Anlagen für den Bogensport – ein Platz in Waldulm und eine Halle beim Schützenhaus – würden den vor der Auflösung stehenden Verein der Rodeckschützen insgesamt rund 140 000 Euro kosten. | Foto: dpa

Rücktritt: Fehlende Nachfolger

Fast 100 Jahre alter Verein der Rodeckschützen verliert Vorstand

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Der beinahe ein Jahrhundert alte Verein der Rodeckschützen aus Kappelrodeck hat keinen Vorstand mehr. Das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Kappelrodecker Schützenvereins am Freitag – die nicht öffentlich stattfand. Grund für den Rücktritt des Vorstands sind fehlende Nachfolger.

Von unserer Mitarbeiterin Alessandra Hamsch

Aufgrund der Brisanz der Themen habe man für den Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden, teilte Schriftführer Bernd Stumpp knapp vor der Sitzung mit. Die Stimmung vor Ort war aufgeladen. Ist der Verein bald Geschichte? Hubert Pfeifer, viele Jahre Mitglied und ehemaliger Vorsitzender, war am Samstag zu einer telefonischen Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung bereit.

Vereinszukunft ungewiss

Schon bei der jüngsten Jahreshauptversammlung wurde klar: Die Vereinszukunft ist ungewiss. Nicht alle Vorstandsposten konnten besetzt werden. Hubert Pfeifer, der bereits 2017 nach 27 Jahren als Oberschützenmeister verabschiedet wurde, musste 2018 wieder ins Amt zurückkehren und als stellvertretender Vorsitzender die Verantwortung tragen. Denn der Verein steht bis dato ohne Vorstand da.

Der Verein bleibt im Moment noch bestehen

Keine Lösung bei Mitgliederversammlung

Die letzten beiden Amtsinhaber seit dem Rücktritt Pfeifers, Martin Schneider und später Marcel Kornau, hatten nach kurzer Zeit jeweils ihr Amt niedergelegt. Bereits im Vorfeld hatte sich niemand bereit erklärt dieses zu übernehmen. Die außerordentliche Mitgliederversammlung sollte nun eine Lösung in der Vorstandsfrage bringen, aber auch die Sitzung am Freitag fiel ernüchternd aus.

Pfeifer als Stellvertreter eingesprungen

„Es ist absolut kein Vorstand gefunden worden“, so Hubert Pfeifer auf ABB-Anfrage. „Ich bin als stellvertretender Vorsitzender eingesprungen, weil der Verein sonst einen Zwangsvorstand bekommen hätte.“ Am Freitag kam es deshalb zur Abstimmung über die Auflösung des Vereins. Aber auch in diesem Punkt konnte man sich nicht einigen und eine Mehrheit finden. „Der Verein bleibt im Moment noch bestehen“, so Pfeifer.

Auflösung oder Zwangsvorstand

Aufgrund der Ereignisse sei der komplette Vorstand mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Hubert Pfeifer, Schriftführer Bernd Stumpp sowie Hauptschießleiter Jennifer Huber mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der Verein hat damit keinen geschäftsführenden Vorstand mehr. „Das Registergericht in Mannheim muss jetzt einen Zwangsvorstand beschließen oder die Vereinsauflösung durchführen“, so Pfeifer.

Es liegt nicht in unserer Hand

Verein bald 100 Jahre alt

In zwei Jahren hätte der Verein eigentlich sein 100-jähriges Bestehen feiern können. Aber die sinkenden Mitgliederzahlen und die nicht vorhandene Bereitschaft vieler Mitglieder, sich am Vereinsleben zu beteiligen, steuern auf das Unausweichliche zu. Zudem kämen mit dem Bau eines Bogenplatzes im Sportpark Waldulm und einer Bogenhalle beim Schützenhaus Kosten in Höhe von rund 140 000 Euro zu, wie bei der jüngsten Jahreshauptversammlung zu hören war. „Es liegt nicht mehr in unserer Hand“, stellt Hubert Pfeifer fest. Mit Ernüchterung und einem gewissen Bedauern gesteht er: „Irgendwann ist einfach mal gut.“