Klaus Graf vom SWR (rechts) und Rainer Trabert als ehemaliger Hauselektriker der früheren Wagner-Kliniken helfen mit, aus dem stillgelegten Gebäude eine Schönheitsklinik für Dreharbeiten zu einem Tatort zu machen. | Foto: Michaela Gabriel

Dreharbeiten in Sasbachwalden

Ehemalige Kurklinik wird zum „Tatort“

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„Kliniken Dr. Wagner dauerhaft geschlossen” ist im Internet zu lesen. Seit einigen Tagen ist aber wieder Leben in den Räumen. Der Grund: Der SWR will hier in der kommenden Woche einen „Tatort” für die ARD drehen. Dafür wird aus der ehemaligen Kurklinik eine Schönheitsklinik auf Zeit.

Moderne Sitzgruppen und Prospektständer stehen im Eingangsbereich. Auf einem Werbeaufsteller mit dem erfundenen Namen „Pavomed” für eine Klinik für plastische Chirurgie steht ein Slogan, der zu den laufenden Arbeiten passt: „Perfektion liegt im schönen Detail”. Auf dem Empfangstresen wurden Schönheitsprodukte aufgereiht.
Szenenbildnerin Julia Maria Baumann ist noch nicht zufrieden: Einige der Grünpflanzen müssen wieder weg. Auch die Vasen, Lampen und Papierkörbe, die auf dem Boden verteilt sind, sollen bis zum Drehstart am Dienstag noch einen anderen Platz finden.

Möbel werden ausgetauscht

„Es fehlt eine Halterung!” Diese Nachricht hat der Leiter der Montagearbeiten, Klaus Graf, für Außenrequisiteur Markus Lorenz. Also wird er nochmal losfahren, um in Achern eine Halterung für eine seiner Requisiten zu besorgen. Vorher nimmt er sich Zeit zu erklären, was rund 15 Mitarbeiter des SWR in Baden-Baden und einige Dienstleister in Sasbachwalden tun. „Zuerst wurden alle vorhandenen Möbel in Zimmer geräumt, die nicht für die Dreharbeiten gebraucht werden.” Dann seien Möbel aus dem Fundus des SWR in Baden-Baden angeliefert worden.

Neue Böden und Wandfarben

Das Foyer, ein Flur und die Cafeteria wurden nach den Vorgaben „Schönheitsklinik” eingerichtet: Sessel und Stühle zum Warten, moderne Wandlampen und Wandbilder bis hin zu Requisiten wie Arztkittel und Wasserspender. Aus einem ehemaligen Chefbüro wurde ein Arztzimmer mit Regalen voller medizinischer Bücher und einer Untersuchungsliege. Aus einem ehemaligen Therapieraum entsteht ein Patientenzimmer. Dafür mussten die SWR-Handwerker zuerst einen alten Teppichboden entfernen und eine neuen Bodenbelag verlegen. Auch das Streichen von Wänden gehört zu ihren Aufgaben.

Die Optik muss stimmen für die Dreharbeiten zum Tatort. Aus den ehemaligen Wagner-Kliniken machen Außenrequisiteur Markus Lorenz (rechts) und zahlreiche Handwerker eine Schönheitsklinik auf Zeit. | Foto: Michaela Gabriel

Elektriker aus Klinik-Zeiten hilft

„Kalt ist es hier und in den vielen langen Gängen und Zimmer kann man sich verlaufen”, sagt der Leiter der Montagearbeiten, Klaus Graf. Jeder Raum, der umgestaltet werde, halte andere Überraschungen bereit. Da sei es Gold wert, dass es einen Elektriker gebe, der die Wagner-Kliniken noch im Betrieb erlebte.
„Das war früher ein Ameisenhaufen hier”, erzählt Elektromeister Rainer Trabert. Er ist heute Auftragsleiter für die Acherner Niederlassung eines elektrotechnischen Dienstleisters und kam gern zurück an seinen früheren Wirkungsort. Für den SWR klemmt er Lampen ab, setzt Steckdosen wieder unter Strom, sorgt für eine Außenbeleuchtung und löst so viele Detailfragen in dem für die Filmleute fremden Gebäude.

Ehemaliger Geschäftsführer zu Besuch

Und noch einer nutzte das rege Treiben in der Klinik, um zurückzukehren. Wolfgang Wagner, der 27 Jahre Geschäftsführer der Wagner-Kliniken bis zur Insolvenz 1997 war, stattete dem Drehort einen Besuch ab. „Er hat die Räume seit langer Zeit zum ersten Mal wieder gesehen und war sehr bewegt”, berichtet Requisiteur Markus Lorenz.

Sasbachwalden selbst soll in dem „Tatort Schwarzwald” für die ARD übrigens keine Rolle spielen. Vielmehr ist Elzach im Landkreis Emmendingen im Krimi der Ort des Geschehens. Weitere Drehorte sind das derzeit saisonbedingt geschlossene Hotel Brandbach in Sasbachwalden und ein leer stehendes Haus in Bühlertal.

 

Von unserer Mitarbeiterin Michaela Gabriel