Nicht völlig neu ist die Debatte über den Vandalismus in Achern. Im Bild die 2011 zerstörte Antoniusstatue in Oberachern. Ein Vorfall, der seinerzeit für Empörung sorgte.
Nicht völlig neu ist die Debatte über den Vandalismus in Achern. Im Bild die 2011 zerstörte Antoniusstatue in Oberachern. Ein Vorfall, der seinerzeit für Empörung sorgte. | Foto: mg/Archiv

Vandalismus in Achern

Eine Bürgerwehr will niemand haben

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Anlass zu sehr grundsätzlichen Betrachtungen gab der jüngste Fall von Vandalismus in Oberachern in der Sitzung des Acherner Gemeinderats am Montagabend. Dabei wurde deutlich, was man schon vor Beginn der Debatte wusste: die Kommunen sehen sich hier vor einer Herausforderung, auf die es keine einfache Antwort gibt. Und auch die Möglichkeiten des kommunalen Ordnungsdienstes sind begrenzt. „Das trifft uns alle“, warnte Oberbürgermeister Klaus Muttach, der das Problem in der grundsätzlichen Haltung einiger Menschen sah – unabhängig von Alter und sozialer Herkunft.

Extrem ärgerlich und demotivierend.

Dies beginne damit, wenn man Abfall aus dem Autofenster werfe und ende noch lange nicht bei der Beschimpfung von Politikern und dem verächtlich Machen anderer Menschen. Muttach machte aber auch deutlich: Die Vorfälle gerade am Lehrbienenstand seien „extrem ärgerlich und demotivierend“. Doch Prävention und das Verfolgen von Straftaten seien Aufgabe der Polizei.

Zusammenarbeit mit Bürgern

Damit reagierte der Oberbürgermeister auf eine Anregung der CDU-Fraktion, dass eine städtische Dienststelle „Meldungen von aufmerksamen Bürgern“ aufnimmt und an die Polizei weiterleitet, und Vorgehensweisen abstimmen solle. Thomas Kohler (FW) brachte es noch deutlicher auf den Punkt: „Wir sind für Zivilcourage, aber entschieden gegen jede Idee, eine Art Bürgerwehr zu installieren, dass Leute anfangen, andere zu überwachen“.

Fälle von Vandalismus

Auf den Tisch gebracht hatte das Thema – nicht zum ersten Mal – Bernhard Keller für die CDU-Fraktion. Er präsentierte einen ganzen Fragenkatalog an die Verwaltung, ausgehend von der neuerlichen Zerstörung des Lehrbienenstands (der ABB berichtete ausführlich) sowie weiteren Fällen von Vandalismus, die sich offenbar nicht zuletzt in Oberachern konzentrieren. „Das sind nicht nur Oberacherner, die kommen von überallher“, mutmaßte Keller zur Identität der Täter, man treffe sich halt in Oberachern weil dies ein attraktives Naherholungsgebiet sei.

Thema für Jugendgemeinderat?

Doch um die Erholung allein geht es wohl nicht – immer wieder beklagte der Heimat- und Verschönerungsverein Vandalismus oder, wie Keller am Montagabend beklagte, umgeworfene Bänke, Müll und menschliche Exkremente sowie ganze Felder von Glasscherben an Stellen, wo andere wieder feiern wollen. Teilweise seien auch Jugendliche an den Ausschreitungen beteiligt – ob dies nicht, auch Thema für den Jugendgemeinderat sei? Keller forderte die Debatte des Themas im Gemeinderat. Dabei sei auch darüber zu sprechen, welche Erfahrungen Stadt und Ortsteile hätten und welche Rolle und Kompetenzen dem kommunalen Vollzugsdienst zufallen würden.

Welche Rolle spielt Alkohol?

Ein heikles Thema dabei: Welche Rolle spielt der Alkohol? Das Thema wird die Kommunen angesichts der Liberalisierung des nächtlichen Verkaufsverbots ohnedies vermutlich bald wieder beschäftigen (der ABB berichtete). „Wir können“, so Oberbürgermeister Muttach im Blick nicht zuletzt auch auf den Stadtgarten, „gerne im Gemeinderat wieder über ein Alkoholverbot sprechen“. Dabei müsse aber eines klar sein: „Das gilt dann für jeden“. Zudem habe er den Eindruck, dass es in der Stadt hier keine besonderen Schwerpunkte gebe, das Thema sei eher flächendeckend zu betrachten.