Freudig gestimmt: Patron Herbert Decker und sein Schwiegersohn Christian Mamber (rechts) wollen am Montag wieder durchstarten. Allerdings wissen sie auch, es ist nur eine vorläufige Lockerung. | Foto: Roland Spether

Strenge Auflagen

Die Gastronomen in Mittelbaden blicken dem Re-Start nach Corona-Zwangspause entgegen

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Die Gastronomen dürfen auch in der Region an diesem Montag wieder los legen. Mit Freude aber auch mit vielen Fragen blickt ein ganzer Berufsstand dem Wiederbeginn nach dem durch die Corona-Pandemie erzwungenen Stillstand entgegen. 

„Da fällt einem schon ein Stein vom Herzen“, sagt Herbert Decker. Zwei Termine werden sich der Vorsitzende der Acherner Dehoga und seine Kollegen vermutlich im Kalender gut sichtbar markieren. Es ist der Montag, 18. Mai, an dem – unter strengen Auflagen freilich – die Gastronomiebetriebe in Baden-Württemberg wieder öffnen dürfen, und dann der Freitag des Pfingstwochenendes. Da machen dann die Beherbergungsbetriebe – wie auch immer – wieder einen Schritt in Richtung Normalität.

Öffnungszeiten wie in Niedersachsen wären für den Anfang in Ordnung

Für die Restaurants gibt es laut Patron des renommierten „Engel“ in Sasbachwalden noch keine Öffnungszeiten, „aber wenn es am Anfang auf einen Rahmen von 6 bis 22 Uhr hinausläuft, wie in Niedersachsen, können wir damit leben.“

Es ist eine vorläufige Lockerung

Doch Decker, Gastronom und Hotelier aus Leidenschaft, ist nicht blauäugig, ebenso wenig wie seine Kollegen, mit denen er sich vor allem in den vergangenen Tagen über Telefonkonferenzen austauschte. Bei diesem Re-Start müsse man vor allem eines bedenken: „Es ist eine vorläufige Lockerung“.

Verschlechtert sich die Situation, drohen neue Einschränkungen

Verschlechtere sich die Situation, könne es auch sehr schnell wieder zu neuen, deutlicheren Einschränkungen bis hin zur erneuten Schließungen kommen. „Wir sitzen im Glashaus“, so Decker, der auf das Vernunft -Prinzip baut. Die Sektkorken dürfte damit in der Region kein Küchenchef und auch kein Hotelbetreiber knallen lassen, denn keiner weiß schließlich so richtig, wie es anläuft. So zählt das Prinzip Hoffnung.

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„Außer Haus“ hieß die Devise in der jüngeren Zeit

„Natürlich freuen wir uns, wenn es wieder losgeht“, sagt Decker. Im „Engel“, wie in vielen anderen Lokalen, blieb die Küche in der jüngeren Zeit nicht kalt. „Außer Haus“ hieß die Devise, vor allem viele Stammgäste nutzten diese Möglichkeit, in den Zeiten des weitgehendsten Stillstands in der Gastroszene, sich doch noch lukullisch verwöhnen zu lassen.

Nicht weniger Aufwand

Indes: Das Essen außer Haus beschert nicht weniger Aufwand, von der Warenlogistik angefangen über küchenspezifische Dinge wie das Mise en Place, also all die Kleinigkeiten, die ein Koch im laufenden Betrieb griffbereit haben muss, bis hin zum sorgfältigen Einpacken.

Offene Fragen und auch Ängste vor dem Wiederbeginn

Wenn Decker über die Gastronomie spricht, dann schwingt Begeisterung für ein Gewerbe mit, das gerade in Mittelbaden durch Qualität und Vielfalt samt Verwendung regionaler Produkte das Sahnehäubchen auf eine oft traumhafte Landschaftskulisse setzt. Doch mit der Pandemie und ihren Folgen beginnt eine neue Zeitrechnung. Und diese Tatsache lässt im Berufsstand viele Fragen, auch Ängste aufkommen.

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Was machen kleine Restaurants?

Was macht ein kleines Restaurant? Lohnt sich für den Betreiber oder Inhaber wirtschaftlich gesehen eine Öffnung überhaupt noch, wenn die vergleichsweise wenigen Plätze durch die Abstandsregel reduziert werden? Akzeptieren die Gäste die Auflagen? Kommen überhaupt ausreichend Gäste?

Kein einheitliches Meinungsbild bei den Gästen

Ein einheitliches Meinungsbild gebe es bei denen laut Decker nicht, manche warten sehnsüchtig darauf, Essen zu gehen, andere hätten schlichtweg Angst. Decker sieht vor diesem Hintergrund die Politik gefordert, Gastronomie und Co weiter zu unterstützen. Gerade die kleineren Betriebe bräuchten Hilfe.

Es ist unsere Hoffnung, dass sich alles zum Besseren wendet.

Bei allen Unabwägbarkeiten, bei allen Sorgen, für den Acherner Dehoga-Chef zählt jetzt auch der Optimismus. Ohne den gehe es in der Branche nicht, und vielleicht würde jetzt noch viel mehr Menschen der Wert der Gastronomie-Kultur bewusst. „Es ist unsere Hoffnung, dass sich alles zum Besseren wendet.“ Denn die Gastronomie in der Region sei eine unverzichtbare Kultur.

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