DER MANN MIT DEM „DRYCHTER“: Fritz Frech aus Gengenbach hat Konzerne auf sich aufmerksam gemacht. | Foto: fc

Fritz Frech aus Gengenbach

Mehr als „Mr. Drychter“

Schmuck ist es im Gengenbacher Ortsteil Reichenbach. Und schnuckelig-schön eingerichtet ist auch das Einfamilienhäuschen, in dem Fritz Frech und seine Lebensgefährtin Gisela Ihling wohnen. Nur: Ruhig geht es dort beileibe nicht mehr zu. Als der BNN-Redakteur bei den beiden zu Besuch ist, klingelt im Fünf-Minuten-Takt das Telefon. Fritz Frech ist mehr denn je ein gefragter Mann, seit er mit dem „Drychter“ genannten Trichter in der Erfindershow „Das Ding des Jahres“ auf Rang vier kam. „Der Drychter ist in aller Munde“, sagt Frech überglücklich. Anfragen gibt es von einem Teleshopping-Anbieter, von Lebensmitteleinzelhandels-Konzernen und von Baumärkten. Dazu noch fast 10 000 Bestellungen über seinen Direktvertrieb. Die Menschen sind also – 43 Jahre nach der Erfindung – quasi auf den „Drychter“ gekommen.

Erfunden hat ihn einst Frechs verstorbener Freund Kurt Gall, ein Schwabe. „Das Geheimnis ist das integrierte Luftrohr“, verrät Frech. Er unterstreicht, dass Produktion und Vermarktung tolles Teamwork seien. Aber zur Marke gemacht hat den „Trichter mit Stöpsel“ der 64-Jährige, auch wenn der Badener das nicht betont. Der Name „Drychter“ stammt von Frech. Nur als Marken- und Qualitätsprodukt habe er eine Chance.

Fritz Frech – so gnitz, wie er ist, könnte man meinen, dass das ein Künstlername sei. Ist aber echt, so wie auch die Bodenständigkeit des gebürtigen Oppenauers. Obwohl auch bundesweit erscheinende Medien sich in diesen Tagen um Frech reißen, nimmt er sich für das Gespräch mit der Regionalzeitung viel Zeit.

DA STAUNT DIE JURY: Fritz Frech aus Gengenbach (Dritter von links) erklärt Lena Gercke, Joko Winterscheidt und Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog (von links) seinen „Drychter“ genannten Trichter. Bei der TV-Show kam der Unternehmer im Finale auf Rang vier. | Foto: dpa

Die 1,3 Millionen TV-Zuschauer des Finales mit Fritz Frech mögen ihn als „Mr. Drychter“ kennen. Das wird ihm aber nicht gerecht. Der Mann ist ein Multitalent: Von Haus aus Fotografenmeister, hatte Frech ein Studio in Offenburg. Food-Fotografie begeistert den Gourmet heute noch. Deswegen hat er auch Koch-Bücher etwa mit Gastronomie-Legende Eckart Witzigmann herausgebracht. Frech arbeitet auch gerne für Edeka-Südwest. Der bisherige Chef des Edeka-Fleischwerks in Rheinstetten und designierte neue Edeka-Südwest-Geschäftsführer, Jürgen Mäder, ist ein guter Freund von ihm. „Mit ihm habe ich das ,Steak No. 1’ entwickelt“, nennt Frech ein Beispiel für seine Passion als Produktscout. Auch der Name „Vegithek“ stammt von ihm, ebenso Ideen für Lebensmittel-Kampagnen, und Fotos in etlichen Edeka-Broschüren.

Die meisten älteren Verbraucher kennen zudem noch den Aufkleber „s’gibt Badische und unsymbadische“ – der ist auch von Frech. 10 000 Exemplare davon ließ er Anfang der 80er-Jahre drucken. Von dem Verdienst seien eine USA- und eine Asien-Reise herausgesprungen.

Na ja, bei dem symbadisch-frechen Spruch gab’s dann auch noch etwas für die Schwaben: „Gottes schönste Gabe ist der Schwabe“, hieß der Spruch auf einem Messerschmitt-Kabinenroller, mit dem Frech einst zum Spiel des VfB Stuttgart gegen Bayern München ins Stuttgarter Stadion einfuhr. Ex-OB Manfred Rommel und der frühere Ministerpräsident Lothar Späth schrieben dem Badener („Ich bin Brückenbauer“) Dankesbriefe.
Den „Drychter“, ursprünglich in Schwaben erfunden, lässt er nun auch dort herstellen: in dem renommierten Ludwigsburger Traditionsbetrieb Hünersdorff. Der „Drychter“ bleibt also ein baden-württembergisches Produkt, ist Frech stolz – von wegen, so etwas funktioniere heute nur noch bei einer Herstellung in Asien. Hünersdorff könne die Stückzahlen rasch hochfahren und liefert den „Drychter“ direkt an Großkunden. Den Online-Vertrieb für Kleinabnehmer übernimmt weiterhin die Einzelfirma Fritz Frech Consulting.

„Bloody Harry“ oder „Happy End“ in den „Drychter“

Frisch und frech: Mit Jeans und Pullover kam der kreative Gengenbacher auch beim jungen Publikum von Stefan Raabs Erfindershow an. Er war früher schon mal im Fernsehen, aber noch nie so groß. Seine Augen strahlen, als er über die Treffen mit Show-Größen wie Lena Gercke und Joko Winterscheidt plaudert. „Die waren, als wären sie einer von uns“, sagt Frech. Seine Lebenspartnerin Gisela Ihling fügt hinzu: „Mit Lena Gercke habe ich mich unterhalten, als wenn sie meine Tochter wäre.“ Später, nach der After-Show-Party, hätten die Erfinder unter sich noch gefeiert. „Alle haben es dem, der gewonnen hat, gegönnt“, sagt Frech.

Der Mann wird demnächst 65. Ruhestand geht aber nicht. „Ich glaube, ich würde alt werden, wenn ich nichts mehr machen würde“, sagt Frech, auf dessen Visitenkarte steht: „Ideengeber, Querdenker, Wortschöpfer, Hinhörer, Produktscout, Netzwerker, Frech-Fotografie.“ Gisela Ihling erwähnt en passant: „Er sitzt oft im Auto und sagt: ,Ich habe wieder einen neuen Namen’.“

So wie „Bloody Harry – Red Rum“. Der Jamaika-Rum wird im Schwarzwald veredelt mit Wasser sowie Farbe, die auch beim Campari verwendet wird. Frech sagt, er habe das Getränk mit kreiert, holt dann einen silberfarbenen Deckel hervor, knipst die integrierten LED-Lichter an und stellt die Flasche drauf: „Das sieht an der Bar toll aus.“ In diesem Zusammenhang vielleicht interessant zu wissen: Der Genussmensch Frech wuchs im elterlichen Oppenauer Gastronomiebetrieb auf.

Dann greift er zu weiteren Spirituosen: Liköre, die unter der von ihm mit geschaffenen Dachmarke „Happy End“ vertrieben werden. „Everybody needs a happy end“, kommentiert Frech verschmitzt. „Im Sahne-Likörbereich waren wir im vergangenen Jahr damit die Nummer drei in Deutschland.“ „Happy End“ ritt seinerzeit mit auf einer damals angesagten Welle: Produkte mit Einhorn-Logo.

Frech hat noch viele Ideen mit frechen Namen. Er weiß: Eine gute Marke und top Qualität allein reichen nicht für den Erfolg. „Businessplan schreibe ich übrigens als Bissnessplan – weil man in meinem Geschäft Biss haben muss.“ Das Multitalent schätzt seine Geschäftspartner, mit etlichen ist er befreundet – überhaupt sein großes Netzwerk. Es kann also gut sein, dass der Badener dank seiner bundesweiten Bekanntheit demnächst noch häufiger Besuch im schmucken Gengenbacher Ortsteil Reichenbach bekommt.

Der Weg zum „Drychter“: Der schwäbische Erfinder Kurt Gall hatte bereits vor 43 Jahren seinen Trichter patentiert, der einen Stöpsel hat – ohne zu tropfen, lassen sich Flüssigkeiten so sauber umfüllen und dosieren. Einige Jahre später konstruierte Gall für den Profi-Fotografen Fritz Frech eine Dia-Entwicklungsmaschine und zeigte dabei seinen Trichter. Beide wollten ihn vermarkten – aber ohne allzu großen Erfolg.
Als Frech nach Gengenbach umzog, fielen ihm die Trichter wieder in die Hand. Sein Freund Kurt Gall war inzwischen verstorben, die Formen nicht mehr auffindbar.
Frech entwickelte den Trichter weiter, machte ihn mit dem Namen „Drychter“ zur Marke und fand Unterstützer bei der Pro7-Gründershow Stefan Raabs „Das Ding des Jahres“. Unter 40 Erfindungen kam der „Drychter“ wie berichtet auf Rang vier.