Massive Ernteverluste haben Landwirte aktuell beim Maisanbau zu verbuchen. Im Stadium seines höchsten Wasserbedarfs, blieben die Niederschläge aus – zunehmend vertrocknen die Pflanzen. Das Bild zeigt ein Maisfeld bei Gamshurst.
Massive Ernteverluste haben Landwirte aktuell beim Maisanbau zu verbuchen. Im Stadium seines höchsten Wasserbedarfs, blieben die Niederschläge aus – zunehmend vertrocknen die Pflanzen. | Foto: Spether

Ernteausfälle durch Hitze

„Es wird jeden Tag schlimmer“

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Bis zu 33 Grad in Schatten und kein Tropfen Regen in Sicht – unter den aktuellen Temperaturen leiden nicht nur Mensch und Tier, auch die Natur ächzt vielerorts unter der lang anhaltenden Hitze.

Wenn Pflanzen gestresst sind

Viele Pflanzen leiden aktuell unter sogenanntem Trockenstress. „Das sind die Symptome, die eine Pflanze zeigt, wenn sie nicht mit ausreichend Wasser versorgt ist“, erklärt Padraig Elsner vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband. Blätter und Blüten werden welk, bis sie schließlich abfallen. Für einige Landwirte im Ortenaukreis bedeutet dieser Trockenstress enorme Einbußen: „Es gibt Betriebe, die nur noch den halben Ertrag haben, bei anderen handelt es sich um Einbußen von 15 bis 20 Prozent“, erklärt Volker Heitz vom Amt für Landwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis.

 

Obstbäume leiden weniger unter Trockenstress - mit ihren großen Wurzeln ragen sie weit in den Boden hinein und kommen gut an das Wasser im Erdreich.
Obstbäume leiden weniger unter Trockenstress – mit ihren großen Wurzeln ragen sie weit in den Boden hinein und kommen gut an das Wasser im Erdreich. Foto: Spether | Foto: Spether

Auf den Futterflächen ist die Situation dramatisch

Beim Getreide hielten sich die Verluste bisher in Grenzen, beim Maisanbau sehe es deutlich trostloser aus. „Hier haben wir aktuell massive Ernteeinbußen, das wird jeden Tag schlimmer.“ Der Mais sei gerade in einem Stadium mit dem höchsten Wasserbedarf gewesen, als es kaum mehr Niederschläge gab.
Sein Kollege Jürgen Neumaier, zuständig für die Bereiche Tierhaltung und Grünland, ergänzt: „Auf den Futterflächen ist die Situation dramatisch. Bereits jetzt ist ein großer Teil des Jahresertrags in den Scheunen.“ Winterfutter werde bereits jetzt verfüttert, es herrsche eine allgemeine Knappheit.

Verluste im südlichen Ortenaukreis geringer

Die Einbußen genau zu beziffern, sei schwierig, gibt Heitz an – diese seien von Betrieb zu Betrieb verschieden: „Das hängt von der Niederschlagssituation und dem Boden ab.“ Leichte, kiesige Standorte haben ein geringes Wasserhaltevermögen, diese seien am stärksten von der lang anhaltenden Trockenheit betroffen. Im nördlichen Ortenaukreis seien die Verluste zudem deutlich höher als im südlichen, da es dort weniger Niederschlag gab.

Teure Beregnungsanlagen sollen Abhilfe schaffen

Eine vergleichbare Situation habe es bereits im Jahr 2003 gegeben. „Da war es ebenfalls extrem trocken“, erinnert sich Heitz. Für eine lang anhaltende Hitzeperiode könne man sich kaum wappnen. Einige Landwirte setzten auf Beregnungsanlagen, darunter Rainer Ganter. Auf seiner Ackerfläche in Fautenbach baut er neben Getreide, Mais, Soja, Meerrettich und Kartoffeln an. „Beim Getreide sind wir noch mit einem blauen Auge davon gekommen, da fällt der Ertrag in diesem Jahr um 15 Prozent geringer aus“, sagt er. „Da ist der Ertrag in diesem Jahr 15 Prozent geringer als in den Vorjahren ausgefallen, das ist noch im Rahmen.“

Kosten müssen wieder eingebracht werden

Kritisch betrachte er vielmehr den Zustand von Sojabohnen und Mais. Obgleich sein Betrieb einen Teil seiner Felder beregnen kann, gibt er zu bedenken: „20 Liter Wasser aus einer Beregnungsanlage sind nicht das Gleiche wie 20 Liter Wasser, die die Pflanzen über Niederschläge aufnimmt.“ Zudem seien Beregnungsanlagen eine enorme Investition. „Ein Brunnen kostet um die 10 000 Euro – noch ohne Genehmigungsgebühren. Mit der Beregnungsanlage und allem Weiteren Drum und Dran ist man am Ende locker bei 50 000 Euro.“ Dadurch entstehen Kosten, die ein Betrieb erst einmal wieder einbringen muss. „Über die Jahre lohnt sich das“, zeigt sich Jörg Huber überzeugt, der seinem Hof in Önsbach über Tropfschläuche bewässert.

Zum Bersten voll: Zwetschgen wachsen bei den aktuellen Temperaturen prächtig – da leidet mancherorts der Baum unter dem Gewicht. Das Bild zeigt einen stark behangenen Zwetschgenbaum bei Lauf.
Zum Bersten voll: Zwetschgen wachsen bei den aktuellen Temperaturen prächtig – da leidet mancherorts der Baum unter dem Gewicht. Foto: Spether | Foto: Spether

Durch diese wird das Wasser gezielt dorthin geleitet, wo es am dringlichsten benötigt wird – an die Wurzeln. Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen und Co. profitierten zudem von den aktuellen Temperaturen, erklärt er. „Obst wird umso süßer, je mehr Sonnenstunden es abbekommt“, führt Huber aus. „Die Behänge auf dem Huberhof sind aktuell sehr gut, die Fruchtqualität einmalig“, zeigt er sich zufrieden.

Ein tolles Jahr für den Weinbau

Tobias Köninger vom Kappelrodecker Weingut Köninger ist ebenso guter Dinge: „Wir können uns nicht beklagen, bisher war das ein tolles Jahr.“ Auf eine Tropfbewässerung von Junganlagen, die durch die EU gefördert würde, haben er und sein Team bewusst verzichtet. Sie wollen die Rebe nicht „am Tropf halten.“ Rebstöcke, die daraufhin in den ersten Jahren unter Trockenstress litten, verbuche Köninger unter akzeptablen Ernteverlusten, „in der Hoffnung, dass Rebstöcke gestärkt daraus hervorgehen“.

Junganlagen geschwächt

Bisher zeigten sich vor allem die Junganlagen geschwächt. „Das kann jedoch noch werden“, sagt der Winzer zunächst zuversichtlich und gibt gleichzeitig zu bedenken:. „Wenn die Trockenheit jedoch die nächsten drei Wochen anhält, wird es für die Junganlagen schwierig.“