Vorfahrt für Elektrofahrzeuge? Im Zuge des Masterplans erwägt die Stadt Achern die Einrichtung von Stellplätzen für E-Autos im Innenstadtbereich. | Foto: dpa

E-Mobilität in Achern

Mehr Strom im Verkehrsstrom

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Der Zulassungsbezirk Ortenaukreis ist, sicher auch aufgrund seiner Bevölkerungsgröße, Spitzenreiter hinsichtlich der Neuzulassungen reiner Elektroautos im Regierungspräsidium Freiburg. In welcher Weise auch die Stadt Achern ihren Beitrag zur Umstellung auf die Mobilität der Zukunft leistet und ob sich Aussagen über eine gesteigerte Nachfrage nach alternativen Verkehrsmitteln treffen lassen, danach hat sich der ABB erkundigt.

Die E-Mobilität ist – trotz aller Kritik um Lithium-Abbau, der Angst um Arbeitsplätze und der Infragestellung der CO2-Bilanz – in Deutschland auf dem Vormarsch. Neben dem Elektromobilitätsgesetz, der Ladesäulenverordnung und den Förderprogrammen des Bundeswirtschafts-, Verkehrs-, Umwelt- und Bildungsministeriums wird nicht nur auf Bundes- sondern auch auf Landesebene an Fortschrittlicher Fortbewegung gearbeitet – etwa durch die „Landesinitiative III Marktwachstum Elektromobilität BW“.

Mehr E-Autos verkauft

Für Deutschland hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) zum Januar 2019 einen Bestand von 83 175 Elektroautos festgestellt, das entspricht zwar lediglich 0,18 Prozent des gesamten Bestands, aber einer prozentualen Steigerung von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Ortenaukreis verzeichnet das KBA in diesem Jahr 492 E-Autos, was einem Anstieg um 65 Prozent gegenüber 2018 entspricht. Eine genaue Zahl für Achern steht zwar nicht zur Verfügung, ein Indiz für die gesteigerte Nachfrage liefern aber die Verkaufszahlen des Autohauses Tabor, das laut Mit-Geschäftsführer Florian Tabor allein „im Zeitraum von Januar bis Mai 2019 einen Anstieg von 60 Prozent“ im Verkauf von E-Autos gegenüber dem Vorjahr verzeichnen konnte, obwohl die „verkaufsstarken Monate“ da noch gar nicht eingerechnet seien.

Wir verkaufen so gut wie keine anderen Fahrräder mehr

Anteil von Elektrofahrrädern steigt

Andere Anzeichen für die Bereitschaft zum Umsatteln auf Elektrofahrzeuge finden sich im Fahrradverkauf. Fahrradhändler Thomas Rest sieht einen klar anhaltenden Trend zum Elektrofahrrad, was auch daran liege, dass viele Arbeitnehmer das firmeneigene Leasing-Angebot wahrnehmen. Diese Einschätzung wird auch von Zweirad Bross in Sasbach bestätigt, auch bei Zweirad Merkel in Mösbach verkaufe man „so gut wie keine anderen Fahrräder mehr“. Thomas Rest zufolge haben auch die Hersteller diesen Trend erkannt, was sich an einem wesentlich größeren Angebot ablesen lasse. Zwar verkaufe Rest noch mehr unmotorisierte Räder, ziehe man aber die Jugend- und Kinderräder ab, schätzt Rest, hielte es sich im Erwachsenenbereich vermutlich schon die Waage. „Ich bin sicher, dass im nächsten Jahr die Nachfrage noch mehr steigen wird und man auch mehr E-Scooter auf den Straßen sehen wird“, sagt Rest und schließt nachdrücklich den Hinweis an: Wird ein Fahrrad beziehungsweise ein Pedelec per Motor zum E-Bike aufgerüstet, wird es zum Kraftfahrzeug, dass dementsprechend auch vom TÜV abgenommen werden muss. Das gilt bekanntermaßen auch für den E-Scooter.

„In Kooperation mit dem EW Mittelbaden ist eine Anlage für zwei Stellplätze geplant“

Ladesäulen und Parkplätze

Mit der Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen steigt auch die Nachfrage nach Ladestationen und E-Tankstellen. In Achern gibt es derzeit nur eine Hochleistungsladestation für Tesla-Fahrzeuge bei der Eurorastanlage. Mit der Bebauung des Süwag-Geländes ist eine der Universal-Ladesäulen weggefallen. Die Stadt Achern plane jedoch, „im Rahmen des Masterplans und der Verkehrskonzeption Parkplätze und Stellflächen im Innenstadtbereich auf ihre Eignung zur Einrichtung von E-Ladesäulen“ zu untersuchen. „Im Bereich des Parkplatzes in der Wilhelm-Schechter-Straße“, so die Auskunft der Stadtverwaltung, „wird derzeit in Kooperation mit dem EW Mittelbaden eine Anlage für zwei Stellplätze geplant“. Nach einem positiven Förderbescheid, der für September erwartet wird, könne mit dem Bau begonnen werden. Darüber hinaus sei „die Schaffung einer Ladeinfrastruktur“ in den Tiefgaragen des IT-Campus’, dessen Errichtung der Gemeinderat vor Kurzem grünes Licht gab, vorgesehen.

Nur Langsamladesäulen können in das ’normale‘ Niederspannungsnetz integriert werden

Schnellladesäulen auf Durchfahrtsstrecken

Auf die Frage, welche der Vielzahl von Methoden zur Aufladung die Stadtverwaltung wählen wird – Wechsel- oder Gleichstrom? Normal- oder Schnellladen? Welche Ladebetriebsart? – und welche Bezahlmethode ein möglichst inklusives Angebot gewährleiste, gibt die Stadt folgendes zu Bedenken: Während Langsamladesäulen in das „normale“ Niederspannungsnetz integriert werden könnten, müssten Schnellladesäulen meist über eigene Trafostationen versorgt werden. Auf Dauerparkplätzen böten sich Langsamladesäulen an, auf Durchfahrtsstrecken empfehlen sich Schnell- oder Ultraschnellladesäulen mit bis zu 180 Kilowatt Leistung.

Achern soll als Einkaufsstadt attraktiv bleiben

Solche sollen in der Wilhelm-Schechter-Straße eingerichtet werden und Akkumulatoren innerhalb von zwei bis drei Stunden aufladen, „um Achern als Einkaufsstadt für Kunden aus dem Umland attraktiv zu machen“. Arbeitnehmer mit kürzeren Anfahrtswegen, davon geht die Stadt aus, werden ihr Fahrzeug „vermutlich primär zu Hause mit verbilligtem Strom aufladen“ und seien somit nur in Ausnahmefällen im Kernstadtbereich auf Ladesäulen angewiesen.

Die großen Energieversorger arbeiten an einheitlichen Bezahlsystemen

Bequeme Bezahlung

Kostenlos anbieten könne die Stadt den Strom nicht, da es sich bei reger Nutzung nicht mehr um Kleinstmengen handle. Bezahlsysteme seien „in Deutschland derzeit noch von Stadt zu Stadt und Anbieter zu Anbieter verschieden.“ Die „großen Energieversorger“ arbeiteten aber daran, diese auf „wenige gängige Systeme zu konzentrieren“, um Nutzern eine schnelle Bezahlung per Smartphone oder Kreditkarte zu ermöglichen. Die in Kooperation mit dem EW Mittelbaden errichteten Säulen könne man nach erstmaliger Anmeldung bequem per QR-Code aktivieren.