Dieser Druckgasbehälter aus glasfaserverstärktem Kunststoff ist während des Betankens an Heiligabend auseinandergeborsten. Erkenntnisse liegen dem Bundesverband für Gasanlagen vor. Nun befassen sich Ermittlungsbehörden mit den Details. | Foto: BFG

Vorfall in Achern

Erdgas-Tankunglück ist ein Fall für das Kraftfahrtbundesamt

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Warum barst an Heiligabend an der Tankstelle des Acherner Eurorastparks der Erdgas-Druckbehälter aus glasfaserverstärktem Kunststoff in einem Audi A3 g-tron? Dieser zentralen Frage gehen Ermittler und Gutachter derzeit akribisch nach. Einer der Gutachter ist Peter Ziegler, Vorsitzender des Bundesverbands für Gasanlagentechnik (BFG), aus Bad Camberg. Der Experte hat sich das Unglücksfahrzeug am 28. Dezember mit Vertretern der Versicherungswirtschaft, des Mösbacher Abschleppunternehmens und der Polizei in Achern angeschaut sowie Aufnahmen der Überwachungskamera an der Tankstelle ausgewertet, wie er im Gespräch mit bnn.de erklärt.

Fahrer und Tankstelle treffen offenbar keine Schuld

Nach seinen Erkenntnissen lag an der Erdgas-Tankanlage des Eurorastparks kein Fehler vor. Die Zapfsäule und deren Sicherheitsmechanismen hätten während des Betankens des Audis einwandfrei funktioniert. Diese überprüfen die Druckverhältnisse in den Tankbehältern der Erdgasfahrzeuge. Auch die beiden Erdgas-Zapfpistolen seien nicht beschädigt gewesen. Wie berichtet, bestätigte die Polizei auf Anfrage von bnn.de, dass den Fahrer ebenfalls keine Schuld trifft. Somit rückt das Audi-Modell und die darin eingebaute Erdgasanlage in den Mittelpunkt der Ursachenforschung.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Diese obliegt der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, nachdem Ziegler Strafanzeige gegen Unbekannt stellte. Einen Materialverschleiß des Druckgasbehälters schließt der Gutachter ebenfalls aus. Die Erstzulassung des Fahrzeugs war nach bnn.de-Informationen 2018, die Neuwagengarantie war noch nicht abgelaufen. Der Fachmann für Gasanlagetechnik ist überzeugt, dass der Tankunfall lückenlos aufgeklärt wird und der BFG ein schriftliches Ergebnis erhält.

Untersuchungen bis Ende Mai?

Das Tankunglück in Achern ist auch ein Fall für das Kraftfahrtbundesamt, das für die Produktsicherheit von Druckgasbehältern in Fahrzeugen zuständig ist, sowie für die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie der Experte für Gasanlagentechnik betont. Denn die beschädigten Karosserieteile sowie die Gasanlagenteile werfen Fragen auf. Detaillierte Erkenntnisse aus seinem sechsseitigen Untersuchungsbericht will Ziegler noch nicht öffentlich preis geben: „Die Behörden müssen zunächst ihre Hausaufgaben machen.“ Der BFG hat die Staatsanwaltschaft Baden-Baden sowie die Bundesbehörden darum gebeten, die Untersuchungen des Acherner Tankunglücks bis zum 30. Mai oder früher abzuschließen. „Dieser Zeitraum wurde von uns dahingehend genannt, weil nach unserer Ansicht solche Unfälle sich auch mit Wasserstoff-Fahrzeugen jederzeit und an jedem Ort ereignen können, welche immerhin mit bis zu 700 bar Druck beaufschlagt sind“, erklärt Ziegler.

Keine Explosion

Er legt Wert darauf, dass es sich weder um eine Explosion noch um eine Verpuffung handelt, sondern um ein Bersten des Tanks. Eine Explosion läge dann vor, wenn Feuer zu sehen gewesen wäre. Dies war bei dem Unglück in Achern nicht der Fall, ebenso bei dem Vorfall mit einem VW Touran in Duderstadt am 9. September 2016. Seinerzeit war dem Fahrer jedoch bekannt, dass VW bereits eine Rückrufaktion startete wegen Rost in Erdgas-Stahltanks. Das Material der Tanks des Audi A3 g-tron besteht aus Verbundkunststoff ohne Rostgefahr.

Kompliment an Einsatzkräfte

Der Experte für Gasanlagen lobt zudem die Vorgehensweise des Mösbacher Abschleppunternehmens sowie der Feuerwehr Achern an der Unglücksstelle.