HAT GUT LACHEN: Der Europa-Park begeistert Generationen – seinen Gründer Roland Mack hat er jung gehalten. Am 12. Oktober feiert er seinen 70. Geburtstag. | Foto: Fabry

Deutschlands „Walt Disney“

Europa-Park-Chef Roland Mack wird 70

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Wer Roland Mack in seinem Element erleben will, der muss nur zu ihm in sein Golfcart steigen. Damit braust er durch den Europa-Park. Seine Augen strahlen wie die eines kleinen Buben, wenn er von den neuesten Attraktionen schwärmt. Er stoppt abrupt, falls er ein Fitzelchen Papier auf den Wegen entdeckt. Und fragt ihn ein Passant nach dem Weg, erklärt er den auf Deutsch, Englisch oder Französisch – je nachdem, woher der Gast kommt.

Die meisten der 5,6 Millionen Menschen, die jährlich den größten saisonalen Themenpark der Welt besuchen, kennen Roland Mack. Er ist das Gesicht des Familienunternehmens, bestens vernetzt und von Medien gefragt: Im „heute journal“ war bereits seine Meinung als Mittelständler gefordert, bei der „Bild“ war er in der Redaktionskonferenz, die Kanzlerin hat er schon beraten. Das Mack’sche Imperium erlöst geschätzte 400 Millionen Euro im Jahr. Allein der Park beschäftigt 4 250 Menschen, ist mit seinen sechs Hotels an einem Standort in Deutschland unangefochten die Nummer eins und auch mit der Gastronomie oben auf den gängigen Ranglisten. Mack ist stolz auf sein Lebenswerk – und lässt sich dafür auch gerne feiern. So wird es am 12. Oktober in der neuen Halle des künftigen Wasserparks eine Sause mit Familie, Freunden, Wegbegleitern aus allen Bereichen von Politik bis Show geben. „Ja, es wird ein großes Fest“, verrät der Patriarch den BNN. 70 Jahre alt wird er dann. Der Park hat ihn jung gehalten. Er ist seine Bühne, sein Lebenselixier.

DA IST DER INGENIEUR IN SEINEM ELEMENT: Roland Mack in einem seiner Fahrgeschäfte. | Foto: dpa

Der gebürtige Freiburger hatte es sogar in den Olymp seiner Branche geschafft, als erster Deutscher im Weltverband IAAPA – damit sprach er auch für die Disney-Parks. Mit Fahrgeschäften von Mack Rides aus Waldkirch – der Keimzelle des Europa-Parks – werden die Kalifornier ohnehin seit vielen Jahren beliefert. Ja, man kann Roland Mack durchaus als „Europas Walt Disney“ bezeichnen, zumal eine Tochterfirma auch Animationsfilme produziert. Roland Mack ist Visionär, Unternehmer, ein Ingenieur, der auch schweißen kann, und Impulsgeber in einer Person. „Er ist ein Vulkan. Er sprüht neue Ideen“, lobt ihn sein Freund Chip Cleary – auch eine Branchen-Größe.

 

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Ehrungen en masse

Die wenigen, die ihn despektierlich immer noch als „Karusellbauer“ bezeichnen, tun ihm unrecht. Mack Rides ist eine international geachtete Größe, spezialisiert auf den Bau von Freizeitparkattraktionen wie Achterbahnen. Und der Europa-Park wurde erst jüngst zum wiederholten Male mit dem begehrten Branchen-Oscar „Bester Freizeitpark weltweit“, dem „Golden Ticket Award“, ausgezeichnet. Die Branche schaut auf Roland Mack auf. Freilich tragen viele Familienmitglieder und unzählige Mitarbeiter zum Erfolg bei. Das weiß auch Roland Mack. Bodenständig ist er geblieben, auch wenn Autogrammjäger ihm nicht fremd sind und es gar eine Biografie über ihn gibt. Er kann wunderbar auf Kinder eingehen, geht zum Gespräch mit ihnen auf die Knie – sowieso, wenn die ihm von ihrer Achterbahn-Leidenschaft berichten.

Roland Mack pflegt immer noch den Kontakt zu seinen früheren Karlsruher Kommilitonen

Mack unterstützt mit seiner Familie Menschen, die nicht wie er auf der Sonnenseite des Lebens stehen, und pflegt den Kontakt zu seinen früheren Karlsruher Kommilitonen – mit so manchen von ihnen hat er einst in seiner Durlacher Studentenbude gebolzt. Roland Mack stellt viele Fragen, saugt das erfahrene Wissen auf und lernt daraus. Das hat er mit dm-Gründer Götz W. Werner gemein, der wie Mack ebenfalls sein Lebenswerk per Stiftung sicherte. Mit Fertighauspionier Hans Weber eint ihn der Perfektionismus und mit Martin Herrenknecht, um einen weiteren badischen Unternehmer zu nennen, die Marktführerschaft.

IMPOSANTES IMPERIUM: Der Europa-Park ist der größte saisonale Freizeitpark der Welt. Außerdem ist Roland Mack mit seinen sechs Hotels an einem Standort die Nummer eins in Deutschland. | Foto: Fabry

Selbst US-Amerikaner staunen bei einem Europa-Park-Besuch. 100 Attraktionen, 59 Restaurants, 23 Stunden Show pro Tag. „Die haben ja auch eine Maus“, sagen sie spontan und sehen im Laufe eines Tages, wie vollkommen hier fast alles läuft. Mack wäre sonst nicht zufrieden. Er hat es geschafft, dass Weltfirmen im Park Konferenzen abhalten, dort pro Jahr 200 TV-Sendungen aufgezeichnet und Parteitage abgehalten werden.

Detailverliebt und perfektionistisch

Längst sind seine drei Kinder mit an Bord. Macks jüngerer Bruder Jürgen – der Finanzfachmann – hält sich mit seinem Naturell eh lieber im Hintergrund. Es ist eine gute Kombination. Detailverliebt wie die Macks sind, gibt es – wie in jeder Familie – immer mal Meinungsunterschiede. „Letztlich entscheidet dann das Wort von Roland Mack“, sagt ein Insider.

Der Name Mack war für den jungen Roland auch eine Last: Zwar durfte der Spross der Waggon- und Fahrgeschäftebau-Dynastie mit Zirkuskindern spielen und neue Fahrgeschäfte testen. Aber während seine Kumpels kickten, musste er oft am Reißbrett üben. Dass er als erster in der Familie studieren durfte, setzte letztlich er durch. Als junger Ingenieur und Europa-Park-Chef zahlte ihm sein Vater zunächst ein relativ kleines Salär. „Meine früheren Studienkollegen verdienen alle besser“, hat er einmal gemosert. „Dafür hast Du Gesellschafteranteile“, konterte Franz Mack. Sein Vater, Mitgründer des Parks, war Zeit seines Lebens der Sparing-Partner von Roland Mack.

Auszeit auf dem eigenen Bauernhof

Die Macks wohnen in ihrem Park: in Appartements der Hotels oder im historischen Schloss Balthasar. Roland Mack ist vor einigen Jahren ausgezogen, aber nur übers Flüsschen Elz. Er braucht die Nähe zu dem Park, diesem gelebten Europa. Mittlerweile kann er sich immerhin für ein paar Tage zurück ziehen, so auch nach seinem Geburtstag. Dafür hat Mack 30 Kilometer entfernt im Elztal einen alten Bauernhof. Er genießt dort mit seiner Frau Marianne Natur und Ruhe, heizt mit Kaminscheiten den Brotofen an. Übrigens: Bei dem Jubilar stimmt tatsächlich das Klischee, dass zu einem erfolgreichen Unternehmen auch eine entsprechende Partnerin gehört. Marianne Mack hatte einst ihren Beruf als Stewardess aufgegeben, ihr Leben dem Park und der Familie gewidmet.

„Privat und Beruf ist nicht immer leicht zu trennen bei mir“

Bei seiner Fete wird Roland Mack reichlich beschert werden. Was er sich vor allem wünscht? „Es klingt wie eine Floskel und ist doch genau zutreffend: Gesundheit“, antwortet er den BNN. Fragt man ihn nach seinem privaten Vorhaben, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Privat und Beruf ist nicht immer leicht zu trennen bei mir. Für mich ist es sehr wichtig, dass unsere Familie nun auch in der achten Generation und darüber hinaus das Unternehmen erfolgreich weiterführt.“

Wenn er also fit bleibt, was ihm alle Wegbegleiter wünschen, wird Roland Mack noch viele Jahre lang mit dem Golfcart durch seinen Park sausen und nach dem Rechten schauen. Der Park ist es, der den Jubilar so jung hält.