SEIT DER EINFÜHRUNG des Kehler Stadtbussystems haben Nutzer des ÖPNV in Diersheim das Nachsehen. Vormittags muss man bis zu vier Stunden auf den nächsten Bus warten. | Foto: Alexander Schütt

Buslinie 403 in Rheinau

Diersheim und Honau vorerst abgehängt

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Das Nahverkehrs-Jobticket hat Kai Gutmann aus Diersheim gekündigt. Er steigt wieder auf das Auto um. Der Grund: Seit dem Fahrplanwechsel am 8. Dezember sind Ortschaften wie Diersheim, Honau und Kehl-Leutesheim auf der Linie 403 abgehängt.

War es bis dahin unter der Woche möglich, von Diersheim im Stundentakt mit dem Bus nach Freistett oder Kehl zu fahren, klafft im Fahrplan von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr eine Lücke. Samstags bedient gar zwischen 8 und 15 Uhr kein Bus mehr die Linie 403. Das für die ÖPNV-Planung zuständige Landratsamt kündigt auf Anfrage von bnn.de Optimierungsbedarf sowie Gespräche mit den betroffenen Kommunen an. Hintergrund ist die Einführung des neuen Stadtbussystems mit Kehl. Bereits im vergangenen Jahr monierten Rheinauer Räte, dass das neue Nahverkehrskonzept die Stadt Kehl nicht mit ihren Nachbarkommunen abgestimmt habe. In der vergangenen Ratssitzung brachte Horst Siehl (SPD/FW) seine Verwunderung ob der schlechten Busanbindung von Diersheim und Honau auf den Punkt.

Rufauto auf der Linie 403 noch kein Thema

Ähnliche Klagen sind auch aus den Kehler Stadtteilen Leutesheim und Auenheim zu hören, die ebenfalls auf der Linie 403 liegen. Eine weitere Krux: Tatsächlich hat sich die Anbindung auf der Linie 301 von Freistett über Linx nach Kehl verbessert. Von Freistett kommen Buspassagiere stündlich nach Kehl. Doch ein Rufauto in den südlichen Rheinauer Stadtteilen gibt es noch nicht. Nach Informationen von bnn.de hält sich die Rheinauer Stadtverwaltung bei der Ausweitung des Ruftaxis noch zurück. Man wolle zunächst das Nutzungsverhalten der im vergangenen November lancierten Linie in Freistett und nach Achern weiter beobachten und auswerten, um gegebenenfalls zu reagieren.

„Vollendete Tatsachen“

Verärgert ist auch Diersheims Ortsvorsteherin Doris Bleß über die neue Taktung der Linie 403. Die Ortsverwaltung wurde bei dem Fahrplanwechsel am 8. Dezember vor „vollendete Tatsachen“ gestellt. Absprachen mit den Nachbarkommunen und dem Landratsamt habe es keine gegeben. Bereits von mehreren Personen angesprochen. Nicht mehr so einfach, zu einem Arzt zu fahren. Bleß will die neue Taktung der Linie 403 „nicht einfach hinnehmen“. Sie kündigt an, sich dafür einsetzen, dass ihr Ort wieder einen dichteren Busfahrplan erhält. Die Diersheimer Ortsverwaltung will die Problematik mit der Rheinauer Stadtverwaltung erörtern. Auch Honaus Ortsvorsteher Manfred Knörle bezeichnet die neue
Taktung der Linie 403 als eine „nicht ganz glückliche Geschichte“.

Kreis räumt Verbesserungsbedarf ein

Verbesserungsbedarf auf der Linie 403 räumt auch das Landratsamt ein. Kai Hockenjos, Sprecher des Landratsamts des Ortenaukreises, bestätigt gegenüber bnn.de, dass die Einführung des Stadtbussystems Kehl das Busangebotes zwischen Kehl und Rheinau umstrukturierte. „Der Ortenaukreis hat von Anfang an darauf Wert gelegt, dass alle Änderungen nur in enger Abstimmung zwischen allen Beteiligten erfolgen und keine Verschlechterungen für die Nachbargemeinden und die Schüler entstehen“, betont Hockenjos.

Gespräche voraussichtlich Ende Februar

Entsprechende Gespräche der Stadt Kehl mit den Nachbargemeinden unter Beteiligung der SWEG hätten im Vorfeld stattgefunden. „Dennoch haben die Fahrplanänderungen in Einzelfällen zu Problemen geführt“, stellt der Sprecher des Landratsamts fest. Diese Probleme habe seine Behörde erkannt. „Deswegen prüfen wir Verbesserungsmöglichkeiten – ein Gesprächstermin mit allen Beteiligten ist bereits anberaumt“, so Hockenjos. Nach Informationen von bnn.de finden die Gespräche voraussichtlich Ende Februar statt.

Stadt Rheinau fordert Lösung

Zur Problematik der ausgedünnten 403er-Linie äußert sich Markus Bogner, stellvertretender Hauptamtsleiter der Stadt Rheinau, auf Anfrage von bnn.de wie folgt: Analog zur jetzigen Taktung hat die Stadt Rheinau folgende „Bausteine“ definiert und der SWEG bereits 2017 zur Prüfung weitergeleitet:

  • Durchgehender Stundentakt auf der Linie 403 Montag bis Freitag, von Betriebsbeginn bis 20 Uhr.
  • Ein Vormittagsangebot, möglichst durchgehend im Stundentakt, auf der Linie 301 zur Anbindung der Stadtteile Linx, Holzhausen, Hohbühn und Hausgereut an Rheinbischofsheim/Freistett wie auch an Kehl.
  • Ein Abendangebot freitags und samstags.

„ÖPNV-Erweiterungen vorantreiben“

Bogner kritisiert, dass mit dem neuen Fahrplanangebot der SWEG sich die Taktung nicht wie von der Stadt Rheinau gewünscht verbessert hat. Stattdessen sind vormittags vierstündige Lücken in der Anbindung (Linie 403) der Rheinauer Stadtteile Honau und Diersheim entstanden. Entsprechend fordert die Rheinauer Stadtverwaltung, dass dringend eine Lösung gefunden wird, um die Lücken in der Anbindung der Stadtteile Diersheim und Honau zu schließen und die von der Stadt Rheinau gewünschten Erweiterungen des ÖPNV-Angebotes von und nach Kehl voranzutreiben. „Hierfür wurde zeitnah von uns ein Gesprächstermin mit Vertretern der Stadt Kehl, der SWEG und dem Landratsamt angesetzt“, betont Bogner. Mögliche Ersatzlösungen, wie eine Ausweitung des Rufauto-Angebots, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Dies müsste die Stadt Rheinau nach eigener Darstellung prüfen.