Zwei Neubauten und drei Schließungen: die Struktur des Ortenau Klinikums wird sich dramatisch ändern. doch geht der Prozess schnell genug? | Foto: Lehmann

Frühere Schließung?

Defizite befeuern die Debatte um die kleinen Krankenhäuser in der Ortenau

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Beschleunigen die erwarteten Verluste aus dem laufenden Betrieb des Ortenau Klinikums bis 2030 das Sterben der kleinen Krankenhäuser? Nicht alle Sprecher der großen Kreistagsfraktionen wollen sich bereits darauf festlegen, dass der Fahrplan der Agenda 2030 im Lichte dieser Zahlen ins Wanken gerät – doch der erwartete Verlust von 242 Millionen Euro hat die Volksvertreter alarmiert.

„Die 242 Millionen sind bereits im Gutachten von Lohfert und Lohfert prognostiziert worden“, sagt Wolfgang Brucker, Chef der CDU-Kreistagsfraktion. Nichts Neues also? Man könnte auf dem Weg zu einer Folgenutzung für die drei Krankenhäuser durchaus schon weiter sein, räumt Brucker ein, wenn es nur gelungen wäre, eine akzeptable Lösung zu finden – wie beispielsweise für Oberkirch, wo die Einrichtung der Chirurgischen Rehabilitation aus Offenburg wohl auch am Widerstand aus der Kreisstadt scheiterte. „Wenn ein gutes Konzept für die Nachnutzung da wäre, dann könnte man da schon früher einsteigen“, sagt Brucker im Blick auf die drei Häuser – „aber es muss passen, und es muss stimmen“.

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Deutlicher wird Valentin Doll, Sprecher der Freien Wähler, die die zweitgrößte Fraktion stellen: „Wir müssen uns überlegen, ob wir die defizitären Häuser zehn Jahre lang hinnehmen nur aus politischem Kalkül heraus. Das kann ich als Kreisrat nicht verantworten“. Diese Sichtweise sei zwar sicher nicht Konsens in allen Fraktionen, so Doll, man müsse bedenken, dass das ganze Hanauerland an Kehl und das ganze Renchtal an Oberkirch hängt: „Keiner will natürlich sein Krankenhaus verlieren, das geht den Acherner auch nicht anders“.

Reihe von Möglichkeiten

Doch wenn man verantwortungsbewusst agiere, könne die Politik nicht tatenlos zusehen, „wie dieser unglaubliche Berg an Verlusten auf uns zukommt“. Sie müsse jetzt überlegen, wie der Kreis weiter vorgeht, es gebe eine ganze Reihe von Möglichkeiten.

Verluste „ein Hammer“

Ähnlich deutlich wird Alfred Baum (Bündnis 90/Die Grünen) aus Renchen: Die 242 Millionen Euro Verluste seien „ein Hammer, den wir versuchen müssen, kleiner zu bekommen“. Es gebe allerdings nicht sehr viele Optionen – höhere Zuschüsse vom Land im pflegerischen Bereich könnten vielleicht dazu beitragen, das Defizit ein wenig zu reduzieren, doch es gelte zu überlegen, die Umstrukturierung zu beschleunigen und nicht jedes einzelne Spital bis 2030 so weiter zu betreiben wie jetzt: „Man muss sich ehrlich machen, es sind die kleinen Häuser, die die Verluste einfahren“.

„Wie ein Bumerang“

Möglicherweise könne man sie früher einer Nachnutzung zuführen und auf diese Weise den einen oder anderen Chefarzt, die eine oder andere Abteilung, einsparen. Es gebe keine Alternative zur Agenda 2030, jedenfalls keine mit dem Erhalt von mehr Krankenhäusern als den diskutierten vier. Wer deshalb gegen die Agenda sei, der müsse sich im Klaren sein, „dass das wie ein Bumerang zurückkommt“.

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Anders sieht das SPD-Fraktionschef Kai-Achim Klare: „Ich halte eine Debatte über die schnellere Schließung der kleinen Krankenhäuser jetzt für falsch.“ Man müsse sich vielmehr auf deren Weiterentwicklung konzentrieren, so dass es jetzt nicht hilfreich sei, über deren vorzeitige Schließung zu sprechen. Die gesamte Reform sei darauf angelegt, langfristig die Qualität im Gesundheitswesen zu verbessern.

Klare geht davon aus, dass durch strukturelle Verbesserungen das Defizit der Kliniken in ihrer jetzigen Struktur reduziert werden kann „Es hat keinen Sinn, nun in Panik zu verfallen“.