Kommentar
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Bürgermeisterwahl in Sasbach

Eine überraschende Entscheidung mit Signalwirkung

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Zahltag in Sasbach. Den Urnengang am vergangenen Sonntag hat manch Bürger der Lendergemeinde für die Abrechnung mit einem Bürgermeister genutzt, der in 16 Jahren immer mal wieder angeeckt ist. Anders lässt sich eine derart brutale Niederlage bereits im ersten Wahlgang gegen einen kommunalpolitisch weitgehend unbeleckten Gegenkandidaten nicht erklären.

Transparenz als Thema

Den Wahlkampf hatte nicht zuletzt die Debatte um die erforderliche Transparenz kommunalpolitischen Handelns geprägt – mithin reicht die Signalwirkung der Sasbacher Wahl weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Die Masche, hinter den Kulissen vollendete Tatsachen zu schaffen, um dann der Öffentlichkeit ein unverrückbares Konzept zu präsentieren, findet schließlich auch andernorts Anwendung. Das riesige Loch auf dem Pirmin-Areal in der Sasbacher Ortsmitte, das nicht wenige Bürger auf dem Weg zum Wahllokal passieren mussten, wirkt wie eine Mahnung, dass nicht immer alles, was so auf den Weg gebracht wurde, den Beifall der Beteiligten und Betroffenen findet.

Abschied mit Anstand und Stil

Es war sehr schnell sehr einsam geworden um den Noch-Amtsinhaber am Sonntag auf dem Sasbacher Kirchplatz. Wolfgang Reinholz hat an diesem Abend Fassung, Anstand und Stil bewiesen, er geht erhobenen Hauptes. Und doch muss er sich fragen lassen, ob die Überraschung über seine Wahlniederlage nicht nur eine verzweifelte Geste war. Denn das Ergebnis hat sich, nicht so radikal und nicht im ersten Wahlgang, aber doch dem Grunde nach, abgezeichnet. Es hätte schon einer glaubhaften Ankündigung bedurft, die Prozesse in der Kommune künftig transparenter zu machen. Letzte Chance für ein überzeugendes „mea culpa“ und das Versprechen, es anders zu machen, war die öffentliche Kandidatenvorstellung eine Woche vor der Wahl. Reinholz hat sie nicht, oder zumindest nicht hinreichend, genutzt. Da war klar: Es wird sehr eng für den Amtsinhaber.

Bürde für den Nachfolger

Der klare Wahlsieg und die Gründe, die dazu geführt haben, sind nicht nur Ansporn und Rückenwind für Nachfolger Gregor Bühler, sondern auch Bürde. Er muss jetzt beweisen, dass er es besser, transparenter und ausgleichender kann als sein zwar glück-, aber durchaus nicht erfolgloser Vorgänger. Viel Konkretes hat man vom neuen Rathauschef im Wahlkampf ja noch nicht zu hören bekommen. Spannend wird die Frage sein, ob er nun auf einen selbstbewusster agierenden Gemeinderat trifft – denn der hat, diese Anmerkung sei erlaubt, das Spiel mit der Nichtöffentlichkeit lange, allzu lange, mitgespielt.