Reichlich verwinkelt ist das Offenburger Krankenhaus. auch deshalb ist ein Neubau geplant, der aber nun womöglich auf sich warten lässt. | Foto: Heck/Archiv

Wettbewerb verschoben

Corona bremst auch die milliardenteure Klinikreform im Ortenaukreis aus

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Die Corona-Krise wirbelt auch die Pläne für die große Krankenhausreform des Ortenaukreises durcheinander. Da sich in Verwaltung und Medizinbetrieb alle Mitarbeiter auf den Umgang mit der erwartet hohen Zahl von Corona-Infizierten vorbereiten, wird es zu Verzögerungen kommen.

Auf dem Prüfstand steht aber auch die Raumkonzeption. Man will, so Klinik-Geschäftsführer Christian Keller auf Anfrage dieser Zeitung, die Erkenntnisse dieser Tage in die Planung einarbeiten. Seit mehr als zwei Jahren bereitet sich das Ortenau Klinikum auf die Agenda 2030 vor, rechnet, plant und konzipiert. Zuletzt tat man dies in der Erkenntnis, dass der geplante Neubau von zwei Häusern in Achern und Offenburg wohl deutlich teurer wird als erwartet.

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Architektenwettbewerb wird verschoben

Der Kreis hielt, auch weil er angesichts der erhofften Landeszuschüsse in dreistelliger Millionenhöhe unter Zeitdruck steht, gleichwohl an seiner Planung für die Reform fest. Bis jetzt. „Die Architektenwettbewerbe werden wir wohl verschieben müssen“, bestätigt Keller auf Anfrage. An vorderster Stelle stehe der Schutz der Bevölkerung und der Mitarbeiter. „Wenn wir ein paar Monate verlieren, so macht das nichts“, so der Geschäftsführer weiter.

Planung wird sich verändern

Doch es geht nicht nur um den Zeitplan – voraussichtlich führen die Erkenntnisse aus der gerade beginnenden Krise dazu, dass die Häuser in wichtigen Details noch einmal neu geplant werden müssen.

Dabei werde es darum gehen, wie man ein Krankenhaus mit Isolierstationen und eigenen Eingängen dazu baut, oder ob man nicht die Notaufnahmen größer machen müsse als bislang geplant.

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Zig Millionen für Corona-Vorsorge

Doch auch in finanzieller Hinsicht sehen sich die Krankenhäuser jetzt vor Herausforderungen gestellt. Das ohnedies defizitäre Klinikum muss mit dem Wegfall der vielen planbaren (elektiven) Operationen und angesichts der Zusatzkosten für die Corona-Vorbereitungen mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. Keller sprach von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Kreis erwartet Ausgleich

„Ich halte es für selbstverständlich dass wir einen finanziellen Ausgleich bekommen“, sagte er in einem Pressegespräch. „Wir erwarten, dass wir nicht in einigen Monaten mit den Kostenträgern sprechen und uns am Ende 50 oder 80 Millionen Euro fehlen“. Keller erwartet kurzfristig Liquiditätsengpässe, die aber mit Hilfe des Kreises ausgeglichen werden könnten.

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