Wegen Corona abgesagte Operationen sollen wieder stattfinden
Wegen Corona abgesagte Operationen sollen wieder stattfinden | Foto: dpa

Landratsamt zieht Bilanz

Zahl der Corona-Fälle im Ortenaukreis hat sich in fünf Tagen verdoppelt

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Die Zahl der Corona-Fälle hat sich in den vergangenen fünf Tagen im Ortenaukreis verdoppelt. Mittlerweile sind es 483. „Von einer Entwarnung kann keinesfalls die Rede sein“, heißt es aus dem Landratsamt. Derweil werden die Kapazitäten für Beatmungs-Plätze erhöht.

Der Krisenstab rechnet, dass die Zahl der Corona-Behandlungen deutlich steigt. Die Dunkelziffer sei fünf- bis zehnfach so hoch. „Wir müssen die Krise weiterhin im Blick haben“, sagt Reinhard Kirr, Dezernent Sicherheit, Ordnung und Gesundheit des Landratsamts in einem Video-Pressegespräch.

Die Krankenhäuser im Ortenaukreis bereiten sich demnach auf die Bugwelle des Coronavirus vor. Der Krisenstab plant, auch weitere Häuser zu öffnen und Reha-Kliniken für die leichten Fälle zu aktivieren. Auch kämen Hotels und Heime in Betracht mit Duschen und Sanitäranlagen in den Zimmern. Krankenstationen in (Messe-)Hallen soll es nicht geben, betont Kirr.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Ortenaukreis will mit dem Land weitere Corona-Schutzausrüstung beschaffen

Der Kreis kooperiert mit dem Land und den Kommunen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung. Der Markt sei weltweit leer gefegt, so Kirr. Jeder sei für die Beschaffung selbst verantwortlich. Man arbeite mit der Stadt Offenburg jedoch eng zusammen.

So gelang es der dortigen Stadtverwaltung, über eine Firma eine Lieferkette an Schutzausrüstung wie FFP2-Masken, OP-Masken und Schutzmaterial aus China zu sichern. Davon profitiere auch das Gesundheitsamt sowie weitere Kommunen und Einrichtungen im Kreis. „Wir stimmen uns ab, dass keine Versorgungslücke entsteht. Eine erste Lieferung an Material ist bereits eingetroffen für Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Kliniken“, sagt Kirr.

Der Dezernent stellt für die nächsten Tage und Wochen weitere Lieferungen in Aussicht. Der Bedarf an Nasen-Mundschutz liege bei mehreren Millionen Stück. Zudem werden, so Kirr, allein für Einrichtungen im Landkreis mehrere 100.000 FFP2-Masken benötigt.

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Labore sind an der Kapazitätsgrenze

Wie viele Menschen von der Corona-Infektion genesen, ermittelt das Gesundheitsamt nicht – aus Kapazitätsgründen, sagt Amtsleiterin Evelyn Bressau. Die volle Konzentration liege bei den Tests von Risikogruppen – ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen.

Auch dabei kommen die Labore an ihre Grenzen. Bestimmte Enzyme seien mittlerweile Mangelware. Täglich gibt es nun bis zu 160 Tests – Tendenz steigend. Bei 200 Tests sei die Kapazitätsgrenze erreicht.

Ein Arzt macht in einem Drive-In einen Corona-Test
Der Corona-Test im Drive-in-Verfahren wird im Ortenaukreis seit März praktiziert. | Foto: Landratsamt Ortenaukreis

Alle bisherigen Corona-Toten Im Ortenaukreis hatten Vorerkrankungen

Die Anzahl der Todesfälle sei entlang der Rheinschiene hoch. Da insbesondere ältere Menschen getestet werden, sei die Todeszahl im Landesvergleich an der Spitze. Gemessen am Einwohnervergleich sei das Aufkommen der Todesfälle im Ortenaukreis „nicht besorgniserregend hoch“.

Angesichts erster Covid-19-Fälle in mehreren Pflegeheimen im Kreis lassen sich Infektionen in solchen Einrichtungen auf lange Sicht nicht vermeiden, prognostiziert das Gesundheitsamt. Alle bisherigen Corona-Toten im Kreis hatten Vorerkrankungen. Die Todeszahl hat sich von 18 auf 24 erhöht, wie das Sozialministerium am Dienstagabend mitteilt.

Nach Auskunft von Klinik-Chef Christian Keller gibt es kreisweit 120 Beatmungsplätze. Mediclin stellt davon 20 Plätze, das Ortenau Klinikum 100. „Die Entwicklung ist sehr dynamisch, da kommen weitere Plätze hinzu.“

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Corona-Ambulanzen sind eingerichtet

Die Kassenärztliche Vereinigung hat Corona-Ambulanzen eingerichtet, darunter im Gymnastikraum der Hornisgrindehalle neben dem Gymnasium in Achern. Sie sind täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Bei Bedarf könne sich die Acherner Ambulanz in einen weiteren Raum der Hornisgrindehalle ausweiten.

Daneben gibt es noch Schwerpunktpraxen wie in Kappelrodeck. Dabei handelt es sich um Ärzte, die Untersuchungen anbieten können mit entsprechender Schutzausrüstung, so Doris Reinhardt von der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Malteser-Hilfsdienst bietet einen 24-Stunden-Fahrdienst an, damit ein Arzt in Pflegeheimen Abstriche machen kann, um Hausärzte zu entlasten.