Einen der beiden Erdgas-Druckbehälter aus Kunststoff hatte es regelrecht zerrissen. Ein weiterer Tank liegt beschädigt daneben. | Foto: Roland Spether

Erdgas-Tankunglück in Achern

Fahrer trifft wohl keine Schuld

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Bei der juristischen Aufarbeitung des Acherner Erdgas-Tankunglücks an Heiligabend 2018 hat das Landgericht Baden-Baden die Sichtweise des Amtsgerichts Achern bestätigt: Nach Erkenntnissen der Behörde hat der Fahrer des mit Erdgas betriebenen Audis seinerzeit keine Sprengstoffexplosion fahrlässig herbeigeführt. Die Richter wiesen die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Baden-Baden gegen das Acherner Amtsgericht zurück. Letzteres hatte am 27. Mai festgestellt, dass dem Fahrer des Unglücks-Audi kein fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen sei.

Fahrer fuhr nicht auf eigene Rechnung

Wie aus der Begründung, die dieser Zeitung vorliegt, zu entnehmen ist, könne weder „die Haltereigenschaft des Angeschultigten noch eine von ihm objektive Sorgfaltspflichtverletzung und der erforderliche Pflichtwidrigkeitszusammenhang hinreichend sicher festgestellt werden“. Der Fahrer habe den Audi nicht auf eigene Rechnung genutzt. Das Erdgas-Auto war ein Firmenfahrzeug eines Kehler Unternehmers, der in der Hauptverhandlung bezüglich der Haftungsfrage die Aussage verweigerte.

Obligatorische Kontrolle blieb aus

Zudem sei der Halter bei Erdgas-Autos nach jeder Reparatur zu einer umfangreichen Prüfung der Gasanlage verpflichtet. Dass Letztere durch den Vorschaden mutmaßlich defekt war, wurde weder von der Werkstatt noch von dem Gutachter festgestellt, sodass die obligatorische Prüfung der Anlage durch geschultes Personal nicht für erforderlich erachtet wurde. Dafür sei der Fahrer nicht verantwortlich.

Erdgas-Auto hatte Vorschaden

Allerdings ist nach Erkenntnis des Landgerichts nicht zu belegen, ob der reparierte Vorschaden am Auto, insbesondere der Bruch der Druckbehälterabdeckung, tatsächlich zum Bersten des Tanks führte.

Knapp an Katastrophe vorbei

Wie ausführlich berichtet, kam es an Heiligabend am Acherner Euro-Rasthof zu einem Erdgas-Tankunglück. Dabei barst während des Betankens an einem Audi g-tron der Erdgastank. Der Fahrer erlitt seinerzeit schwere Verletzungen. Zu einem größeren Unglück ist es nicht gekommen, weil sich weitere Personen im Tankstellengebäude aufhielten. Wie sich bereits früh herausstellte, hatte das Fahrzeug einen Heckschaden, der vor dem Tankunglück repariert wurde. Ein obligatorisches Gutachten des Gassystems blieb aus. Ein Gutachter stellte zudem eine offene Schraubverbindung in der Zuleitung des Gassystems fest. Trotzdem hatte die Staatsanwaltschaft Baden-Baden den Fahrer wegen des „Herbeiführens einer Sprengstoffexpolsion“ angeklagt. Dieser Auffassung folgte das Acherner Amtsgericht nicht und sprach den Fahrer frei. Das Landgericht Baden-Baden als höhere Instanz bestätigte das Acherner Urteil.