SPEKTAKULÄRE SHOWS sind genau das Ding von Stephan Vogt mit seiner SAV pyrotechnik-Gruppe aus Willstätt. Das Foto zeigt einen Auftritt des US-Stars Pink. Aber auch Unternehmen oder Filmproduzenten buchen den Oberkircher. | Foto: dpa

SAV pyrotechnik Willstätt

Feuerwerke aus Baden für die Welt

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Heute Nacht lässt es Stephan Vogt wieder auf mehren Kontinenten puffen, sprühen, funken und zischen: Gäste von drei TUI-Kreuzfahrtschiffen in Asien und in der Karibik werden staunen über die Großfeuerwerke des Badeners. Dazu kommen aktuell zwei Silvester-Spektakel im Europa-Park und eines im Hotel Bareiss. Damit endet für Vogt ein sehr gutes Geschäftsjahr, wie er sagt.

Das glaubt man ihm sofort. Es war ganz schön schwierig, einen Termin mit ihm zu finden, so oft war der Chef der SAV pyrotechnik-Gruppe unterwegs. Zuletzt arbeitete er für Joko & Klaas, für Carmen Nebel, für den Media-Markt, für TV-Krimi-Produktionen, für die José Carreras-Gala. Letztlich hat es aber doch noch mit einem Treffen in seiner Firma in Willstätt geklappt. Auf seinem Besprechungstisch liegen neben Bühnenplänen auch zwei Filmwaffen. „Die lege ich mal weg, die sehen so gefährlich aus“, sagt er. Auf dem Boden stapeln sich Leitungen, und die „Pussycat Dolls“ haben ihm ein Foto von einem Auftritt mit fulminantem Feuerwerk geschenkt, das eine Wand ziert.

SAV hat so gut wie alle Fernsehsender als Kunden

Der diplomierte Theater- und Veranstaltungstechniker ist prima im Geschäft: Für über 2 000 Fernsehshows hat er seit 1997 Bühnenfeuerwerke, Bodennebel und andere Effekte gezaubert. Das ZDF, der SWR und die Oberkircher Produktionsfirma Kimmig-Entertainment („Die Helene-Fischer-Show“) zählen hier zu seinen wichtigsten Stammkunden.

Vogt ist aber auch Feuer und Flamme, was Spezialeffekte für Film- und Fernsehsendungen angeht: Einschüsse, Explosionen, Brandsimulationen, Effekte wie Nebel, Schnee und Wind zaubern er und seine bis zu 40 freien Mitarbeiter für „Tatort“, „SoKo Stuttgart“ oder „Dr. Klein“. Neuerdings leiht er für TV-Produktionen auch Feuerwehr-, Kranken- und Maskenwagen samt Fachpersonal aus.

Mehrere Standbeine

Hinzu kommen noch die Sparte Bühnenpyrotechnik – mit Auftraggebern wie Oper Straßburg oder Festspielhaus Baden-Baden – und Großfeuerwerke für Firmen- und Familienfeiern.
In Deutschland gebe es gerade einmal eine handvoll Spezialfirmen, die diese Sparten alle abdecken. Mit seiner vergleichsweise kleinen SAV-Gruppe sei er schlank und flexibel – das ist ein Vorteil, weil die Fernsehsender bekanntlich sparen „und das Geschäft immer kurzlebiger wird“. Vogt ist aber auch mit Feuereifer bei fast allen Produktionen selbst dabei. „Viele Kunden legen Wert darauf, dass man als Chef vor Ort ist.“ Und so blickt er im Filmland Baden-Württemberg auch optimistisch in seine unternehmerische Zukunft – zumal er mit den verschiedenen Standbeinen auch Risiken minimiert.

Zehn Jahre lang für „Wetten, dass…?“ tätig

Wer zehn Jahre lang bei „Wetten, dass…?“ dafür gesorgt hat, dass es neben Weltstars kracht, pufft und sprüht, kennt die Glamour-Welt. Wer für Edeka, Rewe, Daimler und Coca-Cola mit Feuer zaubert, kennt die Wirtschafts-Welt. Und wer sogar in Australien auf dem ehemaligen „Traumschiff“ Raketen zündete, kennt auch alle Kontinente. Der gebürtige Badener Vogt kommt aber immer wieder gerne in seinen Wohnort Oberkirch zurück. „Das erdet mich total“, sagt er. Seine Frau Bianca ist der kreative Kopf der Firma. Sie programmiert auch die Abläufe, damit die Feuerwerke wie geplant Funken und Effekte schlagen. In Oberkirch haben die Vogts Hund und Pferde, was auch der dreijährige Sohn genießt.

Der 46-Jährige Badener könnte auch in den USA in seiner Branche arbeiten. Angebote gab es schon zu Zeiten, als er dort Praktika absolvierte. Oder in Berlin, wo er neben dem Studium für die Deutsche Oper und für die Volksbühne jobbte. Als Jugendlicher hat er übrigens weniger gezündelt. „Da hatte ich eher Respekt davor“, sagt Vogt. Aber er sorgte als 15-Jähriger für Licht und Ton bei rollenden Discos, Modenschauen und Tanzveranstaltungen. Damals wurde ich gefragt: „Kannst Du auch Bühnenfeuerwerke?“ In Deutschland seien die seinerzeit noch ziemlich unbekannt gewesen. „Kiss, die Rolling Stones und Pink Floyd haben das in den USA alles vorgemacht.“ In den Staaten hat Vogt denn auch eine Ausbildung zum Großfeuerwerker absolviert.

Von den geknüpften Kontakten profitiert Vogt auch heute noch: Ein guter Freund habe beispielsweise alle großen Las Vegas-Shows ausgestattet und betreue Disney. Partnerfirmen in der Karibik und in Asien helfen, wenn Vogt dort für Feuerzauber sorgen soll. Schließlich konzipiert und verwirklicht er nicht nur eindrucksvolle Shows – er muss sie auch von den Behörden am jeweiligen Einsatzort genehmigen lassen. „Jede Veranstaltung ist eine neue Herausforderung“, sagt Vogt. „Jede Produktion ist nicht gleich.“ Und deshalb findet er es auch spannend, es heute an Silvester mit seinem Team an so unterschiedlichen Orten wieder richtig krachen zu lassen.

 

Okay, es gibt sie wirklich: Weltstars, die gehfaul sind und sich per Golfwagen durch die Veranstaltungshalle zur Bühne fahren lassen. Die einen über den Durst getrunken haben oder zugekifft kaum noch etwas von sich und der Welt mitbekommen. „Ist halt Rock ’n’ Roll“, sagt Stephan Vogt – und würde nie und nimmer Details preisgeben. Aber wer wie er mit seiner Firma SAV pyrotechnik seit 1996 für Film und Fernsehen arbeitet, kann auch Nettes und Anekdoten erzählen.

Helene Fischer zum Beispiel sei „sehr diszipliniert, aber auch sehr locker. Von ihr gibt es immer ein ,Bitte’ und ein ,Danke’.“ Auch nett: die Schauspieler Will Smith und Kevin Kostner. Hugh Jackman habe seiner Frau Bianca Vogt geholfen, einen Bodennebelschlauch auf der Bühne aufzubauen. John Bon Jovi mit ihnen gemeinsam ein Bierchen getrunken und sich für den Pyrotechniker-Job interessiert.
Jennifer Lopez habe er bei einem Gig unnahbar erlebt: „Man durfte nicht direkt mit ihr sprechen und sie hat sich über den Sand tragen lassen, damit die Pumps geschont werden.“ Ein Jahr später erlebte er sie wie ausgewechselt: In der Jogging-Hose saß sie im Schneidersitz auf der Bühne und stellte ihrer Mannschaft Stephan Vogt freundlich vor. Es menschelt halt überall.

So wie bei Lionel Richie. Die Pop-Legende war auf ihrem eigenen Dixi-Klo – just, als ein Stapler-Fahrer dies wegtransportieren sollte. Als das Häuschen wackelte, bat Richie aus dem stillen Örtchen lautstark um „just five minutes“. Oder das Stimm-Wunder Rihanna: Die hatte gleich vier Bühnen-Manager, die Vogt, gelinde gesagt, bis in die späte Nacht mit immer neuen Wünschen auf Trab hielten. Letztlich hat sich der Badener mit seiner Expertise aber durchgesetzt. Und Rihanna selbst? „Die war ganz locker.“