Gut aufgestellt sieht Oberbürgermeister Hubert Schnurr das Bühler Krankenhaus. Irritiert ist er indes über einige Äußerungen aus dem Ortenaukreis. | Foto: Margull

Bühler OB zu Krankenhausreform

„Fake News aus dem Ortenaukreis“

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Aus allen Wolken fiel Oberbürgermeister Hubert Schnurr bei der morgendlichen Zeitungslektüre. „Ich bin schier durch die Decke gegangen“, kommentiert der Bühler Rathauschef verärgert Äußerungen aus dem Ortenaukreis zur dortigen Klinikreform, über die der Acher- und Bühler Bote berichtete. „Wir waren zu keiner Zeit involviert“, stellt Schnurr klar.
GAL-Stadtrat Ludwig Löschner hatte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates das Thema angesprochen und wollte von der Verwaltung wissen, ob die geplanten Veränderungen im südlichen Landkreis Auswirkungen auf Bühl hätten. Wie berichtet, will der Ortenaukreis bis 2030 vier von acht Klinikstandorten streichen (Ettenheim, Oberkirch, Kehl und Gengenbach). Gleichzeitig sollen die Krankenhäuser in Lahr und Offenburg zu Häusern der Maximalversorgung ausgebaut werden. Der Kreis will im Zuge dieser Reform rund 600 Millionen Euro investieren – vorausgesetzt, das Land bezuschusst zwei geplante Neubauten in Achern und Offenburg wie erwartet. Am vergangenen Dienstag hatte der Krankenhausausschuss des Kreistags in Offenburg mit großer Mehrheit entsprechende Beschlüsse gefasst.
In der Diskussion vorab wurden auch Zweifel geäußert, dass das Land Bühl und Achern zugleich fördert. Der Acherner OB Klaus Muttach hatte sich in der Sitzung gegen die „Legendenbildung“ gewandt, nicht mit dem Klinikum Mittelbaden als Betreiber des Bühler Hauses zu sprechen. Auch Landrat Frank Scherer versicherte: „Wir sind ständig im Gespräch mit Bühl“.

Mit uns fanden keine Gespräche statt

Davon kann laut Auskunft des Bühler Oberbürgermeisters indes keine Rede sein. „Mit uns fanden keine Gespräche statt“, stellt Schnurr klar und spricht gegenüber dieser Zeitung gar von „Fake News aus dem Ortenaukreis“.
Deutlich Worte hatte der Bühler Verwaltungschef bereits in der Ratssitzung am Mittwochabend gefunden. Als „unterirdisch“ kennzeichnete er die Äußerungen aus dem benachbarten südlichen Landkreis. „Unter Kollegen macht man das nicht.“ Den letzten Kontakt mit dem Acherner OB Klaus Muttach habe er beim Neujahresempfang in der Hornisgrindestadt gehabt, ein Gespräch zwischen den beiden Landräten gab es seinen Ausführungen zufolge Mitte Mai am Rande einer Nationalparkratssitzung in Freudenstadt.

Kritik auch aus dem Bühler Gemeinderat

„Den Frust kann ich verstehen. Die Streitereien zwischen dem Landkreis Rastatt und dem Ortenaukreis gehen unter die Gürtellinie“, sagte Margret Burget-Behm (CDU). Eigentlich wäre es Sache des Landes, hier einzugreifen, doch die Landesregierung „scheint abzutauchen.“ Stefan Böckeler (FDP) warnte davor, jetzt Scherben zu zerschlagen. OB Schnurr dazu: „An uns liegt es nicht“.

Stadt und Landkreis kündigen gemeinsamen Termin an

Auch mit dem Landkreis Rastatt, bestätigte Pressesprecherin Gisela Merk-linger auf ABB-Anfrage, habe es keine Gespräche gegeben. Wie OB Schnurr verwies sie auf ein gemeinsames Pressegespräch in der ersten Juli-Woche in Bühl, bei dem das Landratsamt Rastatt, die Geschäftsführung des Klinikums Mittelbaden und die Stadt näher Stellung beziehen wollen. Bis dahin wollen sich weder Stadt noch Landkreis weiter inhaltlich dazu äußern.
OB Schnurr mahnt indes mit Blick auf die im Ortenaukreis ins Auge gefasste Neuordnung der Kliniklandschaft eine Abstimmung über die Kreisgrenzen an: „Wir sind als Teil des Klinikums Mittelbaden gut aufgestellt. Es wäre fatal, wenn Achern ein ähnliches Angebot aufstellen würde.“