Werbung für mehr Wahlbeteiligung: Peter Lorenz von der Europa-Union vor dem Werbebanner zur Europawahl am Rathaus Am Markt in Achern | Foto: pf

Demokratie-Weckruf in Achern

Europa-Union macht überparteiliche Wahlwerbung

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Brexit und Rechtspopulismus stellen die Europäische Union vor eine Zerreißprobe. Damit die Acherner ihr demokratisches Recht so entschlossen wahrnehmen wie zur vergangenen Europawahl, hat die Europa-Union am Rathaus Am Markt einen zehn mal drei Meter großen Werbebanner angebracht. Der ABB hat mit dem Vorsitzenden Peter Lorenz über das Großereignis und die Situation der Bürgerbewegung gesprochen.

Dass Städtepartnerschaften „gelebtes Europa“ sind, hat Bürgermeister Michael Welsche mit Blick auf die Jumelage von Rheinau und Gambsheim kürzlich treffend bemerkt (der ABB berichtete). Das gilt im Falle von Peter Lorenz besonders, hat der im Ruhrgebiet aufgewachsene 74-Jährige doch seine Frau im Zuge eines Städteaustausches kennengelernt. Und sich 2005 entschieden, seinen Ruhestand in Achern zu verbringen, weil sich das Ehepaar zwischen Straßburg und Achertal am wohlsten fühlte.

Unser politisches Engagement ist überparteilich

Zusammenhalt in Europa

Zwei Jahre später tritt er der Europa-Union bei, einer Bürgerbewegung, die sich als Teil der Europäischen Föderalisten (UEF) ehrenamtlich für den Zusammenhalt in Europa stark macht. „Aber überparteilich und nicht politisch. Wir treten ja nicht zur Wahl an“, betont Lorenz.

Einflussreiche Sympathisanten

Mit Präsident Rainer Wieland (CDU), der Landesvorsitzenden Evelyn Gebhardt (SPD) und dem stellvertretenden Vorsitzenden Reinhard Köstlin (SPD), ehemaliger Oberbürgermeister Acherns, besitzt die Bewegung aber einflussreiche Sympathisanten. Köstlin hat erst kürzlich, im Zuge des Projekts „Europa in Betrieben“, mit dem öffentlichen Besuch einer ortsansässigen Elektronikfirma, die auch Mitarbeiter aus dem Elsass beschäftigt, für die Idee der Europa-Union geworben.

Meine Generation hat noch ein ganz anderes Europaverständnis

Werbebanner spendenfinanziert

Der bis nach der Europawahl am 26. Mai ausgestellte Werbebanner war die Idee von Kassenwart Jürgen Hermann, ebenfalls nach europäischer Manier mit einer Schwedin verheiratet. Lorenz und Hermann haben zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden Jürgen Klemm Sponsoren gefunden, um dem Verein – ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert – die Anbringung am Rathaus zu ermöglichen.

Persönliche Verbindung zur EU

Angesprochen auf die (auf dem Banner signalrot eingefärbten) Gefährdungen Europas, macht Lorenz seinen persönlichen Bezug zur EU deutlich: „Ich war bei der Montanunion zwölf Jahre alt. Im Ruhrgebiet haben Fremde sich damals noch über schwarzen Schnee gewundert – vom Ruß“. Die EU habe seitdem einiges in Bewegung gebracht, deshalb habe die ältere Generation meist noch ein „ganz anderes Europaverständnis“.

Die jungen Leute schlagen sich nicht ums Ehrenamt

Undankbare Mitgliedsstaaten

Obwohl es ihm „in der Seele weh“ tue, wenn in seinem Geburtsland Österreich Heinz-Christian Strache gewählt würde, und Polen Sanierungen von Buckelpisten zu „samtweichen“ Fahrbahnen mit einer autokratischen Politik danke, verbietet die Maxime der politischen Enthaltsamkeit offenbar direkte Auseinandersetzungen, etwa mit der AfD.

Vorsitzender ohne Nachfolger

Es gibt nur noch zwei Ortsverbände der Europa-Union in der Ortenau, Achern und Oberkirch. Beim Rest sind mit der Zeit die „Macher“ weggefallen, bedauert Lorenz. Er hoffe nun auf Angelica Schwall-Düren (SPD), die die Europa-Union in Offenburg wieder aufbauen will. Der Ortsverband Achern zählt 56 Mitglieder, sieben sind bei den Jungen Europäischen Föderalisten (JEF). Doch „die jungen Leute schlagen sich nicht ums Ehrenamt“, seufzt Lorenz. Zu seinem 75. Geburtstag will er den Vorsitz abgeben. Es gibt nur ein Problem: Er hat keinen Nachfolger.