Viel Raum: Der Andrang auf den Bühler Jahrmarkt war eher gering. Foto: Bernhard Magull | Foto: Bernhard Margull

Lob fürs Angebot

Überschaubarer Andrang beim Jahrmarkt in Bühl

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Es ist Mitte Februar, die Temperaturen sind frühlingshaft. Der Jahrmarkt in Bühl profitierte davon nur bedingt: Der Andrang blieb am Montag bescheiden. Dabei konnte sich das Angebot durchaus sehen lassen – befanden zumindest manche Besucher. 

Ingrid Kast sitzt in der Sonne und strickt. Sie ist frühmorgens aus Achern mit einem kleinen Verkaufsstand angereist. Ihr Stuhl steht jetzt schräg dahinter, wo er von den warmen Strahlen voll erwischt wird. Kast kreuzt die Nadeln und auf ihrem Schoß entsteht langsam eine Socke. Eigentlich verkauft sie Reinigungsmittel und -utensilien eines Anbieters, dessen Vermarktungsrechte sie in der Region praktisch exklusiv hat. Eine kleine Anrichte mit Wollwaren aus eigener Herstellung ergänzt das Angebot. Und so lange kein Kunde kommt und sich für Reinigungsmittel interessiert, strickt Kast eben am nächsten Sockenpaar dafür.

Stehen bleibt kaum jemand

Besonders groß ist der Andrang auf dem Bühler Jahrmarkt am Montag um die Mittagszeit nicht. Eine handvoll Leute flaniert an den Ständen vorbei, stehen bleibt kaum jemand. Für Kast ist das kein Problem: „Ich bin vor allem hier, um Präsenz zu zeigen“, sagt sie. Die Leute sollen wissen, wo in der Gegend die Produkte ihres Vertragspartners verfügbar sind und wer sie verkauft. Und dadurch, das Kast auf den Märkten der Region ihr Gesicht zeigt, wissen sie: Aha, die Ingrid Kast aus Achern kann uns weiterhelfen.

Wenig Andrang beim Jahrmarkt in Brühl im Februar 2019. Foto: Markus Pöhlking | Foto: Markus Pöhlking

 

Andere Beschicker sehen den geringen Publikumsverkehr weniger entspannt: Muhamed Hussein etwa, der aus Wiesbaden zum Markt nach Bühl gekommen ist, zum ersten Mal. Er bietet Portemonaies an, Ledertaschen und Handyhüllen, bezogen bei Großhändlern in Frankfurt. Der Absatz in der ersten Tageshälfte sei kaum der Rede wert, erklärt er. „Kollegen haben mir erzählt, dass die Sonntagsmärkte hier besser besucht sind.“

Arbeitskosten zu hoch

Ob Hussein sich selbst gelegentlich davon überzeugen wird, ist ungewiss. „Ich bin jetzt seit drei Jahren Marktbeschicker, das Geschäft läuft immer schlechter.“ Seine Kundschaft wandere ins Internet ab, mit den dortigen Preisen könne er nicht konkurrieren – seine Arbeitskosten seien schlicht zu hoch.

Vielleicht freilich ist auch das Sortiment nicht mehr zeitgemäß: „Ein bisschen viel Ramsch wird hier mittlerweile schon angeboten“, findet Edeltraud Graf, die mit ihrem Mann Gottfried aus Lauf gekommen ist und gerade vor der einzigen Imbissbude steht. Beide freuen sich über das Wetter und darüber, dass Würstchen und Pommes schmecken.

Preise und Qualität gut

„Früher war der Andrang schon größer, ist mein Eindruck“, sagt sie, für die der Markt dennoch lohnenswertes Einkaufsziel ist: „Die Vielfalt und die große Auswahl an den Ständen findet sich im Laden so nicht“, hebt Graf einen für sie positiven Aspekt hervor. „Irgendwas finden wir meistens, was wir gerade brauchen. Die Preise sind gut, die Qualität ist nicht schlechter als im Geschäft.“ Da dürfe man, sagt sie, dem Jahrmarkt ruhig eine Chance geben.