69 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit will der Ortenaukreis für Corona-Patienten bereithalten. Bislang sind es 122 Plätze, im Regelbetrieb vor Corona waren es 39. | Foto: Karmann

Weniger Beatmungsplätze

Das Ortenau Klinikum tastet sich vom Ausnahmezustand in die Normalität zurück

Anzeige

Das Ortenau Klinikum will Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren. In Achern, Kehl, Lahr, Offenburg und Wolfach sollen vom 4. Mai an wieder stationäre und ambulante Eingriffe sowie Sprechstunden angeboten werden.

Der Kreis als größter kommunaler Krankenhausträger im Land reagiert mit dieser Entscheidung auf die Entspannung bei der Zahl der Corona-infizierten Menschen im Kreis, bleibt aber vorsichtig. „Wir müssen auf Sicht fahren und die Anzahl der Neuinfektionen im Blick haben“, beschreibt Landrat Frank Scherer die schwierige Gratwanderung, vor der man nun steht.

Spagat in den kommenden Monaten

Vorrang werden dringliche Operationen beispielsweise im Zusammenhang mit Tumoren oder die Versorgung von Herz- und Gefäßpatienten sowie neurologischen Erkrankungen haben. Gleichzeitig will das Klinikum weiterhin eine erhöhte Zahl von Intensivbetten mit Beatmungsgeräten einsatzbereit halten, um eine Zunahme der Zahl von Covid-19-Patienten auffangen zu können.

Mehr zum Thema: Ortenau Klinikum krempelt gesamte Strukturen um

„Wir habe den Spagat zwischen dem Corona-Betrieb und dem Normalbetrieb des Klinikums zu bewältigen“, so Geschäftsführer Christian Keller. Er hatte die Pläne am Dienstagabend dem Krankenhausausschuss des Kreistags gemeinsam mit dem medizinischen Direktor Peter Kraemer in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt.

Kehl kein Isolierzentrum mehr

Das Klinikum und der Kreis als Träger hatten im März die komplette Organisationsstruktur auf den Kopf gestellt, um auf den befürchteten Ansturm von Corona-Patienten reagieren zu können und um zu vermeiden, dass man in eine ähnliche Lage gerät wie Klinken im Elsass oder Italien.

Die Zahl der Intensivbetten mit Beatmung wurde von 39 auf 122 aufgestockt, das Kehler Krankenhaus zum Isolierzentrum erklärt und das Personal aus Oberkirch abgezogen, um den Standort Achern zu stärken. Dies soll jetzt Schritt für Schritt rückgängig gemacht werden. Die Zahl der Beatmungsbetten wird auf 63 heruntergefahren.

Wir werden nicht über Zahlen sprechen

Christian Keller, Geschäftsführer Ortenau Klinikum

Wie voll die bereit gehaltenen 122 Intensivbetten zum Höhepunkt der Corona-Infektionen im Kreis waren, verriet Keller auf Nachfrage nicht: „Wir werden nicht über Zahlen sprechen“. Die ursprünglichen 39 Betten hätten aber nicht ausgereicht.

Achern führt Kapazitäten auf 50 Prozent hoch

Für das Acherner Haus bedeutet dies nun, dass die OP-Kapazitäten wieder bis zur Hälfte des Normalbetriebs hochgefahren werden, eine Isolierstation für Covid-Patienten werde weiter vorgehalten. Das Sichtungszelt hinter dem Krankenhaus soll noch für geraume Zeit stehen. Es werde erst nach dem Umbau der zentralen Notaufnahme abgebaut. Das Oberkircher Haus soll in den nächsten Monaten wieder ans Netz gehen, einen Termin nennt das Klinikum nicht.

Keine Notaufnahme in Kehl – vorerst

In Offenburg und Kehl werden die Kapazitäten auf rund 60 Prozent des Normalbetriebs hochgefahren, das Haus wird weiter zwei Isolierstationen sowie umfassende Beatmungskapazitäten vorhalten. Das Kehler Spital wurde bereits am Dienstag wieder in eine Akutklinik umgewandelt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Auch hier wird es weiter eine räumlich getrennte Corona-Station geben, aber vorerst keine Notaufnahme. Dafür sei „vorerst“ die zentrale Notaufnahme am Eberplatz in Offenburg zuständig.

Lahrer Operationen in Wolfach

Der Standort Lahr-Ettenheim werde wieder den Aufwachraum in Betrieb nehmen. Er diente bislang als Beatmungsstation für Corona-Patienten. In Ettenheim solle zeitversetzt in den nächsten Monaten wieder operiert werden. In Wolfach wird ein OP-Saal regulär in Betrieb gehen, ein weiterer werde für Patienten des Klinikums Lahr-Ettenheim zur Verfügung gestellt. In allen Häuser sei eine strikte Trennung der Patienten mit und ohne Corona-Infektion sichergestellt.

Wir werden Oberkirch wiedereröffnen

Ebenfalls Christian Keller

„Wir haben die Häuser jetzt so austariert, dass sie sich gegenseitig unterstützen“, so Klinik-Chef Christian Keller, der deutlich machte, dass der Engpass auch weiterhin bei der personellen Ausstattung der Häuser liege. Dies sei auch der Grund, war man das Klinikum in Oberkirch nicht sofort wieder öffnen könne: „Das Personal aus Oberkirch brauchen wir auf Sicht in Achern“. Dies werde aber keine Dauerlösung sein. „Wir werden natürlich Oberkirch wiedereröffnen“, so Keller.