Saftige Ernte: Jörg Huber und Vater Helmut bei der Sortierung vor einer ihrer Anbauflächen in Önsbach. | Foto: pf

Landwirtschaft in Önsbach

Einblicke ins Erbeerbusiness: Klimawandel, Erntehelfer, Biokultur

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Nicht nur Trumps Amerika fürchtet Chinas Wirtschaftsmacht, auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warnte beim Parteitag im April vor der Gefahr für die deutsche Landwirtschaft. Den Fokus richtete er dabei auf den Spargelanbau, welcher vom„Spiegel“ für die Ausnutzung ausländischer Erntehelfer kritisiert wurde. Zum Leidwesen der Landwirte werden diese in Deutschland immer weniger. Nun ist nicht nur Spargel- sondern auch Erdbeersaison. Was läge für den ABB also näher, als mit einem Spargel- und Erdbeerhändler aus der Region über die landwirtschaftliche Entwicklung zu sprechen?

Clery, Lambada, Allegro, Malwina. Keine Vornamen von zweifelhafter Mode, sondern Erdbeersorten, die im langjährigen Familienunternehmen Huber über die Theke des hauseigenen Hofladens wandern. Der 61-jährige Helmut Huber und sein 32-jähriger Sohn Jörg leiten Laden und Landwirtschaft. Obwohl sie selbst keinen Spargel anbauen, sondern vornehmlich Erdbeeren, Himbeeren und Steinobst, können sie als Spargelverkäufer den Rückgang der deutschen Produktion bestätigen.

„Heizspargel“

Spargel werde auch immer früher geerntet, sagt Helmut Huber, und die hohen Kosten für den oft künstlich gewärmten „Heizspargel“ mögen manche Landwirte abschrecken. Auch im Erdbeeranbau sind Flächen- und Händlerverluste zu verzeichnen. Auch im Erdbeeranbau sind Flächen- und Händlerverluste zu verzeichnen. Das liege vor allem an den billigen Discounterpreisen, die bisweilen weit unter den Erzeugungskosten lägen.

Je mehr Masse, desto weniger Geschmack

Großunternehmen bestimmen Markt

Der Markt sei zunehmend durch Großunternehmen bestimmt, die Dorfläden und kleine Betriebe dezimiert hätten. Der Hofladen stütze sich auf Leute, die bereit seien, für mehr Geschmack „auch mal fünf Kilometer Umweg zu fahren“, so Huber senior. „Je mehr Masse, desto weniger Geschmack“, ergänzt Sohn Jörg mit Blick auf die Billigangebote der Konkurrenz. Im Hofladen kann nicht nur „tagesfrisch“ verkauft werden, auch die nicht supermarktpassabel geformte B-Ware gehe gut. „Im Mixer schmeckt das wie Klasse eins“, so Helmut Huber.

Klimawandel: Frost bedroht Ernte

Auch das Klima stellt die Agrarwirtschaft vor immer größere Herausforderungen. Es gebe keine „Kontinuität“ mehr, sagt Jörg Huber, „letztes Jahr hätte es ohne zusätzliche Bewässerung eine Missernte gegeben“. Während der vergangene Sommer sehr trocken war, hatte man dieses Jahr eher mit Frost und Niederschlag zu kämpfen.

Pflanzenschutzmittel ist sehr teuer, schon deshalb benutzen wir möglichst wenig

Nachhaltiger Anbau

Die Hubers sind um eine nachhaltige Anbaufläche bemüht, und „weil Früchte so schmecken wie der Boden“, beuge man Schäden mit Strohunterlagen, frischem Humus, Fruchtwechsel und dem Austausch von Anbauflächen unter Kollegen natürlich vor. Bio ist das trotzdem nicht. Obwohl in Önsbach Pflanzenschutzmittel und Insektizide allein aus Qualitätsanspruch so wenig wie möglich eingesetzt werden. „Pflanzenschutzmittel ist auch sehr teuer, schon deshalb benutzen wir möglichst wenig“.

Bio ist auch ein Handel mit Emotionen

„Bio“ bedeute nicht gleich „gut“

Das Prädikat „Bio“ bedeute aber auch nicht gleich „gut“. Die Ökobilanz einer mit Plastik ummantelten Biofläche, an die keine Insekten mehr gelangten, schenke sich gegenüber konventionellen Flächen wohl nicht viel, vermutet Huber senior. Bio sei auch eine Lobby, hier würde auch Handel mit Emotionen und Vorstellungen betrieben, sind sich Vater und Sohn einig.

Zweifel an Subventionen

Noch etwas, von dem man als Laie wohl überzeugt ist, ziehen die Hubers in Zweifel: Fördergelder. Dadurch, dass diese allen Bauern zur Verfügung stünden, würden die Marktpreise so gedrückt, dass der Förderbetrag für viele Bauern gerade ihrem Gewinn entspreche. Man komme also „auf Null raus“, deshalb überlegten sich die Hubers zweimal, ob sie die Auflagen erfüllen sollen, die mit der Subvention verbunden sind, als Agrarbetrieb müsse man über jedes Detail Auskunft geben. „Man wird da komplett durchleuchtet“, schüttelt Helmut Huber den Kopf.

Die Frage beim Mindestlohn ist, ob die Kunden bereit wären, fünf Euro pro Schachtel zu zahlen

„Traumhafte Löhne“

Der Mangel an ausländischen Erntehelfern bereitet den Hubers keine Probleme – wenn etwas problematisch sei, dann der abnehmende landwirtschaftliche Sachverstand: Rauchen in Heuhaufen-Nähe? Nicht die beste Idee. Die Erdbeerbauern brauchen nur etwa 20 bis 30 Helfer, und die meist aus Polen oder Rumänien stammenden Hausfrauen seien froh über die Arbeit und den Lohn, der den heimischen etwa ums drei- oder vierfache übersteige. Sollte diese in den betreffenden Ländern als „traumhaft“ empfundene Vergütung auf zwölf Euro angehoben werden, sind sich die Hubers nicht mehr sicher, ob die deutschen Kunden – regional, nachhaltig, frisch hin oder her – bereit wären, etwa fünf Euro für die 500-Gramm-Schachtel Erdbeeren zu zahlen.