Der Besitzerwechsel rückt näher: Zum 1. Oktober übergeben Klaus und Marlene Fröhlich (vorne) die Gaststätte an Patrick und Marion Wagner. | Foto: Lienhard

„Traube“ in Eisental

Das Herz in der Dorfmitte schlägt weiter

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Als Kind ist Patrick Wagner sonntags oft gemeinsam mit seiner Schwester, eine Schüssel in den Händen, die paar Meter zur „Traube“ gelaufen, um Pommes oder Eis für den Mittagstisch zu holen. Das sind die ältesten Erinnerungen, die der 45-Jährige mit der Gaststätte in der Eisentaler Dorfmitte verbindet. Dass er einmal der Herr des Hauses sein würde, ahnte er damals noch nicht. Jetzt ist es bald soweit: Gemeinsam mit seiner Frau Marion übernimmt er zum 1. Oktober die „Traube“ von Klaus und Marlene Fröhlich; ab 10. Oktober wird dann unter neuer Regie geöffnet sein.

Wichtig auch für Vereine

Das ist für Eisental mehr als „nur“ ein Besitzerwechsel. Ihm sei ein sehr großer Stein vom Herzen gefallen, als er die Nachricht erfahren habe, sagt Ortsvorsteher Jürgen Lauten. Denn das Gasthaus sei für die Ortsmitte unverzichtbar: „Ohne die ,Traube‘, das wäre, als hätte man uns das Herz herausgerissen.“ Gerade auch für die Vereine sei es wichtig, dass es nahtlos weitergehe, hätten sie hier doch einen Anlaufpunkt.
Lautens Erleichterung hat einen guten Grund, denn die jetzige Entwicklung war keine Selbstverständlichkeit. Denn spätestens zum 1. Dezember dieses Jahres wäre Schluss gewesen – ob ein Nachfolger gefunden sein würde oder nicht, sagt Klaus Fröhlich. Die Gefahr des gastronomischen Kahlschlags in Eisental – die „Traube“ ist in diesem Ortsteil die letzte Gaststätte – war real. Zwei Jahre ist es her, seit das Ehepaar Fröhlich den Entschluss gefasst hat, aufzuhören. Eine interne Nachfolge sei nicht in Sicht gewesen und die Beanspruchung anhaltend groß (Klaus Fröhlich: „In Sachen Freizeitgestaltung haben wir riesigen Nachholbedarf“), die Belastbarkeit nehme aber jenseits der 60 ab. Im Frühjahr 2018 gingen Fröhlichs dann mit ihrer Immobilie auf den Markt; eine Maklerin wurde beauftragt. Von Anfang sei nur ein Verkauf infrage gekommen. Anfragen seien einige wenige gekommen, aber keine habe gepasst: „Eventgastronomie, Catering, das war alles nicht in unserem Sinne. Es sollte hier mit der klassischen Gastronomie weitergehen.“

Ein Traum wird wahr

Dass es jetzt so kommt, hängt mit einem Traum zusammen. Patrick Wagner, der in der Nachbarschaft aufgewachsen ist (1984 zog die Familie nach Bühl, wo Wagner heute mit seiner Frau Marion und zwei Kindern lebt), jobbt seit dem 18. Lebensjahr in der Gastronomie, immer im Service. Das war ein Hobby (hauptberuflich war er in der Kundenberatung), mit keinerlei Verpflichtung verbunden. Aber es reifte der Traum von einer „kleinen Kneipe, in der man alles selbst macht“. Der Wunsch wurde mit der Zeit immer stärker, und nachdem der ABB im vergangenen Jahr über die möglichen Veränderungen in der „Traube“ berichtet hatte, ging Wagner auf das Ehepaar Fröhlich zu. Die Entscheidung fiel in diesem Frühjahr: „Ich gebe eine sichere Einnahmequelle auf, und das Risiko muss man sich überlegen.“ Lange habe er mit sich gerungen, dann ging der Daumen hoch.

Es bleibt badisch-traditionell

Seit dem 1. Juni arbeitet Wagner in der „Traube“, der Übergang gestaltet sich fließend. Einen Koch habe er bereits gefunden; größere Veränderungen auf der Karte seien nicht geplant: Es bleibt badisch-traditionell. Mit seinem künftigen Team – das bisherige Personal bleibt erhalten – hat das Ehepaar Wagner ein klares Ziel: „Wenn der Gast einen schönen Abend hat, haben wir das auch.“
Diese Devise hat fast vier Jahrzehnte lang auch für Klaus Fröhlich gegolten. Noch lässt ihn der Alltag nicht an den Oktober denken, wie es sein wird ohne die „Traube“. Aber der Tag des Abschieds wird kommen, und „ob ich dann gut schlafe, weiß ich nicht“. Wehmut werde herrschen, ergänzt Marlene Fröhlich, „aber wir sind auch glücklich, dass es in unserem Sinne weitergeht“.