Neujahrsempfang: Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens, Dietmar und Angelika Stiefel, Roswitha und Klaus Muttach sowie Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano (von links). | Foto: Roland Spether

Neujahrsempfang in Achern

„Europa ist unsere Zukunft“

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Ganz im Zeichen Europas stand der traditionelle Neujahrsempfang der Stadt Achern. Das zeigten nicht allein die musikalischen Beiträge, sondern auch die von Jan Pettke, Koch des Jahres 2017, kredenzten kulinarischen Besonderheiten aus verschiedenen europäischen Ländern. Dazu präsentierte die elsässische Weinkönigin Margaux Jung Cremant d’Alsace. Und schließlich wollte Oberbürgermeister Klaus Muttach mit der Einladung von 20 der insgesamt 1.406 in Achern lebenden EU-Bürgern die europäische Vielfalt der Nationen unterstreichen. Sie seien in Achern herzlich willkommen, sagte Muttach unter dem Beifall der 600 geladenen Gäste.

Menschlichkeit, Frieden und Freiheit

„Achern ist unsere Heimat – Europa ist unsere Zukunft“. In seiner Neujahrsansprache nahm Klaus Muttach einmal mehr kein Blatt vor den Mund: Europa sei „eine Errungenschaft von Menschlichkeit, Frieden und Freiheit.“ Dies gelte es zu verteidigen gegen Menschenverachtung und Nationalismus: „Wir lassen uns nicht einschüchtern von den Pöblern und Populisten, deren geistige Väter im Stechschritt durch das Brandenburger Tor marschiert sind, Synagogen angezündet und die eigene arische Rasse über alles gestellt haben.“

Aktionen für Europa

Man werde 2019 in Achern öffentlich zu den Grundwerten Europas und zu den Grundwerten des Grundgesetzes stehen: Schüler und Lehrer aller Acherner Schulen demonstrieren für die Grundrechte, die Acherner Künstlerin Alina Atlantis präsentiere ihr „Leitbild für Europa“ und außerdem wolle man eine Eurodistrikt-Radtour in Achern starten. Muttach: „Wir brauchen ein starkes Europa, das als wirtschaftlich eigenständige Macht den USA, Russland oder auch China gegenübertritt“.

100 Millionen Euro Investitionen in Achern

Natürlich sprach der Oberbürgermeister auch aktuelle lokale Themen an. Mit Blick auf die Diskussion über die künftige Klinik-Struktur in der Ortenau und den geplanten Neubau eines Krankenhauses in Achern kündigte Muttach an, dass der Ortenaukreis dafür in den nächsten Jahren nahezu 100 Millionen Euro in Achern investieren werde – „die größte Investition in ein Projekt seit dem Bau der Illenau im Jahr 1842.“

„Erfolgsgeschichte der Illenau muss weitergehen“

45 Millionen Euro hätten private und öffentliche Investoren in den vergangenen zehn Jahren in die Entwicklung der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt investiert. „Diese Erfolgsgeschichte muss weitergehen“, erklärte Muttach und kündigte an, dem Gemeinderat bereits im Februar ein Konzept für die Fortschreibung des Illenau-Rahmenplans vorzulegen: „Wir wollen die Potenziale des Kirchenraums, der Reithalle und der Illenauwiesen nutzen.“

„Riesenchance“ für neuen Wohnraum

Die Bebauung der Illenauwiesen und des Areals der ehemaligen Glashütte bezeichnete Muttach als „Riesenchance“, um neuen Wohnraum zu schaffen. Das stärke letztlich auch Infrastruktur und Einzelhandel. Muttach zeigte sich im Übrigen stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung der Hornisgrindestadt: „Achern wächst“.

Verantwortungslose Blockade

Seit dem Jahr 2000 sei ein Anstieg der Zahl der Arbeitsplätze von 9.600 auf mehr als 12.000 zu verzeichnen, und mit einer Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent sei Achern „Landesmeister, vielleicht deutscher Meister“. In diesem Zusammenhang sprach Muttach all jenen ins Gewissen, die geplante Erweiterungen Acherner Firmen blockieren. Dies sei „verantwortungslos“ und „gegen die Interessen der Menschen“.

Maßnahmen gegen den Durchgangsverkehr?

Weitere Themen der Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters waren der Hochwasserschutz, die Schaffung von Kindergartenplätzen, der Lärmschutz, das Parkraum- und Verkehrskonzept sowie der Breitbandausbau und die Digitalisierung.  Zum Thema Verkehr kündigte Muttach nicht nur Überlegungen zur Verlängerung der Infrastrukturstraße mit Querung von Bundesstraße 3 und Bahn an, die möglicherweise fortgesetzt werden könnte – um den durch Nationalpark und „Anima Tierwelt“ erwarteten zusätzlichen Durchgangsverkehr zu reduzieren.

Leistungen gewürdigt

Muttach nutzte die Gelegenheit, Haupt- und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz für die Stadt zu danken. Eine besondere Würdigung erfuhr das Integrationsprojekt im Illenau-Arkaden-Bistro. Mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg wurden Christian Federle (Musikverein Gamshurst), Wolfgang Dieter Schemel (KSC Önsbach) und Josef Tisch (SV Oberachern) geehrt, die Staufermedaille erhielt Paul Droll.

MIT OVATIONEN GEFEIERT wurde beim Neujahrsempfang die chinesische Sopranistin Sarah Zhai Strauss. | Foto: Roland Spether

Chinesische Sopranistin begeistert gefeiert

Den musikalischen Rahmen des Neujahrsempfangs setzten die vom Publikum begeistert gefeierte chinesische Sopranistin Sarah Zhai Strauss in Begleitung der in Moskau geborenen Pianistin Elena Wagner-Gromova sowie die Band „Gin Fizz“; mit Tanzshows zum Thema „Frieden“ glänzte die Tanz- und Freizeitgemeinschaft Önsbach.