Streitfall im Rheinauer Süden: Das Hallenbad in Honau ist sanierungsbedürftig. Bei einer Entscheidung zur Bewerbung für eine mögliche Bundesförderung für die Freizeiteinrichtung äußerten einige Räte Unmut. | Foto: Karen Christeleit

Gemeinderat Rheinau

Emotionale Debatte um Honauer Hallenbad

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Das sanierungsbedürftige Honauer Hallenbad bleibt in Rheinau ein lokalpolitisch umstrittenes Thema. Nach einer kontroversen Debatte stimmte der Gemeinderat für die Bewerbung mit dem Bad am Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. 15 Räte votierten dafür, sechs aus der SPD/FW-Fraktion dagegen, ein Stadtrat enthielt sich.
Sollte das Sanierungsprojekt in das Förderprogramm aufgenommen werden, könnte die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 45 Prozent der Investitionskosten erhalten.

Der Aufruf für das Bundesprojekt mit einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro für die Fördertranche 2018 folgte kurzfristig am 15. August. Noch nicht vorliegende Ratsbeschlüsse können Kommunen bis diesen Donnerstag, 20. September, nachreichen. Die deshalb außerplanmäßig anberaumte Sitzung stieß auf reges Interesse, die Zuschauerränge waren voll besetzt. Die Besucher erlebten eine emotionale Debatte, ein seltenes Ereignis bei öffentlichen Ratssitzungen in Rheinau.

Ein Hallenbad ist genug

Horst Siehl, (SPD/FW) sprach sich gegen eine Bewerbung an dem Förderprogramm aus: Zum einen sei die Kostenberechnung noch nicht vollständig abgeschlossen, zum anderen seien die Betriebskosten für das Hallenbad für die nächsten 20 bis 30 Jahre nicht bekannt. Er mahnte an, dass die Stadt bereits viel Geld für andere Investitionen ausgeben müsse, wie die Erweiterung von Kindergärten und Schulen. „Ein Hallenbad in Freistett ist genug.“
Achim Willems von der IG Handel argumentierte wie Robert Reifschneider (CDU/FWG), dass es zunächst nur um den Beschluss zur Teilnahme an einem Förderprogramm gehe, „den wir mittragen. Diese Entscheidung ist jedoch kein Freibrief für das Honauer Hallenbad“, betonte Willems. Reifschneider ergänzte: „Sollte der Rat sich gegen die Teilnahme an dem Förderprogramm entscheiden, könnte dies bereits jetzt der Todesstoß des Honauer Hallenbads sein.“

Errungenschaft der vergangenen Generation

Mit Applaus quittierten die Zuschauer die Argumente von Annette Fritsch-Acar (CDU/FWG): „Die Besucherzahlen haben sich in Honau verdoppelt, es werden zahlreiche Kurse angeboten, da dort ein ideales Therapiebecken vorhanden ist.“ Das Bad sei eine Errungenschaft der vergangenen Generation, welche es zu erhalten gelte.

Stadtrat mahnt Wirtschaftlichkeit an

Klemens Zimmer (SPD/FW) mahnte Wirtschaftlichkeit an. 2008 seien für das Honauer Bad keine Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro absehbar gewesen, als sich der Rat damals für den Erhalt beider Bäder entschied. „Man sollte aufhören, Einzelinteressen der einzelnen Ortschaften gegenüber zu stellen. Wir haben ein Bad in Freistett, das funktioniert und wo es keinen Investitionsbedarf gibt“, unterstrich Zimmer. Kämmerer Uwe Beck betonte auf die Frage von Host Siehl, warum der Antrag gerade jetzt in dieser Fördertranche zu stellen sei: „Die Bundesregierung wird kein ähnliches Förderprogramm in den kommenden Jahren mehr auflegen.“

Wir drehen uns im Kreis

Zimmer monierte, dass in dem Antrag suggeriert würde, dass das Schwimmangebot nur vom Honauer Bad abhinge: „Das Freistetter Bad bleibt unerwähnt.“ Raunen im Gremium. Kämmerer Uwe Beck entgegnete: „Bei Förderbescheide muss man immer positiv argumentieren. Tatsachen liegen vor, hier wird nichts suggeriert.“ Willems platzte der Kragen: „Wir drehen uns im Kreis. Es geht um die Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen. Dann sehen wir, ob eine Sanierung weiterhin zu teuer ist oder nicht.“
Bürgermeister Michael Welsche signalisierte Zustimmung: „Es ist eine ergebnisoffene Entscheidung, die wir diskutieren können. Hier geht es zunächst um die Chance auf weitere Fördergelder.“

Kostenschätzung
Wie hoch die Sanierungskosten im Fall des Honauer Hallenbades tatsächlich sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Verwaltung lässt derzeit Kosten für Arbeiten an dem Gebäudekomplex analysieren. Dieser umfasst neben dem Bad auch eine Mehrzweckhalle und ein geplantes neues Blockheizkraftwerk. Eine Analyse der Betriebskosten ist ebenfalls im Gange. Derzeit schätzt die Stadtverwaltung die Gesamtsumme auf 1,6 Millionen Euro, davon sind etwa 500 000 Euro noch nicht durch eine Kostenberechnung belegt. Sollte es bei den 1,6 Millionen Euro bleiben und das Projekt in das Bundesförderprogramm aufgenommen werden, könnte die Stadt 720 000 Euro erhalten. In der Gemeinderatssitzung am 7. November liegt eine konkrete Kostenschätzung vor, sodass die Maßnahme noch in die Haushaltsberatungen für 2019 fließen könnte. chs