Symbolbild. | Foto: Keystone

Prozess um Bluttat in Sasbach

Gellende Schreie machen die Nachbarn aufmerksam

Anzeige

Von Dieter Klotz

Als jähzornigen Menschen, der auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckt, bezeichneten Zeugen den 50-jährigen Angeklagten, welcher sich derzeit vor der Großen Strafkammer des Landesgerichts Baden-Baden wegen des Vorwurfs des Mordes zu verantworten hat. Der Mann war in die Wohnung seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Sasbach eingedrungen. Er wollte sie auf diesem Weg zur Rückkehr und Versöhnung zwingen. Ein erfolgloses Unterfangen, welches mit dem tragischen Tod der 43-jährigen Frau endete.

Aufgeschreckte Zeugen alarmieren Polizei

Gellende Schreie erweckten an jenem Abend im April 2017 die Aufmerksamkeit von vier Nachbarn. Man war gerade beim Grillen. Aufgeschreckt liefen die Zeugen die etwa 60 Meter hinüber zum Nachbarhaus und klingelten besorgt in allen drei Stockwerken. Noch kannten sie den Grund der Hilfeschreie nicht. Der im Haus wohnende gehbehinderte Eigentümer hatte zunächst weder das Läuten noch die Schreie gehört, man musste mehrfach klingeln. Mit einem lautem Knall sei währenddessen in der Wohnung der Frau ein Fenster zugeschlagen worden. Aufgeschreckt hatte eine besorgte Nachbarin aus der Gruppe vorsorglich auch die Polizei verständigt.

Nachbarin findet Opfer auf dem Boden liegend

Plötzlich, so die Zeugen am Montag vor dem Richter in Baden-Baden sei dann aus der Haustür der Angeklagte gekommen: So, „als ob er um sich herum gar nichts bemerken würde“. Er sei ins Auto seiner ehemaligen Partnerin gestiegen und nach kurzem Rangieren mit Vollgas davongefahren. So schnell, dass einer der Nachbarn gerade noch zur Seite springen konnte. Durch einen Blick aus ihrem Fenster war noch eine andere Nachbarin auf das Geschehen aufmerksam. Sie war es, welche die leblose Frau im ersten Stockwerk – unterhalb ihrer eigenen Wohnung – auf dem Boden liegend vorfand. Aufgrund ihrer Erfahrungen aus ihrem medizinischen Beruf hat sie sofort erkannt, dass dringend Hilfe angesagt war. Zu spät, wie sie entdecken musste, der Versuch, das Opfer über eine Herz-Lungen-Massage zu reanimieren, sei erfolglos geblieben.

Angeklagter drohte, Frau umzubringen

Die Vorgesetzte des Opfers berichtete, die Frau habe ihr ungefähr zwei Wochen vor ihrem tragischen Ableben berichtet, dass sie sich von ihrem Partner getrennt hätte. Seine Liebe sei zu „krankhaft“, er habe gedroht, sie nach der Trennung nicht in Ruhe zu lassen. Schon Wochen zuvor, musste das spätere Opfer sich für eine Woche kurzfristig krankmelden. Ein Treppensturz soll die Ursache gewesen sein. Deutlich wurde mit der Aussage der Schwester des Opfers: Auch hier war eine handgreifliche Auseinandersetzung der Hintergrund. Der ständige Streit habe sie sowohl körperlich als auch psychisch „fertig gemacht“. Er habe ihr gedroht, sie umzubringen, wenn sie ihn verlasse. An Geld habe es dem Mann stets gemangelt.

50-Jähriger sei „hartnäckig und jähzornig“

In einer weiteren Zeugenaussage wurde noch die geschiedene Ehefrau des Angeklagten gehört. Seit 2013 sei man getrennt und seit 2016 geschieden. Aus der Ehe gingen zwei elf- und zwölfjährige Kinder hervor. Ihnen gegenüber sei er ein guter Vater, das Verhalten gegenüber ihr habe sich aber unterschieden: „Hartnäckig und jähzornig“ sei er oft gewesen. Tätlichkeiten habe es in der Ehe keine gegeben aber alles habe nach seinem Willen gehen müssen. Einige Jahre vor der Tat habe er aufgrund einer depressiven Stimmung auch stationär einen Klinikaufenthalt gehabt.

Sieben Verhandlungstage sind für das Verfahren angesetzt, am 7. März soll das Urteil verkündet werden.