Zahlen oder kündigen: Während der Corona-Krise bleiben Inhaber von ÖPNV- Zeitkarten zunächst auf den Monatskosten sitzen.

Zahlen oder kündigen

Corona-bedingte Kulanzregelung für Zeitkarteninhaber nicht in Sicht

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Leere Busse und Regionalzüge: In Zeiten von Homeoffice und geschlossenen Schulen verzichten Pendler und Schüler angesichts der Corona-Pandemie zunehmend auf öffentliche Verkehrsmittel. Der Tarifverbund Ortenau (TGO) erstattet Zeitfahrkarten trotz Corona nur aus „triftigen Gründen“.

Wegen der Corona-Krise erstatten die Straßburger Verkehrsbetriebe CTS sämtliche im April fällige Gebühren für Monats- und Jahresfahrkarten und Schülerabos. Dies teilt Straßburgs Beigeordneter Alain Fontanel mit. Auch die französische Staatsbahn SNCF verzichtet für ihre Regionalzüge TER in der gesamten Region Grand Est im April auf Einnahmen der Dauerkarteninhaber.

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Land diskutiert mit Verkehrsverbünde

Auf der anderen Rheinseite tut man sich mit einer solchen Idee indes schwer und diskutiert noch über Lösungsan-sätze. Wie TGO-Geschäftsführer Sven Malz auf Anfrage dieser Zeitung erklärt, seien das Land Baden-Württemberg, die Städte und Landkreise sowie die Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen derzeit im Gespräch, um eine Ausgleichsleistung für die im April nicht genutzten Schüler-Tickets sicherzustellen. „Die konkrete Lösung hängt auch davon ab, wie lange die Schließung der Schulen noch dauert“, erklärt Malz.

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Kündigung bis zum 15. des Vormonats

Eine einfache Kulanzregelung wie im Elsass steht noch nicht im Raum. Die TGO rät Inhabern von Zeitkarten, den Vertrag bis zum 15. eines Vormonats zu kündigen – sofern der mit der TGO beschlossene Vertrag bereits seit mehr als zwölf Monate existiert. Eine Pausierung des Vertrags akzeptiere die TGO, so Geschäftsführer Sven Malz, nur „aus einem triftigen Grund, wie Krankheit, Mutterschutz oder ähnliches“.

Seit Mitte März sei es durch den Wegfall der Schüler und eines Anteils der Berufstätigen zu einem erheblichen Einbruch der Fahrgastzahlen gekommen. „Die genaue Höhe kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden“, betont Malz. Auch die Deutsche Bahn teilt mit, dass für Streckenzeitkarten des Nahverkehrs keine Kulanzregelungen vorgesehen sind.

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Verkehrsminister: „Schüler-Abos nicht kündigen“

Unterdessen appelliert der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, Schüler-Abos nicht zu kündigen und der Bankabbuchung für den April nicht zu widersprechen. Sonst könnten, so der Minister, Einnahmen für kleinere und mittelständische Busunternehmen wegbrechen. Er warnt vor „gravierenden, wirtschaftlichen Folgen“ für diese Firmen.

Das Land unterstütze die Kommunen und Kreise mit einer Soforthilfe von 100 Millionen Euro. „Dazu gehört auch der Ausgleich der Schülerbeförderung. Die genaue Abrechnung erfolgt später“, heißt es aus dem Verkehrsministerium.