Vorsicht Gefahrgut: Entzündbare flüssige sowie ätzende Stoffe befinden sich in diesem Tanklastzug, den zwei Polizisten begutachten. An diesem Fahrzeug hatten sie nichts zu bemängeln. | Foto: Christian Schäfer

Großkontrolle an A5 bei Achern

Explosive Fracht

Endstation Feldmatt: Den Transport von Altholz aus der Südpfalz nach Kehl hat sich der Fahrer sicherlich anders vorgestellt. Doch 30 Kilometer vor dem Ziel beenden Polizisten bei einer Lkw-Großkontrolle seine Fahrt auf dem Rastplatz in der Nähe von Achern. Aus gutem Grund: Rostflecken und scharfe Kanten übersäen beide Container, Sprossen sind herausgerissen und verbogen.

Polizei eskortiert schrottreifen Lastwagen

Und es kommt noch Schlimmer: „Den rechten Hinterreifen zieht es von den Felgen, der andere Reifen hatte einen Schlag abbekommen“, erklärt Oberkommissar Michael Walter von der Karlsruher Verkehrspolizei. Für ihn steht fest: „Der fährt keinen Meter mehr unbeaufsichtigt weiter.“ Die Container bleiben auf der Raststätte. Ein Mannschaftswagen sowie ein Motorradfahrer der Polizei eskortieren den schrottreifen Lastwagen zum TÜV nach Bühl. „Dort werden die Mängel genauer begutachtet“, so Walter. Sollte sich das Fahrzeug vor Ort nicht reparieren lassen, wird es stillgelegt. Der Fahrer und das südpfälzische Unternehmen müssen nun mit empfindlichen Strafen rechnen.

Erinnerung an Unglück in Herford

Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden, und seine Kollegen schauen sich an diesem Dienstag hauptsächlich Gefahrguttransporte genau an. Er erinnert sich an einen großen Unfall eines Tanklasters vor 30 Jahren, als am 8. Juli 1987 ein Tanklaster mit 28.000 Liter Benzin und 6.000 Liter Diesel in ein Herborner Café krachte. Die Bilanz: zwei Tote und 38 Schwerverletzte waren zu beklagen sowie ein Gesamtschaden von zehn Millionen Euro. Durchschnittlich 115 Verkehrsunfälle mit Gefahrgut geschehen jedes Jahr bundesweit, die Hälfte davon auf Autobahnen. „Dass es so wenig Unfälle sind, ist den Firmen zu verdanken, die ihr Personal schulen und auf eine entsprechende Kennzeichnung Wert legen“, lobt Westermann.

30 Beamte im Einsatz

Dennoch komme es hin und wieder zu Verstößen. Einmal jährlich unternimmt die Polizei größere Kontrollen im Bereich des Präsidiums Offenburg, ansonsten folgen tägliche Stichproben. Insgesamt 30 Beamte aus verschiedenen Fachabteilungen sind an diesem Dienstag auf dem Rastplatz Feldmatt im Einsatz. Darunter Experten der Wasserschutzpolizei Stuttgart, aus dem dieses Jahr neu gegründeten Kompetenzteam „Gefahrgut“, dem Eichamt sowie von der Bundesanstalt für Güterfachverkehr, um die Lenkzeiten der Fahrer zu kontrollieren.

Fahrer vergisst Gefahrgutdeklaration

Von einem Kontrollpunkt nach der Ausfahrt Bühl lenken zwei Motorradfahrer immer wieder Lastwagen aus dem Verkehrsfluss der A5 gen Süden und führen sie zur Raststätte. Die Lkw-Parkplätze füllen sich nach und nach. Bis zu 30 Minuten dauert die Kontrolle eines Transporters. Zunächst kontrollieren die Beamten sämtliche Papiere. Darunter insbesondere der Berechtigungsschein, ob der Fahrer überhaupt Gefahrgut transportieren darf, sowie die Warendeklaration. Pech für einen Fahrer aus Luzern: Er soll Bitumen von Karlsruhe nach Offenburg liefern und dann weiter in die Schweiz. Entsprechende Papiere hat er indes nicht dabei, die hätte er nach eigenen Angaben erst von dem Spediteur in Offenburg bekommen.
Die Polizisten bleiben streng: „Nach dem Gesetz zum Transport von Gefahrgut müssen immer entsprechende Deklarationen dabei sein“, betont Michael Walter. Der Schweizer muss 150 Euro Strafe zahlen, seine Firma zwischen 300 und 500 Euro. Der Mann sieht es gelassen: „Bei uns in der Schweiz wäre das Vierfache fällig.“ In der Zwischenzeit schreibt er die Deklaration, selbst einen Firmenstempel hat er in seinem Führerhaus parat. „Beim Beladen des Fahrzeugs habe er schlicht vergessen, das entsprechende Formular auszufüllen“, so Walter.

Feuerwerksköper an Bord

Die Kontrolle unterstreicht die Vielfalt des Begriffs „Gefahrgut“: „Hierbei handelt es sich nicht nur um Mineralöle, die einen Großteil ausmachen“, erklärt Klaus Hornung von der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden. Auch Flüssiggase, Batterien oder Sprengstoff werden täglich auf den Autobahnen transportiert.
Feuerwerkskörper hat ein Fahrer aus dem Erzgebirge an Bord. Ein Viereck mit einer explodierenden Kugel weist auf die gefährliche Fracht hin. Die Beamten haben nichts zu beanstanden, die Ladung ist vorbildlich gesichert. Auch sonstige Sicherheitsutensilien hat er dabei, wie Schutzhelme, Antistatische Schuhe, Feuerlöscher und Spülflüssigkeit für die Augen.

Nummern kennzeichnen Gefahrgutkategorien

Nummern auf orangenen Warntafeln geben die Kategorien an, ob die Fracht ätzend, brennbar oder explosiv ist. Sämtliche Fracht zu kontrollieren sei aus gesundheitlichen Gründen kompliziert: „Wir müssen darauf vertrauen, dass sich deklarierte Fracht auch in einem Tanklastzug befindet“, betont Hornung. Auch die Unternehmen hätten ein Interesse an korrekt deklarierter Ware, da im Schadensfall hohe Regressforderungen auf sie zukämen. Hornung lobt den kollegiale Umgang mit den Fahrern: „Bei den meisten stoßen wir auf Verständnis.“

57 kontrollierte Lkws, 40 Verstöße

Die Bilanz: insgesamt stellten die Polizisten der Polizeipräsidien Karlsruhe, Mannheim, Tuttlingen und Offenburg bei 57 kontrollierten Lastwagen zwischen 9 und 15 Uhr etwa 40 Verstöße fest. Die Mehrzahl der Mängel haben Bußgelder zur Folge, teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg mit.