SKANDINAVIEN IN SÜDBADEN: Der Europa-Park hat mit der Wasserwelt Rulantica etwas Einmaliges geschaffen. | Foto: EP

Eintauchen in eine Märchenwelt

Familientrip nach „Rulantica“: Wie ist die neue Wasserwelt am Europa-Park?

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Ein Indoor-Wasserpark mit passendem Themenhotel – das ist weltweit einmalig und zu erleben in Rust. Der Europa-Park hat eingeladen, Rulantica samt Museumshotel Krønasår ausgiebig zu testen. BNN-Redakteur Dirk Neubauer, seine Frau Marina und die Kinder Jacqueline (15), Tim (12) sowie Yannick (12) waren dabei.

Diese Märchenwelt macht erst einmal alle sprachlos: Wellen treffen auf schroffe Felsen, Schiffswracks stranden am Rande eines Kiefernwäldchens, mächtige Stalaktiten baumeln von der Decke. Dann ruft Jacqueline. „Schaut mal, da hinten schwimmt Aquina auf einem riesigen Bildschirm zwischen den Felsen!“ Unsere Bücher-begeisterte Tochter hat bereits einige Seiten des Romans Rulantica gelesen, kennt daher das Meermädchen und die anderen Figuren, die in dieser skandinavischen Wasserwelt spielen. „Und dort ist Snorri“, das Tintenfisch-Maskottchen, sagt Marina.

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MACHTEN DEN BÄDER-TEST und berichten von ihren subjektiven Eindrücken (von links): Dirk Neubauer, seine Frau Marina mit den Kindern Jacqueline, Tim und Yannick. | Foto: Frei

Die Jungs wollen aber erst mal zu den Rutschen – und suchen sich mit der Vinter Rytt gleich eine der Heftigsten aus. „Nichts für mich“, protestiert Marina. Alle anderen stürmen die Stufen hoch.

Yannick, ohnehin technikbegeistert, ist perplex: Die Vierer-Reifen werden mit einem Fahrstuhl nach oben transportiert. So etwas hat er noch nie in einem Bad gesehen. Also: einsteigen, festhalten – und rein in die Röhre. Verdammt steil geht es abwärts. Zu spät! Schon sind wir oben an der Steilwand, die Teil eines Gletscherbergs ist. Alle kreischen. Kurz sind wir schwerelos. Die Mitarbeiterin unten, die die Reifen einsammelt, dürfte wohl den ganzen Tag über nur glückliche Gesichter sehen.

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Rulantica bietet 17 Rutschen

Bewusst nur 1 400 Gäste sind an diesem Samstag gleichzeitig im Bad, erzählt uns später Rulantica-Leiter Kevin Kruschwitz. Erst einmal sollen Erfahrungen gesammelt werden. Später, nach der Eröffnungsphase, sollen es bis zu 3 500 auf einmal sein.

WER FÜRCHTET DA SCHON DIE SCHLANGE? Die Steilwandrutsche Vinter Rytt im Wasserpark Rulantica ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Vier Personen gleichzeitig gleiten in einem Reifen eine Wand hoch – einen Moment spüren sie die Schwerelosigkeit. | Foto: EP

Bei der nächste Rutsche, eine von insgesamt 17, fährt Marina mit. Sie windet sich um die böse Schlange Svalgur, die im Gletscherberg eingefroren ist. Marina findet’s gemütlich. Eine Rutsche nach ihrem Geschmack.

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Die vielen Felsen schlucken den Schall

In der muschelförmigen Badewelt ist es überraschend ruhig. Die vielen Felsen und Dekorelemente schlucken viel Schall. Doch plötzlich tutet es mächtig. Ein Schiffshorn: Es peitschen wieder die Wellen im Surf Fjørd.

WARTEN AUF DIE NÄCHSTE WELLE: das Surf Fjord von Rulantica. | Foto: EP

Yannick, Badischer Meister bei der DLRG, entdeckt einen Rettungsschwimmer. „Papa, das wäre doch cool, hier mal Aufsicht zu haben“, sagt er. Klar, das ist schon was anderes als im Malscher Freibad. „Schaut mal, sogar auf dem Gurtretter steht Rulantica“, zeigt Tim auf das Rettungsutensil – die Rulantica-Macher achten also auf viele Details.

Trølldal für die Kleinsten

An der Skog Lagune mit ihren Felsen, Blumen und dem blubbernden Wasser laufen wir rasch vorbei. Am Abend wird das einer unserer Lieblingsorte sein, sogar eine Cocktailbar gibt es in dem warmen Wasser. Unsere Zwillinge, beides Adrenalinjunkies, wollen erst weitere Rutschen ausprobieren, laufen am Trølldal – dem putzigen Planschplatz für die Kleinsten – zu Dugdrob und Vildfål.

So heißen die beiden spektakulärsten Rutschen. Rein in die Kabinen. „Nein, da hat noch keiner vor Angst kehrt gemacht“, sagt Cecilia, die hier oben die Aufsicht hat. Der Countdown läuft, dann öffnet sich die Falltür. Wir Männer rauschen alle im fast freien Fall in die Tiefe. Augen zu. Luft anhalten. Da muss man jetzt durch.

Das Bad kostete 110 Millionen Euro

Das Europa-Bad in Karlsruhe, über das ich seinerzeit wie bei Rulantica schon während der Bauarbeiten geschrieben habe, hat auch so einen Magenkitzler. Das Europa-Bad ist toll, Bundesliga. Rulantica aber spielt in der Champions League. Mit seinen 110 Millionen Euro Baukosten war es fast viermal so teuer, wie das Europa-Bad. Allerdings kostet diese skandinavische Abenteuerwelt auch deutlich mehr Eintritt als das städtische Freizeitbad.

FELSEN, KIEFERN und warmes Wasser: Die Skog Lagune am Abend. | Foto: EP

Drei Stunden sind schon vorbei. Alle haben Hunger. Wir passieren vier Piraten, die mit Kindern den Snorri-Tanz aufführen und ihnen „Zauberwasser“ ins Gesicht spritzen. Die Kleinen quieken. Kurz danach sind wir im Lumalunda, dem SB-Restaurant. Blubbernde Wasserwände zwischen den Felsen bringen eine heimelige Atmosphäre. Alter Schwede! Hier gibt es Pizza und Pasta. Außerdem reichen zwei Verkäufer Ananas und Banane. Es ist das einzige, was nicht stimmig ist. Aber mittlerweile sollen sie ja auch im hohen Norden auf Teigwaren aus Bella Italia abfahren.

Frischluft-Kick im Außenbecken

Der Tag rast an uns vorbei. Die Sprungrutschen, die Rennrutschen, wir testen sie alle und sind immer wieder aufs Neue fasziniert, wie sie in diese mystische nordische Landschaft integriert sind. Im Außenbecken geben wir uns den Frischluft-Kick, rasen bäuchlings den tosenden Wildwasserfluß hinab. Staunend gehen wir unter der Stelzenstadt Rangnakor hindurch.

Es ist Abend geworden in Rulantica – eine ganz andere Atmosphäre. Marina will nochmals zu Snorri. Sich noch einmal einfach treiben lassen, acht Minuten lang, im gemütlichen Strömungskanal. Meerjungfrauen gleiten an uns vorbei.

Dank Snorri bleiben die Smartphones im Spind

Einen ganzen Tag haben wir fast alle Attraktionen gemeinsam erlebt. Und, man glaubt es kaum, die Smartphones blieben im Spind – Snorri sei Dank.

Ein Steg führt uns über einen künstlichen Fjord direkt hinüber ins Museumshotel. Unübersehbar ist Svalgur, dieses Mal rekelt sich die Schlange 34 Meter lang als Skelett durch die komplette Lobby. Auf den Gängen und in den Zimmern sind Vitrinen mit Karten und alten Forscherutensilien.

Antiquitäten im Museumshotel

Die Macks haben Antiquitätensammler nach Skandinavien zum Einkaufen geschickt. Das Ergebnis: Kein Zimmer gleicht dem anderen. „Die Rulantica-Innenarchitekten waren bestimmt im Karlsruher Naturkundemuseum“, sagt Marina.

Vor Jacquelines Bett steht ein uralter Koffer als Deko. Wieder Staunen. An den Wänden hängen Bilder der schwedischen Skifahrerlegende Ingemar Stenmark – passend dazu haben die Schirme der Leuchten eine Skifahrermütze. Selbst die Armaturen in der Dusche sind auf alt getrimmt.

Essen unter einem Nachbau der Viking-Saga

Wir müssen uns sputen. Für 20 Uhr haben wir einen Tisch bestellt, im Bootshaus „Bubba Svens“. Wir sitzen unter einem Nachbau der Viking-Saga, jenem legendären Schiff. Tim, geschichtsbegeistert wie er ist, liest und staunt: Dass die Wikinger schon vor 1 000 Jahren mit so einem Schiff gen Amerika fuhren.

Wir essen Lachs und Smørrebrød mit Hering. Der Abend endet in der Bar Leif Erikssøn. Den Kindern fallen nach und nach die Augen zu. Es ist höchste Zeit fürs Bett im Museumhotel dieser nordischen Märchenwelt.