Nicht zuletzt auf Fernreisebusse achtet die Bundespolizei Offenburg bei ihrer Schleierfahndung. | Foto: Gabbert

Schleierfahndung läuft

Die Bundespolizei schaut seit November im Ortenaukreis ganz genau hin

Anzeige

Es ist eine gewaltige Aufgabe: 99 Kilometer Grenze muss die Bundespolizei allein zwischen dem Ortenaukreis und Frankreich überwachen – und dabei mit der Europabrücke wenigstens einen Grenzübergang von europaweiter Bedeutung. Seit November vergangenen Jahres tut sie dies mit besonderem Nachdruck.

Die vom Bundesinnenministerium angeordnete Schleierfahndung fördert zumindest einen Teil dessen zutage, was sich so an den offenen europäischen Binnengrenzen tummelt. „Die Feststellungen haben sich verdoppelt“, sagt Dieter Hutt, Pressesprecher der Bundespolizei in Offenburg. Das heißt: Wurden zwischen Januar und Oktober vergangenen Jahres im Schnitt 130 unerlaubte Einreisen monatlich festgestellt, so sind es inzwischen 250. Einfach nur, weil die Polizei genauer hinschaut.

Die Fernbusse im Blick

Genauer hinschaut zum Beispiel im aus Frankreich kommenden TGV oder auch in den vielen Fernbussen, die Tag für Tag nicht nur die Grenze an der Europabrücke queren. Dazu kommt die regelmäßige Festnahme gesuchter Straftäter, die Beschlagnahme von Drogen oder illegalen Waffen. Das, so sagt Hutt, kann die Bundespolizei wirklich gut: „Im Vergleich zur Landespolizei sind wir eine richtige Fahndungspolizei, wir können uns aussuchen, wie wir vorgehen, so lange wir es auf ein Lagebild stützen können.“

Auch interessant: Mit Spezialkamera und Drohne: So will die Polizei Staus auf der A8 bei Pforzheim verhindern

Dieter Hut, Sprecher der Bundespolizei in Offenburg | Foto: fl

Das heißt: Bei einer Kontrolle in einem 30 Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze muss jeder damit rechnen, an die Reihe zu kommen, auch wenn die Beamten mit der Zeit natürlich wissen, wen sie sich genauer ansehen müssen. Dass ihnen dabei manchmal „Racial Profiling“ vorgeworfen wird, das gehört zur Tagesordnung, wenn man beispielsweise die Papiere dunkelhäutiger Menschen überprüft: „Es gibt immer Menschen, die sich beschweren, oftmals auch völlig unbeteiligte.“

Kein „Racial Profiling“

Für die Beamten seien, so sagt Hutt, da alle gleich: Natürlich sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass man eine illegale Einreise aufdeckt, wenn man im Fernreisezug einen Passagier kontrolliert, der offenkundig wie ein Migrant aussieht. Auf der anderen Seite aber: „Wir haben auch schon den Herrn im feinen Anzug überprüft, der war dann zur Festnahme ausgeschrieben.“

Es sei eine Frage des Gespürs bei den Beamten, dem oder der Richtigen die richtigen Fragen zu stellen. Die Schleierfahndung sei dem Grunde nach immer Aufgabe der Bundespolizei, sagt Hutt, doch seit dem vergangenen Spätherbst sei sie auf Weisung aus Berlin deutlich ausgeweitet worden. Anlass: Die Wiedereinreise zuvor eines erst mit großen Mühen abgeschobenen Clanchefs.

Auch interessant: Instagram-Seite „achern_asozial“ erregt Gemüter: Polizei will Account löschen lassen

Unterwegs im TGV

Einen eigenen Ermessensspielraum habe die Offenburger Dienststelle, zuständig für den Ortenaukreis sowie die Kreise Rastatt, Baden-Baden, Freudenstadt und Rottweil, dabei nicht, man folge den Lagebildern aus der Potsdamer Zentrale. Unterstützt werden die 200 Beamten aus Offenburg von der Bundesbereitschaftspolizei und den Mobilen Einsatzkräften, die gewöhnlich bei Fußballspielen eingesetzt werden. Bislang ist die Aktion ein Erfolg: „Man kann schon sagen, es bringt was.“

Ein besonderes Augenmerk hat man dabei auf Fernbusse und Züge, insbesondere zwischen Straßburg und Karlsruhe. Dabei arbeitet man eng mit den französischen Fahndern zusammen, steigt gemeinsam in Straßburg ein, kontrolliert dann bis Karlsruhe, um mit dem nächsten Zug zurück zu fahren. Manchmal geht es auch auf große Reise – von Paris nach Stuttgart. Ein Beispiel grenzüberschreitender Kooperation, das bis ins Jahr 2006 zurückgeht.