Kaufvertrag abgesegnet: Der Campingplatz am Achernsee bekommt einen neuen Besitzer. | Foto: Roland Spether

Campingplatz am Achernsee

„Diese Idylle wird verschwinden“

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Der Verkauf des Campingplatzes am Achernsee ist besiegelt. Der Acherner Gemeinderat segnete bei sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung den von der Stadtverwaltung mit der Kehler Grossmann Group geschlossenen Kaufvertrag ab. Wie ausführlich berichtet, übernimmt Grossmann nicht nur den Campingplatz, sondern auch die benachbarte „Seehotel“-Ruine.

Dauercamper protestieren

Kritiker des Vorhabens warnen vor einschneidenden Veränderungen auf dem bisher von zahlreichen Dauergästen geprägten Campingplatz. Bekanntlich hatte eine Interessengemeinschaft von Campern Ende vergangenen Jahres vergeblich gegen den vom Gemeinderat gefassten Grundsatzbeschluss zur Veräußerung der Anlage protestiert.

Rückabwicklung möglich

Der Kaufvertrag war offenbar bis zuletzt mehrfach verändert worden. In der Sitzung wurde deutlich, dass den Gemeinderäten die letzte Version erst kurzfristig per E-Mail zugeleitet wurde. Oberbürgermeister Klaus Muttach erklärte dies mit dem Hinweis auf eine „Präzisierung“: Es gehe um das Recht zum Rücktritt vom Kaufvertrag. Beiden Seiten werde die Möglichkeit einer Rückabwicklung des Kaufvertrags innerhalb von fünf Jahren eingeräumt.

„Behalten Heft des Handelns in der Hand“

Muttach legte in diesem Zusammenhang ebenso wie der städtische Jurist Björn Eiselt Wert auf die Feststellung, dass die Stadt einen Bebauungsplan als Grundlage für Veränderungen auf dem Campingplatz entwickeln werde. Ohne den geht nichts für Grossmann. „Wir behalten das Heft des Handelns in der Hand“, erklärte Eiselt. Der Investor könne nur dann vom Kaufvertrag zurücktreten, wenn die Vorgaben der Stadt „wirtschaftlich in Gänze nicht zumutbar“ seien.

Entwicklung in einer Hand

Ebenso wie Oberbürgermeister Klaus Muttach verteidigte auch CDU-Fraktionschef Karl Früh die Entscheidung zum Verkauf des Campingplatzes mit dem Argument, dass der Investor damit die Möglichkeit erhalte, diesen zusammen mit dem „Seehotel“ gewissermaßen „aus einer Hand“ zu entwickeln. Früh verwies zudem darauf, dass der Betrieb eines Campingplatzes „keine öffentliche Aufgabe“ darstelle.

„Von besonderem Charme“

Gegen den Verkauf des Campingplatzes votierten die Vertreter von ABL und SPD: „Diese Idylle wird verschwinden“, warnte Jutta Römer (ABL) mit Blick auf die gegenwärtige Struktur mit rund 350 Parzellen für Dauercamper und 150 Plätzen für Touristen. Der Campingplatz am Achernsee sei geprägt von „einem besonderen Charme“ und für viele Menschen „ein besonderer Ort“. Jutta Römer verwies dazu auf das von dem Investor vorgelegte Nutzungskonzept, das als Bestandteil des Kaufvertrags nicht öffentlich sei. Danach werde der für die Camper verfügbare Platz von derzeit 4,8 Hektar auf 1,8 Hektar reduziert – der Rest sei für Tinyhäuser und ähnliche Unterkünfte reserviert.

„Es hat an Transparenz gefehlt“

Jutta Römers Fraktionskollege widersprach Karl Früh: Bei dem Campingplatz handelte es sich um „ein produktives Vermögen“ der Stadt, das für diese Einnahmen generiert habe. Ähnlich äußerte sich Patrik Schneider im Namen der SPD: „Der Campingplatz war erfolgreich.“ Im Übrigen kritisierte Schneider das „schnelle Verfahren“ zum Verkauf: „Es hat an Transparenz gefehlt.“