Unterwegs in grandioser Naturkulisse – begeistert waren die Expeditionsteilnehmer von der Antarktischen Halbinsel | Foto: Ralf Dujmovits

Expedition in die Antarktis

Flitterwochen bei Walen und Pinguinen

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„Es war viel zu warm für steile Bergtouren“, berichtet Ralf Dujmovits. Dafür wurden der Bühler Bergsteiger und die Kanadierin Nancy Hansen im Eis der Antarktis mit ganz anderen faszinierenden Erlebnissen entschädigt: Die hautnahe Begegnung mit Buckelwalen, neugierigen Pinguinen, Robben, Seeleoparden und -elefanten machten die wetterbedingt nicht möglichen Gipfelanstiege mehr als wett. „Ich hätte nie gedacht, dass man der Tierwelt so nahe sein kann“, schwärmt Dujmovits.

Hochzeit kurz vor dem Expeditionsstart

Die beiden frisch vermählten Bergsteiger begleiteten eine international besetzte Expedition, die als erste zu Fuß das Plateau der Antarktischen Halbinsel durchquerte. Das war vorher nur mit Hundeschlitten gelungen. Mit dem Expeditions-Segelboot „Icebird“ ging es zunächst von Ushuaia am südlichsten Zipfel Südamerikas durch die Drake-Passage, und diese zeigte sich von ihren unterschiedlichsten Seiten. Nach starkem Seegang – und dadurch bedingter heftiger Seekrankheit – herrschte Flaute auf der berüchtigten Meeresstraße zwischen Kap Horn und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel, sodass an zwei von dreieinhalb Tagen der Hilfsmotor des Bootes zugeschaltet werden musste.

Schwieriger Aufstieg auf 2000 Höhenmeter

Der Aufstieg auf das 2 000 Meter hohe Plateau war dann anstrengender als erwartet, denn die Expedition hatte viel Gepäck dabei. Jeweils 80 Kilogramm zogen die Bergsteiger fünf Tage auf ihren Schlitten durch das spaltenreiche, unbekannte Gelände, und brachten die sechs Expeditionsteilnehmer zum Ausgangspunkt der dreiwöchigen Durchquerung. Bei dieser selbst waren Dujmovits und Hansen nicht dabei, sie wollten vielmehr die Zeit nutzen, um mit dem Segelboot der australischer Skipperin und ihres spanischen Assistenten zu einigen Bergen in unberührtem Terrain zu gelangen.

Wärme verhindert Gipfeltouren

So bestiegen sie den 1 000 Meter hohen Mount Hoek am nördlichen Ende der Bucht Paradise Harbour, wo auch die chilenische Forschungsstation González Videla liegt. Auf der Booth-Insel hatten sie sich die Erstbesteigung des Südgipfels des Wandel Peak (980 Metern) vorgenommen. Doch die warmen Temperaturen setzten dem Aufstieg im supersteilen Couloir ein Ende: „Wir konnten den Eispickel horizontal ins Eis stecken– zu gefährlich, eine Sicherung mittels Eisschrauben war nicht möglich.“ Auch die Wissenschaftler der beiden Forschungsstationen, welche die Bergsteiger um Verlauf ihrer Expedition besuchten, registrieren eine Erwärmung um sechs Grad Celsius, seit sie in dieser Region tätig sind. Bevor es weiter zur Vernadski-Station (Ukraine) durchs Treibeis ging, genossen die Bergsteiger die steile Skiabfahrt vom Mount Demaria: 1000 Meter ging es direkt auf das Meer zu.

Segelboot im Treibeis

Das Treibeis sollte im weiteren Verlauf der Expedition zu einer besonderen Herausforderung werden. In der Bucht vor der Station der ukrainischen Forscher war die Eisdecke schon fast geschlossen und beim Versuch, mit dem Boot herauszukommen, gab das Getriebe den Geist auf. Das Kreuzfahrtschiff „Ocean Nova“ hatte den Notruf aufgefangen und schleppte das Segelboot zur sechs Stunden entfernten chilenischen Forschungsstation. Aber auch dort war der Schaden nicht zu reparieren.

Mit Kajaks zu dem Walen

Die Ausflüge mit dem Seekajak in der Bucht Paradise Harbor waren für Dujmovits das „absolute Highlight“ seines sechsten Aufenthaltes in der Antarktis. Direkt neben den paddelnden Bergsteigern tauchten Buckelwale auf. Hautnah erlebten sie die bis zu 15 Meter langen Riesen der Meere. Dujmovits: „Total eindrucksvoll, und der Puls ging auf 180 hoch – das war der Mega-Tag.“
Noch immer war das Segelboot defekt, aber die Abenteuer sollten ja nach ihrer Durchquerung wieder abgeholt werden. Der Zufall wollte es: Ein Fotograf war gerade zu der Zeit mit seinem Boot auf Fotosafari und sprang in die Bresche, sodass die sechs Expeditionsteilnehmer wieder sicher vom Plateau herunterbracht werden konnten. In der Zwischenzeit hatte die Skipperin der „Icebird“ ein polnisches Schiff organisiert, das die Expeditionsteilnehmer zu ihrem noch immer vor der chilenischen Forschungsstation liegenden defekten Boot brachte.

Im Schlepptau zurück nach Feuerland

Im Schlepptau weiterer Schiffe ging es sechs Tage durch die Drake-Passage – die angesichts der Flaute in Drake-Lake umgetauft wurde – zurück nach Feuerland. „Trotz Flaute und Ärger mit dem Getriebe, wir haben es wirklich genossen“, sagt Dujmovits. Mit einigen Kletterpartien im Nationalpark Los Glaciares (Patagonien) beendeten er und Nancy Hansen ihre zweimonatige Reise. „Das waren unsere Flitterwochen“, so Dujmovits. Am 15. Dezember, kurz vor Expeditionsstart, hatten sich die beiden Bergsteiger auf dem Bühler Standesamt das Ja-Wort gegeben.