Vorfahrt für Fußgänger soll es im Rahmen der anstehenden Umgestaltung der Flächen am Rathaus in einem Teil der Wilhelm-Schechter-Straße geben. | Foto: Michael Moos

Masterplan für Achern

Debatte ohne Denkverbote

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Bürgervertreter und Stadtverwaltung geben in der Diskussion über die Umsetzung des Masterplans mächtig Gas. Im Bau- und Umweltausschuss des Acherner Gemeinderats fiel am Montagabend der Startschuss für die Beratungen – und am Ende stand als Empfehlung an den Gemeinderat ein dickes Bündel von Prüf- und Planungsaufträgen, die der Stadtverwaltung, vor allem aber dem Team um Stadtplaner Rolf Bertram in den kommenden Monaten viel Arbeit bereiten wird.

Konstruktive Debatte

Sollte der Gemeinderat der Empfehlung des Ausschusses folgen – und das ist nach dem Verlauf der konstruktiven Debatte am Montag durchaus zu erwarten – wäre dies der Einstieg in einen tief greifenden Wandel in Achern. Um das erklärte Ziel einer Steigerung der Attraktivität Acherns zu erreichen, gibt es umfangreiche Maßnahmen zur Steuerung des Verkehrs, eine Temporeduzierung in der Hauptstraße, neue Straßentangenten – und eine Neugestaltung zentraler Plätze, wobei auch ein Teil der Wilhelm-Schechter-Straße in die bereits vorhandene Fußgängerzone rund um das Rathaus integriert werden soll.

Noch keine Details

Über die Marschrichtung herrschte weitgehend Einigkeit im Ausschuss, Details lassen noch eine intensive Debatte erwarten. Auf der Grundlage der Gutachten dreier Fachbüros aus Dortmund, Stuttgart und München fasste die Stadtverwaltung die zahlreichen Einzelmaßnahmen in Handlungsfeldern zusammen (Verkehr, Stadtumbau und Stadtgestaltung, Stadtsanierung und Freiraumgestaltung). Denkverbote, so hieß es mehrfach, soll es in der Beratung über den Masterplan nicht geben.

Kritische Fragen zum Turbo-Kreisel

Dass noch viel Diskussionsbedarf besteht, liegt in der Natur der Sache, wie kritische Fragen zum künftigen Turbo-Kreisel am Scheck-in-Center, zum neuen Kreisverkehr in Fautenbach oder zur Straßengestaltung in der Fautenbacher Straße zeigten. Auch der Blick auf die Verkehrsberuhigung der Hauptstraße lässt eine gewisse Bandbreite an Meinungen erkennen: Während beispielsweise Rosa Karcher (CDU) für Tempo 40 statt Tempo 30 warb, wollte sich Hans Jürgen Morgenstern nicht ohne weiteres mit dem von der Verwaltung geübten Verzicht auf eine Einbahnregelung abfinden, die zwar mehr Potenzial in der Einkaufsstraße schaffen, dafür aber zusätzlichen Verkehr auf der „Umleitung“ durch Josef-Hund-Straße und Straße „Am Stadtgarten“ bringen würde. Am Ende gab es für die von der Stadtverwaltung vorgelegte Beschlussvorlage meist einhellige Zustimmung oder breite Mehrheiten.

Klimaanalyse gefordert

Prüfen will die Stadtverwaltung auf Vorschlag der Acherner Bürger Liste (ABL) die Einschaltung eines weiteren Gutachters: Um Erkenntnisse über Luftschneisen und Kaltluftströme in die Innenstadt zu gewinnen, soll es nach ABL-Ansicht eine Klimaanalyse geben.

Handlungsfelder

Hier ein Überblick über die nach Handlungsfeldern geordneten Maßnahmen.

Handlungsfeld Verkehr

Die Stadtverwaltung erhält den Auftrag, den Umbau des „Scheck-In-Kreisels“ in einen Turbo-Kreisverkehrsplatz und die Anlegung eines neuen „Kreisverkehrsplatzes“ zum Anschluss der heutigen Abfahrt von der Landesstraße 87 an die Bundesstraße 3 in Fautenbach in Abstimmung mit Bund als Träger der Straßenbaulast planerisch zu entwickeln und dabei auch Vorschläge zur Kostenverteilung zu erarbeiten. Ein weiteres Ziel ist die „Profilplanung der Fautenbacher Straße“ zwischen der Kreuzung „Lammbrücke“ und der Güterhallenstraße im Zuge der Erschließung des Baugebiets „Neues Wohnen an der Acher“ (ehemaliges Glashüttenareal). Im gesamten Bereich ist die Einrichtung von Abbiegespuren vorgesehen. In diesem Zusammenhang soll eine Vorkaufsrechtssatzung den zur Umsetzung des Straßenprofils notwendigen Grunderwerb sicherstellen.

Ebenfalls zum Handlungsfeld Verkehr gehört der Auftrag an die Stadtverwaltung, ein detailliertes Konzept für die Verkehrsregelung in der Innenstadt auf der Basis eines „Verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde zu erarbeiten. Dazu gehören auch die Einrichtung eines Verkehrsleitsystems und eines Parkraumkonzepts. Ferner soll die Stadtverwaltung eine Detailplanung zur Neugestaltung des Rathausplatzes unter Einbeziehung der Wilhelm-Schechter-Straße zwischen der Hauptstraße und dem Parkplatz in Höhe der Sparkasse als Fußgängerzone erarbeiten. Ferner stellte der Ausschuss die Weichen für neue Straßentangenten: Neben der „Südwestspange“ zur Verbindung der Landesstraße 87 mit der Bernhard-Früh-Straße geht es dabei um die „Nordostumfahrung“, die im Zusammenhang mit dem möglichen Klinikstandort im „Brachfeld“ eine besondere Bedeutung erhält und eine neue Straßenverbindung von der Infrastrukturstraße in Richtung Berliner Straße schafft.

Handlungsfeld Stadtumbau und Stadtgestaltung

Für den Straßenraum der Hauptstraße zwischen Lammbrücke und Adlerplatz soll die Verwaltung eine Detailplanung erarbeiten, die eine Umsetzung des im städtebaulichen Wettbewerb „Lammbrücke/Auftakt Stadtkern“ preisgekrönten Entwurfs ermöglicht. Ferner geht es darum, den Realisierungswettbewerb zur Umsetzung des in diesem Wettbewerb preisgekrönten Entwurfs vorzubereiten. Außerdem soll die Verwaltung eine Detailplanung zur Gestaltung Bereiche „Adlerplatz“, „Zum Klauskirchl“ und „Rathausplatz mit Wilhelm-Schechter-Straße“ vorlegen, die fußläufigen Querungen der Hauptstraße und Kirchstraße berücksichtigt. Ebenso geht es um die Detailplanung für die Fußwegverbindung zwischen Marktplatz und dem auf dem Gelände des ehemaligem Stolzer-Parkhauses vorgesehenen neuen „grünen Platzes“. Schließlich soll die Verwaltung Vorschläge für die Verbesserung der Innenstadtgestaltung durch Aufstellung oder Änderung von Bebauungsplänen und anderen Satzungen vorlegen.

Handlungsfeld Stadtsanierung

Hier geht es um die Möglichkeiten für eine Erweiterung bestehender Sanierungsgebiete. So soll das Sanierungsgebiet „Badischer Hof/Feuerwehr“ möglichst um einen Streifen entlang der Ostseite der Acher bis zur Wilhelm-Schechter-Straße erweitert werden. Ziel ist es die Acher zugänglich zu machen. Für die Bebauung der Südseite der Fautenbacher Straße soll die Verwaltung die Voraussetzungen für eine städtebaulichen Sanierungsmaßnahme prüfen. Ein weiterer Punkt betrifft die Untersuchung von Möglichkeiten einer städtebaulichen Neuordnung im Sanierungsgebiet „Badischer Hof/Feuerwehr“ zwischen Kaiser-Wilhelm-Straße/Schulen und der Häuserzeile Hauptstraße/Adlerplatz. Ziele sind unter anderem eine geordnete Verkehrserschließung, die Schulwegsicherung, eine Entkernung, die Bildung von Raumkanten, die Beseitigung von rückwärtigen Schuppen und Nebenanlagen und die Schaffung einer Wegeverbindung zwischen Schulen und Innenstadt. Schließlich soll die Möglichkeit von Sanierungsmaßnahmen im öffentlichen Raum geprüft werden. Dabei geht es unter anderem um die Straße „Zum Klauskirchl“ und um den Rathausplatz sowie die Hauptstraße zwischen Lammbrücke und Adlerplatz, wo eine Verkehrsführung nach dem Prinzip „Shared Space“ mit einem von Hauskante zu Hauskante reichenden Straßenprofil angedacht ist.

Handlungsfeld Freiraum

Die Weichen stellte der Ausschuss ferner für die einheitliche Möblierung und Begrünung der Freiräume in der Innenstadt nach einem vorgegebenen Gestaltungs- und Ausführungskatalog. Um die Herstellung und Verbesserung der Zugänglichkeit zu Teilabschnitten von Acher und Mühlbach sollen Vorkaufsrechtssatzungen erlassen werden. Ein weiteres Ziel ist die Planung eines geschlossenen „Alleenring“ in den Ringstraßen der Innenstadt. Hier sollen außerdem ortsbildprägende Bäume gepflanzt werden.