Zu geringer Abstand auf der Autobahn ist die wichtigste Unfallursache dort. Rund 800.000 Euro Bußgelder hat die Polizei 2019 deswegen eingenommen. | Foto: Frey

Immer mehr Unfälle

Die Fahrradfahrer leben vor allem in den Städten gefährlich

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Weniger Unfälle, weniger Tote, weniger Verletzte. Fast durchweg positiv fällt die Unfallbilanz des Polizeipräsidiums Offenburg für das zurückliegende Jahr aus. Fast. Denn erhebliche Sorgen bereiten den Beamten die Fahrradunfälle. Deren Zahl hat (wieder) deutlich zugenommen, präsidiumsweit um rund neun Prozent, im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden sogar um durchaus 20 Prozent.

 

Die Polizei hofft jetzt auf die für 2020 angekündigte Novellierung der Straßenverkehrsordnung, die den Radfahrern mehr Sicherheit verschaffen soll, wird aber auch selbst aktiv: „Wir können nicht warten, bis die gesetzliche Regelung kommt, wir werden bereits jetzt reagieren“, sagt Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden.

Hohe Unfallbelastung

Das Präsidium stehe bei der Unfallbelastung im Bereich der Radfahrer inzwischen landesweit an dritter Stelle nach den Städten Karlsruhe und Freiburg. Die Großen Kreisstädte Achern, Kehl, Lahr, Rastatt und vor allem Offenburg lägen deutlich über dem Landesschnitt. „Wir werden über repressive Maßnahmen nachdenken“, kündigt Westermann an.

Pedelecs bleiben ein Problem

Die Unfallopfer seien überwiegend ältere Menschen, sehr oft in Verbindung mit der Nutzung so genannter Pedelecs. Die Polizei werde sich deshalb gezielt dieses Themas annehmen und bei schweren Unfällen  vor Ort überprüfen, ob nicht Änderungen an der Verkehrsführung notwendig sind: „Wir werden gemeinsam mit den Städten überlegen, wie wir nicht ein bisschen Sicherheitspotenzial herauskitzeln“.

Warum die Zahl der Fahrradunfälle gerade in den Kreisen Baden-Baden und Rastatt besonders stark gestiegen ist, kann die Polizei derzeit noch nicht erklären – dazu müsse man die detaillierte Auswertung der Vorgänge abwarten, so Peter Westermann.

Unfallzahl gesunken

Hier die guten Nachrichten: „Nur“ 18.557 Verkehrsunfälle hat es im vergangenen Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg mit seinen drei Kreisen gegeben, ein Prozent weniger als vor Jahresfrist. Das ist, angesichts immer weiter steigender Fahrzeugbestände, durchaus beachtlich. Um sechs Prozent sank die Zahl der Verletzten („Ein großer Erfolg“, sagt Polizeipräsident Reinhard Renter), um mehr als zehn Prozent die der Unfälle mit motorisierten Zweirädern.

Landesweit meiste Kontrollen

Das führt die Polizei auf die seit fünf Jahren konsequent betriebene Überwachung der beliebten Motorradstrecken in der Region zurück: „Wir machen landesweit die meisten Kontrollen“, sagt Peter Westermann. Die führen übrigens durchaus auch zu Ergebnissen: 2.700 Verstöße wurden im vergangenen Jahr registriert, 2.600 davon wegen überhöhten Tempos. Die restlichen 100 bezogen sich auf Manipulationen an der Auspuffanlage und ähnliche Vergehen.

Weniger getötete Biker

Die Kontrollen werden weitergehen, auch wenn die Polizei bereits beeindruckende Zahlen vorweist. Die Zahl der Schwerverletzten bei Motorradunfällen sank im vergangenen Jahr um fast ein Drittel, die der bei Unfällen getöteten Zweiradfahrer von zehn auf sechs. Es seien, so merkte Westermann noch an, fast keine Frauen unter den Unfallopfern. Eine angesichts der inzwischen großen Zahl von Motorradfahrerinnen beachtliche Feststellung.

Abstandssünder füllen Kassen

Leicht zugenommen hat die Zahl der Unfälle auf der Autobahn, ganz im Gegensatz zum landesweiten Trend. Wichtigste Ursache hier: Zu geringer Sicherheitsabstand. Ein Problem, dem sich die Polizei im vergangenen Jahr ebenfalls intensiv gewidmet hat. Eine mobile Überwachungsanlage hat 7.400 Abstandssünder zutage gefördert. Viele davon, so merkt Westermann an, mit so geringen Distanzen zum Vordermann, dass ein Fahrverbot fällig wurde. Dazu summierten sich die Bußgelder auf rund 800.000 Euro.

Mehr als 5.000 Handysünder

Insgesamt lieferte die Verkehrsüberwachung beeindruckende Zahlen. So wurden 2019 mehr als 5.000 Handysünder ertappt, 1.350 Alkohol- und 950 Drogenfahrten gestoppt, sowie beachtliche 8.000 Verstöße gegen die Gurtanlegepflicht moniert.

Die Überwachung wird weitergehen, das Ziel werde vor allem sein, die Zahl der verletzten und getöteten Verkehrsteilnehmer weiter zu reduzieren. Polizeichef Renter kündigte dabei „hohen Verfolgungsdruck“ an.