Europa-Park-Chef Roland Mack startet demnächst den Parkbetrieb unter erschwerten Bedingungen. Vieles ist ungewiss, eines steht aber fest: Die Attraktion „Piraten in Batavia“ eröffnet wieder im Juli. Foto: Makartsev

Öffnung am 29. Mai

Europa-Park-Chef Roland Mack: „Achterbahnfahren mit Maske funktioniert sehr gut!“

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Die lange Corona-Pause im Europa-Park ist beendet. Ab sofort sind die Restaurants in den Hotels wieder in Betrieb, am 29. Mai öffnet der Park seine Tore. Zunächst aber lediglich für jeweils 10.000 Besucher, die ihre Tickets online kaufen müssen. Die Wasserwelt Rulantica bleibt vorerst geschlossen.

Das Familienunternehmen habe durch die Epidemie bislang etwa 100 Millionen Euro verloren und „verbrenne“ wegen der Einschränkungen beim Ticketverkauf weiter Eigenkapital, sagte Roland Mack im Interview mit den BNN. Der 70-jährige Parkchef macht sich jedoch gerade die meisten Gedanken darüber, wie man die Ansteckungsgefahr für Gäste minimieren könnte.

2,5 Millionen Besucher beim Verkaufsstart

Als kürzlich der Online-Ticketverkauf für die Wiedereröffnung des Europa-Parks losging, brachen die Server vor dem Ansturm der Interessierten zusammen. Macht Ihnen das keine Angst?

Roland Mack: Im Gegenteil, ich bin beruhigt, dass uns das Geschäftsmodell nicht wegbricht. Wir haben immer erwartet, dass wohnortnahe Urlaubsangebote punkten können, wenn die Menschen nicht groß verreisen.

Jetzt haben wir in den ersten drei Tagen etwa 50.000 Karten verkauft. Insgesamt gab es aber im Online-Ticketshop zum Start des Verkaufs etwa 2,5 Millionen Besucher. Wenn wir keinen davon verlieren würden, hätten wir die Saison in der Tasche.

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Das Interesse ist groß, entsprechend hoch sind die Erwartungen der Menschen, dass Sie die komplizierten Epidemie-Auflagen hundertprozentig umsetzen können…

… Natürlich, deswegen stellen wir im Moment betriebswirtschaftliche Überlegungen in den Hintergrund und das Thema Gesundheit nach vorne. Es geht ganz langsam los, auch wenn es wirtschaftlich weh tut.

Am Pfingstsonntag hätten wir zum Beispiel im Normalfall bis zu 50.000 Besucher, stattdessen werden wir auf der gleichen Fläche gerade mal ein Fünftel haben. Ich bin absolut überzeugt, dass die Einhaltung des Sicherheitsabstands unproblematisch sein wird.

Menschenleerer Europa-Park
Menschenleer ist derzeit das Gelände des Europa-Parks. Der größte Freizeitpark Europas soll jedoch Ende Mai wieder seine Tore für die Besucher öffnen. | Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Waschstationen für mehr Hygiene

Wird das Europa-Park-Gefühl trotz der Einschränkungen dasselbe sein wie früher?

Wir haben darüber diskutiert, dass manche Besucher nicht mit dem Virus konfrontiert werden möchten. Aber als Betreiber müssen wir diese Kröte schlucken und machen es zur Bedingung, dass die Menschen in den Fahrgeschäften und im Wartebereich Masken tragen.

Wir werden Waschstationen aufbauen und die Handläufe desinfizieren. Vor den Fahrgeschäften werden wir Desinfektionsmittel verfügbar machen, mit denen man sich die Hände reinigen kann. Außerdem werden wir in den Fahrzeugen einige Reihen frei lassen, damit man im Fahrbetrieb die nötige Abstandsregelung einhalten kann.

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Wie funktioniert das Achterbahnfahren mit Mundschutz?

Sehr gut, ich habe es selbst ausprobiert. Aber man sieht leider nicht, wie die Menschen lachen.

Was macht Sie so sicher, dass die Besucher sich an die Hygieneregeln im Park halten werden?

Wir lassen ihnen keine andere Wahl, weil wir sie weit auseinanderhalten werden. Es sind Schilder vorgesehen. An den Fahrattraktionen werden Abstandsmarkierungen angebracht. Wir haben eine neue App, die den Menschen sagt, ob sie weit genug voneinander stehen. Unsere Mitarbeiter werden geschult. Aber natürlich sind wir darauf angewiesen, dass die Gäste mitmachen, sonst funktioniert es nicht.

Ein Park mit 10.000 Besuchern ist langfristig nicht zu betreiben, das ist unmöglich.

Die Epidemie ist ein Auf und Ab. Unter welchen Umständen würden Sie den Parkbetrieb wieder aussetzen?

Stellen Sie mir bitte diese Frage nicht. Ich brauche jetzt Mut! Ich verzichte aus einer Selbstbeschränkung alleine in den ersten drei Betriebstagen auf drei Millionen Euro. Mehr geht nicht. Ein Park mit 10.000 Besuchern ist langfristig nicht zu betreiben, das ist unmöglich.

Sie sagten einmal, dass Sie nicht gedacht hatten, dass es den Park so schwer treffen könnte. Was macht solch eine Erfahrung mit einem erfolgsverwöhnten Unternehmer?

Wir hatten hier vor zwei Jahren einen katastrophalen Brand. Damals wussten wir aber, wo wir anpacken müssen: Aufräumen nach dem ersten Schock, mit der Versicherung verhandeln, ein Konzept erstellen. Damals konnte man etwas tun. Jetzt nicht. Ich kämpfe gegen einen unsichtbaren Feind, das ist eine neue Erfahrung.

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Und wie sieht ihre Strategie in diesem Kampf aus?

Als im Februar klar wurde, dass wir den Park nicht aufmachen können, haben wir 2.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Es wurde ein Krisenstab gebildet. Ich habe eine Finanzplanung aufgestellt, die uns anzeigt, wo wir stehen werden.

Dadurch habe ich mir psychisch den Druck genommen, in dem schönen Monat April nicht jeden Tag zum Himmel zu gucken und zu klagen: Gestern fehlten zwei Millionen Umsatz, heute sind es drei…

Wie viele Millionen fehlen jetzt?

Das aufgestockte Kurzarbeitergeld kostet mich mehrere Millionen. Bevor wir in die Saison gingen, hatten wir bereits 65 Prozent Auslastung in den Hotels, auch da ist einiges weggebrochen. Insgesamt haben wir etwa 100 Millionen Euro verloren. Kein Wunder: Es ging ja von Hundert auf Null.

Gottseidank haben wir gut gewirtschaftet und kommen noch ohne staatliche Hilfe aus. Wir verbrennen jedoch im Moment viel Eigenkapital, und mit der eingeschränkten Besucherzahl wird es weiter so gehen.

Sie müssen den Park mit angezogener Bremse fahren – wie lange halten Sie das durch?

Noch einige Monate. Es macht nicht richtig Spaß, aber zumindest kommen wir so operativ auf eine Schwarze Null. Das Jahr 2020 muss ich aber betriebswirtschaftlich ausblenden, wir werden sicher einen zweistelligen Verlust machen.

Indoor-Wasserwelt «Rulantica» in Rust
Blick in die Indoor-Wasserwelt «Rulantica» im Europa-Park. | Foto: Patrick Seeger/dpa/Archivbild

Sie haben das teure Projekt Rulantica jahrelang vorangetrieben. Nur drei Monate nach der Eröffnung musste es wegen Corona schließen. Wann geht es weiter?

Wir haben für Rulantica ein Konzept vorgelegt und warten auf eine Entscheidung der Politik. Man weiß heute, dass das Virus im chlorierten Wasser nicht überleben kann. Die Übertragungswahrscheinlichkeit ist gleich Null, selbst wenn viele Menschen im Wasser sind.

Holland macht die Wasserparks und Bäder jetzt auf, Österreich auch. Ich habe das Thema im Landeswirtschaftministerium angesprochen, dort gibt es aber noch Zurückhaltung.

Ende Juli eröffnet Batavia wieder

Der Europa-Park hat durch die Krise geplante Investitionen von 40 Millionen Euro auf Eis gelegt. Welchen Traum werden Sie vielleicht opfern müssen?

Eine Großgastronomie war in Planung. Im Außenbereich war die Weiterentwicklung des Wasserparks geplant. Wir haben jetzt die Investitionen in Schritte aufgeteilt, weil wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren wollen. Die neuen Rutschen aus den USA sind schon bestellt, sie kommen im September. Darum müssen wir mit dem Rohbau weitermachen.

Leidet der Wiederaufbau der abgebrannten Attraktion „Piraten in Batavia“ unter der Corona-Krise?

Wir beschäftigen ausländische Mitarbeiter und Künstler, die nicht auf der Baustelle arbeiten konnten. Es gab außerdem Lieferschwierigkeiten in den USA. Die Firma, die die Figuren herstellt, musste zeitweise pausieren. Durch diese Probleme haben wir vier Wochen verloren. Es steht aber fest: Batavia wird Ende Juli eröffnet.

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Wie wird sich die neue Attraktion von der alten unterscheiden?

Man kann sie kaum vergleichen. Ein neuer Pirat kostet so viel wie 20 alte, weil die modernen Figuren sich sehr naturgetreu bewegen, wie die Menschen. Der Brandschutz ist viel aufwändiger. Auch die Geschichte hat sich verändert: Wir steigen in Holland ein und fahren nach Indonesien. Die Piraten vertreiben nicht mehr die Einwohner Indonesiens, sondern sie sind am Ende der Verlierer.

Unsere Zeitung hat Sie vor ihrem 70. Geburtstag im vergangenen Herbst gefragt, was für Sie das schönste Geschenk wäre. Die Antwort war: Gesundheit. Was wünschen Sie sich zum 71-ten?

Dass wir bald unser Geschäft so betreiben können, wie wir es seit 40 Jahren getan haben. Es ist für uns alle eine wichtige Erfahrung, dass es in einem Unternehmen nicht nur nach oben geht. Es kann auch eine Krise geben, mit der man fertig werden muss.

Wichtig ist, dass man das Geld nicht aus der Firma herauszieht, sondern es für solche Tage wie jetzt bereithält, um nicht schon beim ersten Gegenwind aus den Schuhen zu kippen. Das hat unsere Familie immer stark gemacht, und ich hoffe, dass die nächste Generation aus dieser Krise viel lernen kann.