Was Passendes dabei? Anna Stöckle (rechts) stöbert im Angebot der Kleider-Tauschbörse, die Anna Kuhlmann (links) von der Bühler Gruppe fridays for future auf dem Johannesplatz mitorganisiert hat. | Foto: Rudolphi

Nachhaltigkeit steht im Fokus

„Fridays for Future“ Bühl sensibilisiert mit Kleidertausch für den Klimaschutz

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Neue Aktion für den Klimaschutz: Die Bühler Gruppe von „Fridays for Future“ organsierte zum ersten Mal eine Kleider-Tauschbörse. Die Bewegung möchte damit neben den gewohnten Demonstrationen und Kundgebungen ein anderes Gesicht zeigen, um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Nein, es ist kein Freitag. Und nein, es ist keine Demonstration. Dieses Mal hat die Bühler Gruppe der Bewegung „Fridays for Future“ sich etwas Anderes ausgedacht, etwas, das sich von den bisherigen Aktionen deutlich unterscheidet. Am Samstag-Nachmittag lädt die Initiative mitten auf dem Johannesplatz Anhänger und Passanten dazu ein, Kleider zu tauschen. „Wir wollen ganz bewusst ein anderes Gesicht von Fridays for Future zeigen“, betont Anna Kuhlmann vom Organisations-Team.

Mehrere Pappkartons sind vollgepackt

Kurz vor Beginn stehen bereits mehrere große Pappkartons, vollgepackt mit Kleidern, auf dem Platz. Kaum sind die Tische für die Tausch-Börse aufgebaut, kommen auch schon die ersten Tausch-Willigen.

Mehr zum Thema: Die Bühler Aktivisten wollen weiter Druck machen.

Eine Tauschwillige kommt extra aus Achern

Anna Stöckle beispielsweise. Die junge Frau hat zuhause ein paar Kleidungsstücke aussortiert, die sie nicht mehr benötigt. „Ich bin extra nach Bühl gekommen“, bekräftigt sie. Sie war bereits bei einer ähnlichen Aktion in Achern dabei. „Ich finde das eine tolle Sache. Es ist besser, Kleider zu tauschen, als sie wegzuschmeißen“, ist Anna Stöckle überzeugt.

Die Aktivisten werben für Nachhaltigkeit

Mit dieser Haltung stößt sie bei Anna Kuhlmann auf offene Ohren. „Uns geht es um Nachhaltigkeit“, erläutert die 17-Jährige die Gründe für diese Tausch-Börse. Nach wie vor kauften viele Menschen Kleider in Discount-Läden, ohne sich Gedanken zu machen, wo und unter welchen Bedingungen diese Artikel produziert würden – häufig von ausgebeuteten Frauen oder Kindern in Bangladesch.

Die Bewegung möchte sensibilisieren

Die Klima-Aktivisten wollen dafür sensibilisieren, dass bewusstes Einkaufen oder Tauschen zu einem positiven ökologischen Fußabdruck beitragen kann. „Was kostet das?“, fragt eine Passantin, die in einem Stapel gerade ein Kleidungsstück gefunden hat, das ihr gefällt. „Nichts“, antwortet Anna Kuhlmann der Frau, von der sie ein ungläubiges Staunen erntet.

Das Gespräch mit Menschen steht im Fokus

Das ist eine Reaktion, die die Schülerin immer wieder erlebt. Deshalb ist es für sie wichtig, neben den Demonstrationen und Kundgebungen auch andere Wege zu gehen. „Bei so einer Aktion wie der Kleiderbörse kommen wir besser mit den Menschen ins Gespräch“, betont sie. „Die Meisten sind ja aufgeschlossen für unsere Ideen“, sagt sie und zeigt dabei auf die Abfalleimer, die auf dem Johannesplatz stehen.

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Das städtische Klimaschutz-Konzept geht nicht weit genug

Anna Kuhlmann hat überhaupt kein Verständnis dafür, dass der Müll nach wie vor in einen Behälter kommt, ohne die Möglichkeit, ihn zu trennen. Die Stadt könnte damit ohne großen Aufwand einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das städtische Klimaschutz-Konzept ist für die Fridays-for-Future-Aktivistin zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber er geht ihr nicht weit genug. Die Abiturientin plädiert dafür, eine Plastiksteuer einzuführen, um die Flut von Einweg-Bechern und -Verpackungen einzudämmen.

Böllern in der Innenstadt ist nicht mehr tolerabel

Anna Kuhlmann von Fridays for Future Bühl

Auch zum Silvester-Feuerwerk hat sie eine dezidierte Meinung. „Böllern in der Innenstadt ist nicht mehr tolerabel“, beteuert Anna Kuhlmann. Nicht nur angesichts der aktuellen Klima-Debatte, auch im Hinblick auf die Tiere, die unter der ohrenbetäubenden Knallerei schrecklich litten.

Die Gruppe plädiert für weniger Fleisch-Konsum

Apropos Tiere. Weniger oder vollständiger Verzicht auf Fleisch-Konsum kann ihrer Ansicht nach die negativen Folgen für das Klima minimieren. „So viel Fleisch für so wenig Geld, das geht gar nicht“, sagt die Veganerin. „Da kann jeder Einzelne viel machen.“

Mahnwachen sind geplant

Die Bühler Gruppe der Fridays-for-Future-Bewegung möchte die Bürger der Zwetschgenstadt weiter wachrütteln – und zwar regelmäßig. Einmal pro Monat möchte sie Aktionen starten. Anna Kuhlmann zufolge sind unter anderem Mahnwachen und Müllsammlungen geplant. „Es ist unglaublich, was die Menschen alles wegwerfen.“