Sanierungsbeginn: Nikolas Stoermer, Erster Landesbeamter des Landratsamts (sitzend), nimmt die mit einem Computer gesteuerte Filteranlage in Betrieb. | Foto: Christian Schäfer

Sanierung in Rheinbischofsheim

Filteranlage reinigt 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde

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Die Reinigung des mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) verseuchten Grundwassers in Rheinbischofsheim hat offiziell begonnen. Der Erste Landesbeamte des Ortenaukreises, Nikolas Stoermer, nahm an diesem Montag nach dreijähriger Planung und einer langwierigen Standortsuche die Filteranlage hinter dem Feuerwehrgerätehaus am Schloßplatz in Betrieb. Bis zu zwei Millionen Euro kostet die Sanierungsmaßnahme, die zwischen zehn und 15 Jahre dauern könnte. Das Land übernimmt einen Großteil der Kosten. Der für den Schaden nicht verantwortliche heutige Besitzer der ehemaligen Wäscherei kommt für den Anteil bis zum Verkaufswert des Grundstücks auf.

Wie berichtet, gelangte von der ehemaligen Reinigung Berger in der Hauptstraße zwischen 1969 und 1986 CKW in das Grundwasser. Von dort breitete sich eine trichterförmige verseuchte, 250 Meter lange und bis zu 150 Meter breite CKW-Fahne in nordwestliche Richtung aus. Die gute Nachricht: Seit der Inbetriebnahme der Absaugpegel und Abwehrbrunnen am Schadensherd fließt kein weiteres CKW mehr nach. Das im Boden befindliche restliche CKW innerhalb der Schadensfahne verdünnt sich.

CKW in Schadensfahne verdünnt sich

Unmittelbar hinter der chemischen Reinigung ermittelte das Landratsamt eine CKW-Konzentration von 4.150 Mikrogramm pro Liter. Mit jedem Meter Richtung Nordwesten der Grundwasserfließrichtung nimmt die Konzentration ab. So werden am Ortsrand entlang der Weiherstraße noch zwischen 1,8 und 0,3 Mikrogramm pro Liter gemessen. Zum Vergleich: Der bodenschutzrechtliche Grenzwert liegt bei zehn Mikrogramm pro Liter. Wann aus den Brunnen betroffener Gärten wieder Wasser für das Gießen entnommen werden kann, ist unklar, das Landratsamt rät zur Geduld. In regelmäßigen Abständen dokumentieren Bodenproben den Verlauf des Schadensabbaus.

Kreisweit 516 weitere Altlasten

Wie Nikolas Stoermer betonte, sind in den vergangenen 30 Jahren kreisweit 188 Sanierungsfälle abgeschlossen worden. Derzeit bearbeitet das Landratsamt 29 weitere Fälle. Nach Angaben des Ersten Landesbeamten sollen 516 weitere Altlasten untersucht werden.

Lindenplatz war keine Option

Für die Reinigungsanlage in Rheinbischofsheim waren etwa 2.000 Meter Wasserleitungen und Elektrokabel notwendig. Da die Platzverhältnisse im Ortskern beengt sind, konnte die Filteranlage nicht unmittelbar am Schadensherd installiert werden. Daraus resultierte eine umfangreiche Standortsuche, 14 Grundstücke nahmen Land, Kreis und Ortsverwaltung unter die Lupe. Der Lindenplatz in der Nähe schied aus, da es sich laut Ortsvorsteher Robert Reifschneider um eine zentrale Stelle im Ort handelt, wo Feste wie der Jahrmarkt gefeiert werden.

Leitungsführung für die Grundwasserreinigung in Rheinbischofsheim

Hoher Schallschutz

Zudem galt es, die Lärm der Filteranlage so gering wie möglich zu halten, um Anwohner nicht zu beeinträchtigen. Schließlich einigte man sich auf den 150 Meter entfernten Platz hinter dem Feuerwehrgerätehaus an der Graf-Rheinhard-Halle. Einen besonderen Dank sprachen die Beteiligten an die Familie Matz auf. Sie stellte unweit der ehemaligen Reinigung ihr Grundstück für den Bau der 15 Meter tiefe Abwehrbrunnen zur Verfügung. Letztere verhindern, dass sich weiterhin mit CKW kontaminierte Wasser ausbreitet. Sieben Absaugpegel direkt im Schadensherd entziehen das höchste Konzentrat an Schadstoffen. Unterirdische Rohre leiten eine Menge von 20 Kubikmeter pro Stunde in die Container-Anlage. Dort absorbiert eine zweistufige Aktivkohlefilteranlage das CKW, weitere Filter lösen Eisen und feine Sande. Das gereinigte Wasser gelangt aus der Anlage in den Galgenbach.

Anlage überwacht sich selbst

Bei einer Störung schaltet sich die Anlage selbst ab und meldet Komplikationen per Datenübertragung an die Betreiberfirma sowie ans Landratsamt. Eine ständige Überwachung durch Experten und Wartungspersonal vor Ort ist nicht vorgesehen.