Sternfotografie Fotokurs Nationalpark
Freie Sicht auf die Milchstraße hatten sich die Kursteilnehmer – wie bei diesem älteren Bild – am Schliffkopf erhofft. | Foto: Photoworks Freudenstadt/Günther

Konflikt mit Naturschutz

Fotoclub darf im Nationalpark keinen Sternfotografie-Kurs anbieten

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Ein wolkenloser Nachthimmel, kein störendes Licht von Lampen oder Autos, dafür aber freie Sicht und vielleicht das perfekte Bild von der Milchstraße – so hatten sich die Mitglieder des Fotoclubs Photoworks aus Freudenstadt ihren Kursabend auf dem Schliffkopf vorgestellt.

Der nächtliche Sternenfotografie-Workshop sollte am Wochenende vom 14. auf 15. April am Aussichtspunkt oberhalb des Schliffkopfhotels stattfinden, gut zu erreichen über die Wanderwege, die Autos auf dem Hotel-Parkplatz. Der Verein hatte alles organisiert und über seine Facebookseite angekündigt. Einen Tag vorher kommt der Anruf des Nationalparks Schwarzwald: Der Kurs kann aus Naturschutzgründen nicht stattfinden. Betroffen seien nicht nur der Nationalpark, sondern auch das FFH-Gebiet „Wilder See – Hornisgrinde und Oberes Murgtal“ sowie das Vogelschutzgebiet Nordschwarzwald (Natura 2000). Die Astrofotografie würde die Schutzgebiete erheblich beeinträchtigen.

Kein Verständnis für eine Jagd im Park

Auf Facebook verkündet die Vereinsführung die Absage. Darunter entbrennt in den Kommentaren eine wütende Diskussion, auch, weil eine Fernsehsendung auftaucht, in der über die Drückjagd im Nationalparkgebiet berichtet wird. Eine Jagd soll erlaubt sein, aber nicht sechs Fotografen, die sich des sensiblen Gebiets bewusst sind? Die Vereinsmitglieder und viele weitere Fotografen machen ihrem Unverständnis deutlich Luft. „Das wurde ein Selbstläufer und war nicht unsere Absicht“, sagen die Vereinsvorsitzende Simone Weniger und ihre Stellvertreterin Anne Wurster.

Besonderer Schutz für Auerwild in der Balzzeit

„Alle organisierten Veranstaltungen, zu denen öffentlich eingeladen wird, müssen genehmigt werden“, erklärt Nationalpark-Sprecherin Franziska Schick. Aber auch mit einer Anmeldung hätte der Fotokurs keine Genehmigung erhalten: Das Frühjahr sei für das Auerwild, das auf den Grindenflächen wie dem Schliffkopf zu Hause ist, eine besonders sensible Zeit: Während der Balz der Tiere sollen Stress und jede unnötige Aufruhr vermieden werden – gerade nachts. „Der Nationalpark macht selbst nachts so wenig wie möglich. Das Gebiet soll weiterhin das Schlafzimmer der Tiere sein.“ Zur Jagd sei man in dieser Region verpflichtet. Sie finde aber eben nicht zur Balzzeit statt, sondern im Oktober und November und darüber hinaus zeitlich noch stärker begrenzt als vorgeschrieben, so Schick.

Wogen glätten sich nach einem Gespräch

Die beiden Fotoclub-Vorsitzenden sind nach einem Gespräch mit der Nationalparkverwaltung am Dienstag positiv gestimmt: „Wir sind jetzt aufgeklärter und wissen, dass wir Genehmigungen einholen müssen“, sagt Simone Weniger. Außerdem habe man auf eine Lücke hinweisen können: „Mountainbiker, Schneeschuhwanderer und viele andere hat man beim Nationalpark auf dem Schirm, aber nicht die Fotografen; jetzt haben wir auf uns aufmerksam gemacht.“

Infoabend und Ansprechpartner vorgeschlagen

Bisher gab es weder Informationsmaterial oder Hinweise zu Geboten und Verboten für das Fotografieren im Schutzgebiet noch einen Ansprechpartner. Im Gespräch mit der Parkverwaltung hätten sie zum Beispiel auch einen Infoabend für Fotografen und gerade für Fotoclubs vorgeschlagen, sagen Simone Weniger und Anne Wurster. „Gegenseitige Rücksicht ist wichtig. Der Nationalpark hat erkannt, wie groß das Interesse ist; wir sind auf dem richtigen Weg.“