Die Gelbbindige Furchenbiene ist auch für Laien leicht zu erkennen.
Leicht zu erkennen ist die Gelbbindige Furchenbiene, die bis zu 14 Millimeter groß wird. Hier sammeln einige dieser Wildbienen an einer Kratzdistel-Blüte. | Foto: Hans Richard Schwenninger

Gelbbindige Furchenbiene

Die Wildbiene des Jahres 2018 ist eine Botschafterin des Klimawandels

Die Wildbiene des Jahres 2018, die Gelbbindige Furchenbiene, gehört zu den Gewinnern des Klimawandels.

Von Patricia Klatt

„Bis in die 1990er Jahre hinein beschränkten sich die hiesigen Vorkommen dieser ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet stammenden Art auf die wärmsten Gebiete wie den Oberrheingraben“, sagt Arno Schanowski, Wildbienen-Experte am Institut für Landschaftsökologie (ILN) in Bühl und Artenschutzprogramm-Manager der Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg. „Mittlerweile findet man sie auch in Sachsen-Anhalt und im nördlichen Nordrhein-Westfalen“, so Schanowski.

Vom Oberrheingraben zu den Schwarzwaldausläufern

Die Wildbiene mit dem wissenschaftlichen Namen „Halictus scabiosae“ gilt als Indikator und „Botschafterin“ für die Klimaerwärmung, durch die zunehmend Lebensräume trocken-warmer Prägung auch in nördlichen und vormals kühleren Regionen entstehen. „Bei uns ist das sehr schön daran zu beobachten, dass sich die Furchenbiene vom Rheingraben in die Schwarzwaldausläufer hin ausbreitet“. Schanowski konnte dies bei Untersuchungen für die Landesanstalt für Umwelt nachweisen.

Die Gelbbindige Furchenbiene mag blütenreiche, trocken-warme Wiesen

Wie viele andere Wildbienen bevorzugt die Gelbbindige Furchenbiene struktur- und artenreiche Lebensräume, die zunehmend gefährdet sind. „An mageren, blütenreichen, trocken-warmen Wiesen, wo es dann auch noch ein paar offene Bodenstellen als Nistplatz gibt, ist diese Art häufig zu finden. Bei mir im Garten treffe ich sie auch regelmäßig an,“ so Mare Haider, ebenfalls Wildbienen-Expertin am ILN. „Wünschen würde ich mir für die Gelbbindige Furchenbiene – wie auch für die anderen Bienenarten – vor allem natur-freundliche und blütenreiche Gärten, keine sterilen Rasen- und Schotterflächen, keinen Einsatz von Dünger und Pestiziden im Garten. Und in der Landwirtschaft die Pflege, Erhaltung oder auch Neuanlage von artenreichen Magerwiesen, eine drastische Reduktion der Düngung und damit einhergehend eine seltenere Mahd. Positiv sind natürlich auch mehr einheimische Blumenwiesen im Siedlungsbereich“, zählt Mare Haider auf.

Vom Frühjahr bis in den späten Sommer hin

Die Furchenbiene fliegt vom Frühjahr bis in den späten Sommer hinein. Sie ist durch ihre namengebenden ockergelben Querbinden auf dem Hinterleib und durch ihre Körpergröße von bis zu 14 Millimetern bei Weibchen leicht zu erkennen. Gut zu sehen ist zudem eine Längseinkerbung auf dem letzten Segment des Hinterleibes bei den weiblichen Tieren dieser großen Art. Die Männchen von Halictus scabiosae sind etwa gleich groß wie die Weibchen, aber viel schlanker gebaut und tragen auffällig lange schwarze Antennen, die am Ende hakenförmig gebogen sind. Auch sie sind kaum zu übersehen, wenn sie in den Blüten nach Nektar suchen.

Auf dem Weg zum Sozialstaat

Die Gelbbindige Furchenbiene bildet zwar kein Bienenvolk wie die Honigbiene, aber sie lebt in „primitiv eusozialen Strukturen“. Das heißt, es gibt ein gewisses Zusammenleben der Bienen.

Mehrere begattete Weibchen überwintern in ihrem Geburtsnest und bilden im Frühling Weibchen-Gemeinschaften. Von diesen Tieren übernimmt das größte die Funktion der Königin, bleibt im Nest und legt als einziges Eier. Die übrigen Weibchen sammeln als Arbeiterinnen Pollen und Nektar und legen Vorräte in den Brutkammern an. In jeder Kammer legt die Königin ein Ei ab. Sie bewacht auch das Nest. Danach wird den Arbeiterinnen der Zugang zum Nest verweigert, sie gründen entweder eigene Nester oder können auch die anderer Weibchen übernehmen. Ungefähr ab Mitte Juli schlüpfen die Männchen und Weibchen der neuen Generation. Nach der Begattung sterben die Männchen, während die Weibchen gemeinsam in ihrem Geburtsnest überwintern – der Zyklus beginnt von neuem.

Wildbiene des Jahres

Seit 2013 wählt das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die Welt der Wildbienen bekannter zu machen. Zudem soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die für den Menschen sehr nützlichen Tiere in ihrem Bestand bedroht sind. Außerdem sollen Menschen dazu ermuntert werden, in die Natur zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen. Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart.

Hier geht es zum Wildbienen-Kataster.