009 den Deutschen Rock- und Pop-Preis in der Kategorie „Bester neuer Künstler“, eine zweite hat der Sänger und Gitarrist gerade in Arbeit. Mit seinem früheren Scaramouche-Kollegen Marc Vetter am Schlagzeug sowie Rainer Jauch am Bass formierte er die Hardrock-Formation Oil, die übrigens in demselben ehemaligen Militärbunker der Kanadier in Lahr probt, in dem auch schon Scaramouche zugange war. „Feed Your Brains“ erschien 2007 als erste CD der Band, die auch bei zwei Auslandaufenthalten für die Bundeswehrtruppen gespielt hat, so 2016 im westafrikanischen Mali und an Ostern dieses Jahres in Jordanien.
Und Scaramouche? Gert Endres will nicht ganz ausschließen, dass die vier Bandmitglieder von einst zum Filmstart nochmals gemeinsam rocken. Eine Wiedergründung der Band stehe indes nicht zur Debatte. Scaramouche bleibt somit Rockgeschichte – doch zumindest auf der Kinoleinwand könnte sie wieder aufleben.

Wer historisches Material über die Band Scaramouche hat, kann sich per E-Mail (studio@film-und-ton.de) an die Filmemacher wenden.