Brennpunkt Pfählerpark: In Offenburg gibt es eine offene Drogenszene. | Foto: slr

Polizei greift ein

Aggressive Drogenszene im Offenburger Pfählerpark

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630 Personenkontrollen, 451 Durchsuchungen, 114 Strafverfahren, fünf Angriffe auf Polizeibeamte mit sieben Verletzten, zwei Festnahmen, sechs Aufenthaltsverbote: Was sich wie ein Auszug aus der Jahresbilanz der Kriminalität in einer mittleren Kleinstadt liest, ist in Wahrheit an nur einem Ort zusammengekommen – und das in vier Wochen. Das Offenburger Polizeirevier hat sich von Anfang Juli bis Anfang August einmal eingehend mit dem Pfählerpark unmittelbar am Offenburger Bahnhof befasst. Dort hatte sich in den vergangenen Monaten nicht nur eine ausgewachsene offene Drogenszene etabliert, es war zunehmend auch zu Übergriffen und massiven Gewalttaten gekommen.

Bislang gravierendster Fall

Im Mittelpunkt standen bei der Aktion der Polizei nicht zuletzt Dealer aus dem zentralafrikanische Gambia, die dort in großer Zahl – und mit erheblicher Hartnäckigkeit – Drogen an den Mann und die Frau brachten. Es ist der bislang gravierendste Fall einer offenen Drogenszene im Bereich des Polizeipräsidiums, nur in Baden-Baden sei man einmal vor einer ähnlichen Situation gestanden, sagt Patrick Bergmann, Pressesprecher des Präsidiums. Ob das Problem in Offenburg mit dem vier Wochen dauernden Sondereinsatz ausgestanden ist, da ist man sich bei der Polizei nicht ganz sicher – es seien bereits erste Verdrängungseffekte beispielsweise zu beobachten, sagt Polizeioberrat Peter Dieterle, Chef des Offenburger Reviers. Seine Beamten werden weiter Präsenz zeigen.

Auch der Bahnhof als Brennpunkt

Die Entwicklung im Pfählerpark kommt nicht völlig überraschend. Seit Jahren gibt es Probleme im nur wenige hundert Meter entfernten Franz-Volk-Park, nach regelmäßigen und teilweise von handfesten Auseinandersetzungen begleiteten Kontrollen hatte sich die Szene dann nach und nach verlagert. Dazu kommt: Auch der benachbarte Offenburger Bahnhof strahlt längst nicht mehr die kleinstädtische Beschaulichkeit vergangener Jahrzehnte aus, Prügeleien, Alkoholexzesse, Angriffe auf Polizeibeamte und Fälle von sexueller Belästigung sind inzwischen auch hier an der Tagesordnung.

Polizei hat schweren Stand

Das setzte sich im Pfählerpark, quasi auf der anderen Straßenseite gelegen, jetzt nahtlos fort. Auch hier haben die Beamten einen schweren Stand: „Je nachdem ist nicht immer Einsicht da, wenn die Polizei kommt“, sagt Dieterle zurückhaltend, die eingesetzten Beamten sähen sich hoher Aggressivität gegenüber: „Wir stören da massiv“. Zumal die Polizisten es nicht bei mahnenden Worten beließen. Wer beim wiederholten Dealen erwischt wurde oder gar an Minderjährige verkaufte, der wanderte in der Regel in Untersuchungshaft.

Massive Beschwerden von Anwohnern

Die Polizei war, gemeinsam mit der Stadt Offenburg, auf Drängen von Anwohnern tätig geworden. Man habe „sehr fundierte“ Beschwerden über die Zustände in dem Park bekommen, über Drogenabhängige, über Saufgelage, massive Aggressionen der Menschen im Park auch untereinander, über das öffentliche Verrichten der Notdurft: „Nicht immer, wenn Sie das irgendwo reingetreten sind, war das zwingend ein Hund’“. Zudem sei es zu Ruhestörungen bis spät in die Nacht gekommen, teilweise auch zu „heftigen Körperverletzungsdelikten“.

Dealer aus Zentralafrika

Die Polizei spricht vom „Ameisenhandel“ mit Drogen. Endkonsumenten seien meist Deutsche gewesen, für die Verteilung hätten auffällig viele Menschen aus Zentralafrika gesorgt. Nicht alle hatten ihren Wohnsitz in Offenburg, viele seien aus anderen Gemeinden angereist – der Bahnhof liegt ja nur einen Katzensprung entfernt. Es ging bis in die Nacht: „Wenn die Hitze das öffentliche Leben in Offenburg erlahmen ließ, im Park war das nicht so“, sagt Dieterle. Die Polizei reagierte, erklärte den Bereich zum Kriminalitätsschwerpunkt, was auch Personenkontrollen ohne konkreten Anlass möglich machte.

Dickster Fisch ein Deutscher

Das Ergebnis laut der am Freitag in Offenburg vorgelegten Zwischenbilanz: 65 Menschen fielen wegen Drogendelikten auf, darunter 34 Deutsche, in der Regel als Konsumenten, dazu allein 22 Gambier. Der dickste Fisch auf der Seite der Dealer war allerdings wieder ein Deutscher: Bei ihm wurden gleich kiloweise Drogen gefunden. Ein Zwischenhändler, wie die Polizei vermutet. Dies ist die Bilanz regelmäßiger Streifen uniformierter und ziviler Beamter sowie einer Großkontrolle, bei der auch Kräfte der Bereitschaftspolizei im Einsatz waren.

„Angereiste“ Dealer verdrängt

Die Polizei habe schnell und effektiv regiert, so Dieterles Bilanz, ein wenig erstaunt war man, dass es durchaus seine Zeit dauerte, bis die Maßnahmen auch Wirkung entfalteten und beispielsweise die „angereisten“ Dealer nach und nach wegblieben. Inzwischen würden weniger Menschen mit zentralafrikanischen Wurzeln und Wohnsitzen in anderem Städten und Gemeinden angetroffen.
Ausgestanden ist die Angelegenheit vermutlich nicht: Inzwischen sei teilweise eine „Verlagerung in andere Parkbereiche der Stadt Offenburg festzustellen“, so die Polizei, die namentlich den Offenburger Bürgerpark nennt. Zudem sähen sich die Beamten bei ihren Kontrollen einer immer weiter wachsenden Aggressivität gegenüber.