Ein Schuhkarton für den Startrainer: von links Dieter Habich, Franz Brennsteiner und Stelian Moculescu. | Foto: Thomas Steuerer

Hexenkessel Schwarzwaldhalle

Ein Startrainer und sein Schuhkarton

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Seit zehn Jahren wirken die Volleyballer des TV Bühl in der Bundesliga mit. In loser Folge beleuchtet die BNN/ABB-Sportredaktion wichtige Ereignisse und Personen, die diese Dekade geprägt haben. In diesem Teil der Serie geht es um den legendären „Hexenkessel“ Schwarzwaldhalle – den berühmten „Schuhkarton“.

Franz Brennsteiner, viele Jahre Edelfan bei den Bisons, erinnert sich noch gut an die Sache mit dem Schuhkarton. Es war das Spiel am Samstag, 8. Oktober 2011 in Friedrichshafen. Die Bühler Bundesliga-Volleyballer hatten mit 0:3 (20:25, 22:25, 19:25) beim Top-Team vom Bodensee verloren, und der damalige Trommler der Baden Rockets plauderte im Anschluss noch mit Stelian Moculescu.

Hexenkessel, Festung, Schuhkarton

Der Häfler Startrainer klagte ein wenig angesichts der kleinen, engen Schwarzwaldhalle in Bühl und bezeichnete das, was für den TVB der berühmte „Hexenkessel“, die „Festung“ darstellte, als „Schuhkarton“. Brennsteiner nahm es Moculescu nicht übel („Der ist echt nett!“), aber ein bisschen „Rache“ sollte dann doch sein. So gab es für den Mann, der mit dem VfB 2007 das Triple machte (Meisterschaft, Pokal und Champions-League-Titel), beim Rückspiel am 29. Dezember 2011 eine Überraschung – einen echten Schuhkarton als Präsent mit passender Aufschrift, gefüllt mit zwei guten Flaschen Affentaler Rebensafts.

Originelles Weinpräsent für den Startrainer

„Ich wusste ja, dass Moculesu Wein mag“, erinnert sich Brennsteiner. Zusammen mit Dieter Habich, damals Hallensprecher und heute Chef der Baden Rockets, überreichte Brennsteiner die Trophäe an Moculescu, der in der Runde 2011/12 den Titel den Berlin Volleys überlassen musste. Vizemeister wurde Unterhaching. Ein denkbar schlechtes Jahr also für den „FC Bayern München“ der Volleyball-Bundesliga. Nur am Rande sei bemerkt, der TV Bühl verlor die Begegnung Ende 2011 dann überdeutlich mit 0:3 (14:25, 18:25, 15:25).

Gegen Gotha in der Schwarzwaldhalle – schon mit Ruben Wolochin. | Foto: Thomas Steuerer

Die Schwarzwaldhalle in Bühl: Es handelt sich um eine Dreifeld-Sporthalle mit ausfahrbarer Tribüne. Ein nüchterner Zweckbau aus Fertigteilen, der 1973/74 zusammen mit dem benachbarten Hallenbad entstand. Ein Kind seiner Zeit. Auch Günter Dußmann erinnert sich gut an den bisweilen bis zur Belastungsgrenze gefüllten „Hexenkessel“. „Wir haben mehrfach die Halle vorzeitig geschlossen, weil der Andrang so groß war“, berichtet der Bühler Stadtbrandmeister. Das sei für die betroffenen Zuschauer ärgerlich gewesen – besonders wenn sie eine längere Anreise hinter sich hatten.

Manche belegten bereits um 18.30 Uhr die Plätze

Dußmann ist längst zum Volleyballfan geworden und zeichnet sich heute noch mit seinen Kollegen für Brandwache bei den Spielen der Bundesliga-Volleyballer des TVB verantwortlich. Dem Feuerwehrchef sind noch viele Schlachten präsent, die das Bühler Team in der Schwarzwaldhalle geschlagen hat, er erinnert sich an Triumphe wie an Niederlagen.

Einzigartige Atmosphäre

Die Atmosphäre sei einzigartig gewesen. Ein großer Teil der Zuschauer sei ja gestanden, sehr viele auf der Tribüne. Damals mussten die Fans zeitig in der Halle sein, um einen Platz zu bekommen. „Manche waren um 18.30 Uhr schon da und haben mit ihrer Jacke einen Sitzplatz belegt“, so Dußmann. Das sei fast schon so gewesen wie mit den Handtüchern auf den Liegen in spanischen Hotelanlagen.

Legendäre Partie gegen Rottenburg

In bester Erinnerung ist beim Bühler Feuerwehrchef die legendäre Partie gegen den schwäbischen Rivalen TV Rottenburg mit seinem Kulttrainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Die Bühler lagen am 27. Oktober 2010 bereits 0:2 zurück, der TVR hatte den dritten Satz und damit das Spiel eigentlich in der Tasche. „Wir hatten schon die Ausgänge geöffnet“, erinnert sich Dußmann.

Der Pfarrer und der „Beistand von oben“

Dann betrat der Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler die Halle, der TVB gewann den dritten Durchgang und zwang die Rottenburger in den Entscheidungssatz. Am Ende hieß es 3:2 (27:29, 23:25, 28:26, 25:19, 15:7) für den TV Bühl. Zweieinhalb Stunden dauerte diese Schlacht, im Tiebreak hatten sich die Schwaben dann aufgegeben. Zwölf Minuten benötigte die damals von Lukas Mark gecoachte Bühler Equipe, um den TVR mit 15:7 abzufertigen.

Team mit Bühler Gesichtern

Eine Mannschaft, die mit Benjamin Dollhofer, Valters Lagzdins und Jonas Hemlein „Bühler Gesichter“ in ihren Reihen hatte. Natürlich berichtete diese Zeitung über das „Wunder von Bühl“ und zitierte den Pfarrer mit den Worten: „Ich habe irgendwie gespürt, dass ich gebraucht werde.“ Nur, um es noch einmal zu verdeutlichen: Rottenburg führte 2:0 und hatte im dritten Satz mit 24:19 die Nase eindeutig vorn.

Wir hatten das Spiel schon abgehakt

Die Bühler, bei denen David Molnar die Position des Liberos bekleidete, bei denen zudem Heriberto Quero, Vladimir Rakic und Herman Engala spielten, wehrten in der Folge fünf Matchbälle ab und drehten die Partie komplett. Selbst altgediente Volleyball-Anhänger fanden dafür nur Vokabeln wie „unfassbar“. Auch Dieter Habich, Boss der Baden Rockets und bei den Spielen an der großen Trommel aktiv, erinnert sich gut an die Schlacht. „Der Fanclub war ziemlich angefressen. Wir hatten das Spiel schon abgehakt.“ Dann die sensationelle Wende, und seither ist für die Rockets eine Begegnung bei 0:2-Rücklage noch lange nicht durch – siehe Herrsching zum Auftakt der Runde 2018/19 und zuletzt am zweiten März mal wieder Rottenburg.

Proppevoll und enorm laut ein echter Hexenkessel war die Schwarzwaldhalle. | Foto: Thomas Steuerer

Cheftrommler Habich wurde im „Hexenkessel“ sogar mal mit einer Geldstrafe belegt. Es sei im Spiel gegen Moers gewesen. „Unser Platz und die Trainerbank waren ja nicht mal drei Meter auseinander. Ich habe getrommelt und dann die linke Faust nach oben gereckt. Das hat der Moerser Coach als Bedrohung empfunden.“ Alle Schlichtungsversuche halfen nicht, Habich musste um die 700 Euro blechen. Natürlich nutzten die Bühler ihren Heimvorteil, „die Taktik war, den Ball mit Effet so zu schlagen, dass er vom gegnerischen Block direkt ins Seitenaus springt“, so Habich, da sei dann nichts mehr zu holen gewesen.

Die „Wuchterliste“

Und es gibt noch jede Menge weitere Geschichten, so die von einem Friedrichshafener Gastspieler, der die Bälle beim Sprungaufschlag so hoch anwarf, dass sie an die Decke gingen. Oder die Wuchterliste, von der Habich – viele Jahre selbst Trainer – schmunzelnd berichtet: Da ging es darum, so zu schmettern, dass der Ball vom Boden an die Decke sprang. Und die Akustik: „Es war unheimlich laut, und dazu haben wir noch getrommelt“, so Habich über die Halle weiter.

Für Hexenkessel-Atmosphäre sorgten die Trommler | Foto: Thomas Steuerer

Seine besonderen Qualitäten habe der „familiäre“ VIP-Bereich gehabt. Und oft wurde an der Bar im Foyer nach dem Spiel noch ein paar Stunden gefeiert. Das Schwarzwaldhallen-Finale fand am 25. Februar 2012 statt. Der Gegner hieß Generali Haching (heute Alpenvolleys) und die Badener bezwangen die Bayern mit 3:1 (25:23, 25:21, 17:25, 26:24). Die Unterhachinger waren dann der erste Gegner des TVB in der Großsporthalle, der aktuellen Spielstätte der Bisons. Am 17. Oktober 2012 gewannen die Gäste 3:0, und die Schwarzwaldhalle als Erstliga-Heimspielort der Bühler war damit passé.